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Schweiz Spital Rorschach lässt Patientenakten herumliegen

Ungewohnt tief lässt das Spital Rorschach in seine Patientenakten blicken: Eigentlich hätten Angestellte warten sollen, bis ein Container mit alten Dossiers von Patienten von einer Datenvernichtungs-Firma abgeholt wird. Stattdessen lassen sie den Container unbewacht vor dem Gebäude stehen.

Legende: Video Patientendaten vor dem Spital abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 12.12.2013.

Tausende Patientendossiers, die bis ins Jahr 1995 zurückreichen, in einem unbewachten Gittercontainer vor dem Spital in Rorschach.

So geschehen gestern Mittwoch am späten Nachmittag unweit der Heidenerstrasse – einer Hauptstrasse. «Die Akten machten den Eindruck, als seien sie unachtsam hineingeworfen worden», sagt die Quelle, die nicht genannt werden will. «Name, Alter, selbst die Diagnose der Patienten waren mit wenig Aufwand zu identifizieren. So etwa zwei Frauen, die wegen Darmkrebs oder Schwangerschaft im Spital waren».

Die Quelle benachrichtigt eine Journalistin des SRF. Die Daten waren zuvor offenbar aus dem Archiv aussortiert worden, um sie entsorgen zu lassen. Der Grossteil der kantonalen Patientinnen- und Patientengesetze schreibt eine Aufbewahrungspflicht von 20 Jahren vor.

Der Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen (zu dem das Spital Rorschach gehört), Philipp Lutz, zeigt sich schockiert ob dem Vorfall: «Wir sind bestürzt, dass so etwas passieren konnte», sagt er. Es sei klar, dass die zuständigen Mitarbeiter die Hinweise nicht eingehalten hätten. Diese besagen laut Lutz, dass die Angestellten warten müssten, bis der Container von der Datenvernichtungs-Firma abgeholt wird. «Das ist offensichtlich nicht geschehen». Weshalb nicht, müsse nun abgeklärt werden.

Keine rechtliche Folgen erwartet

Die Frage, ob das Spital nun mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müsse, verneint Lutz. «Wir gehen nicht davon aus, dass vertrauliche Daten entwendet wurden». Für ihn steht aber fest: «So etwas darf nicht wieder vorkommen». Die Mitarbeiter müssten vorsichtiger mit sensiblen Akten umgehen. Die Abklärungen zum Vorfall seien im Gange.

Ungeschützte Patientendaten keine Seltenheit

Die Schweizer Organisation für Patientenschutz ist zwar enttäuscht über den Vorfall, doch: «Es kommt leider immer wieder vor, dass Patientendaten unbewacht öffentlich zugänglich sind», sagt die Geschäftsführerin Barbara Züst. So zum Beispiel das letzte Mal vor zwei Jahren in einem Tessiner Spital. «Es zeigt, dass die Sensibilisierung für Patientenakten noch nicht abschliessend vorhanden ist».

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11 Kommentare

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  • Kommentar von r.burri, rorschach
    Hauptsache ist doch, dass die Medien ihren täglichen Skandal haben. Ohne Skandale keine Leser, ohne Leser keine Existenz. Zum Glück gibt es Skandale - wenn nötig auch aufgeblasene...
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Burri: Nein, das ist sehr wohl die Aufgabe der Medien diese Geschichte zu bringen. Es zeigt sich wieder mal, dass in der ach so heilen Provinz genau so viel im Argen liegt, wie anderswo auch!
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Dumm gelaufen oder Murphy’s Law. Da wird jemand den Kopf gewaschen bekommen. Mein krassestes Erlebnis bezüglich vertraulicher Daten fand am Strand von Lagos (Nigeria) statt. Da packte doch tatsächlich ein fliegender Händler die hölzerne Schnitzfigur in einen Bankauszug, von welchen er einen ganzen Stapel mit sich trug, ein! You must see it to believe it. Das nennt sich Recycling afrikanisch;-)
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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    jetzt lasst mal die Kirche im Dorf - etwas ungeschickt gelaufen - aber da das ein einmaliger Fall war, dass Altpapier zum Transport rausgestellt wurde, und niemand, der ein Interesse an Darmkrebsdaten etc hätte, davon wusste, geht die Welt nicht unter. Datenklau gibt's ganz wo anders, und da im grossen Stil: Wenn Sie irgend wo sich in einen Hotspot einloggen - schon kann der Betreiber auf all die Daten zurückgreifen ...! Und Sie wissen nicht mal, ob's nicht ein gefälschter Hotspot ist.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Herr Kunz, hier in der Schweiz haben wir - trotz aller Versuche aus D dies zu ändern - strenge Gesetze, welche dem Datenschutz dienen. So gelten bsp. für den Umgang mit "externen Shredder-Services" besondere Sicherheitsvorschriften. Angefangen von blickdichten und verschlossenen Containern, bis zum geregelten Ablauf der "Übergabe" an den Abholer.... Und ja, Datenklau in der CH gibts von ganz wo anders her, gell...
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      J a ja man sah es beim UBS-Meili. Sicherheit ist eben nur so stark wie das schwächste Glied. - ob hier oder in der BRD.
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