St. Galler Forscher im Kampf gegen Hepatitis C – und Krebs

Hilft die mögliche Wunderwaffe gegen Hepatitis C dereinst auch gegen Krebs? Das halten Mediziner des Kantonsspitals St. Gallen für möglich. Sie forschen an einer Impfung gegen Hepatitis C – und sprechen von einem «grossen Potenzial».

Symbolbild: Reagenzgläser und Proben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zwar steckt es noch in der Entwicklung. Doch das neue Impfverfahren schürt Hoffnung. Imago

Ein internationales Forscherteam arbeitet an einem wirksamen Impfschutz gegen Hepatitis C. Daran beteiligt ist auch das Kantonsspital St. Gallen.

«Wir versprechen uns eine kostengünstige, präventive und effiziente Strategie gegen Hepatitis C», sagt Matthias Hoffmann, Oberarzt für Infektiologie und lokaler Studienleiter am Kantonsspital St. Gallen. Doch nicht nur das: Die Ärzte hoffen dereinst auf eine breite Anwendung des neuen Impf-Prinzips gegen zahlreiche Erkrankungen – auch gegen Krebs.

Malaria, HIV, Tuberkulose – und Krebs

Denn die Hepatitis-C-Impfung basiert auf einem neuartigen Impfprinzip. Dieses zielt auf eine Abwehrreaktion der körpereigenen Abwehrzellen ab – im Gegensatz zu den herkömmlichen Impfungen, die eine Antikörperreaktion hervorrufen.

Hepatitis C – die Prävention

3:31 min, aus Rendez-vous vom 28.07.2016

Das neue Impfprinzip sei deshalb auch wichtig im Kampf gegen andere Infektionserkrankungen wie Malaria, HIV, Tuberkulose, oder für die Entwicklung von Krebsimpfstoffen, so Hoffmann.

Gerade bei Krebs spielten die körpereigenen Abwehrzellen eine wichtige Rolle, indem sie versuchten, den Krebs in Schach zu halten. Deshalb schlummere im neuen Impfprinzip ein «grosses Potenzial», um die körpereigenen Heilungskräfte gegen die Wucherkrankheit zu verbessern, glaubt Hoffmann.

Auch Krebsforscher am St. Galler Kantonsspital

In St. Gallen ist der Oberarzt nicht zuletzt deshalb zuversichtlich, weil am Kantonsspital auch an einer Krebsimpfung geforscht wird. So können sich das Hepatitis-C-Programm und die Krebsforschung gegenseitig bereichern.

Die Studie mit dem neuen Impfstoff gegen Hepatitis C ist auf gutem Weg. Vor einem Jahr wurde in St. Gallen der erste Patient in der Schweiz gegen die Virus-Erkrankung geimpft. Mittlerweile wurde der Impfstoff im Rahmen der Studie insgesamt 20 HIV-positiven Patienten verabreicht, acht davon in St. Gallen. Laut Hoffmann geben die ersten Ergebnisse Grund zur Hoffnung: «Wir planen weitere Studien.»

Nur HIV-Infizierte in Studie

Die meisten infizierten Personen sind bislang Drogensüchtige, die sich mit gebrauchten Spritzen ansteckten. Doch inzwischen nimmt die Ansteckung unter schwulen Männern zu, die ungeschützten Sex haben.

In St. Gallen werden im Rahmen der weltweiten Studie ausschliesslich HIV-positive Personen geimpft. Eine Hepatitis-C-Erkrankung verläuft bei ihnen meist schwerwiegender als bei Menschen ohne HIV. Umso wichtiger sei es herauszufinden, ob der Impfstoff auch bei dieser Risikogruppe wirkt, heisst es zur Begründung.

Tickende Zeitbombe

Die Viruserkrankung Hepatitis C verläuft meist chronisch und zeigt oft über Jahre kaum Symptome. Sie führt zu schweren Leberschäden, an denen viele Patienten schliesslich sterben. Zwar gibt es neue, teure Medikamente, welche die Erkrankung heilen können. Vor einer erneuten Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus schützen sie aber nicht.
Hepatitis C wird oft unterschätzt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer stillen Epidemie mit weltweit 150 Millionen Infizierten. Allein in der Schweiz sind von der – meist chronischen – Leberentzündung rund 80'000 Personen betroffen. Die Ansteckung erfolgt über Bluttransfusionen, verunreinigte Spritzen oder ungeschützten Sex.