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Schweiz Stellenabbau wegen Frankenstärke: Eine faule Ausrede?

In immer höherem Takt melden Schweizer Firmen, dass sie Stellen abbauen. Jeweilige Begründung: Der starke Franken. Kritiker sagen jetzt: Für viele Firmen ist der Währungsdruck eine faule Ausrede.

Eine Frankenmünze neben einer zerbröckelnden Euro-Münze
Legende: SRF

Sonova: Minus 100 Stellen. SR Technics: Minus 250. Weidplas: Minus 40. Julius Bär: Minus 200. Das sind die jüngsten Meldungen über Stellenabbau in der Schweiz.

Die Liste liesse sich verlängern. Laut dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) sind es insgesamt schon über 600 Stellen, die gestrichen – respektive ins Ausland verlagert – wurden. Dies, seit die Nationalbank am 15. Januar die Stützung des Euro-Franken-Kurses aufgab.

Abbauen, wo es nicht nötig ist?

Legende: Video Nach dem Frankenschock jetzt der Job-Abbau abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.03.2015.

Schuld ist der starke Franken, heisst es meistens. Schweizer Exporteure müssen die Preise ihrer Produkte senken, um sie im Ausland verkaufen zu können.

Das Problem des Währungsdrucks sieht auch SGB-Chefökonom Daniel Lampart: «Ein Teil der Firmen kämpft ums Überleben. Die versuchen alles, damit es weiter geht in der Schweiz.»

Aber: Auf der anderen Seite gebe es auch Firmen, welche versuchen aus dem überbewerteten Franken Kapital zu schlagen. «Arbeitszeiten rauf. Abbauen, wo es nicht nötig ist», sagt Lampart zu «10vor10».

Tatsächlich gibt es fragwürdige Beispiele. Das Krasseste: Die Gemeinde Uzwil (SG). Dort wurden die Arbeitszeiten für das Gemeindepersonal erhöht. Der Gemeinderat begründet die Massnahme als Solidaritätszeichen an die Wirtschaft, welche unter der Frankenstärke leide.

Billige Arbeitskräfte im Ausland

Swissmem-Präsident Hans Hess betont: «Viele Firmen haben – weil sie an den Stellen und dem Standort in der Schweiz festhalten wollten – vielleicht zu lange gewartet.» Mit dem Frankenschock und Unsicherheiten in verschiedenen Rahmenbedingungen seien viele Firmen zum Schluss gekommen, dass sie jetzt Stellen abbauen müssten.

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) malt auch für die Zukunft ein düsteres Bild. Klaus Abberger von der KOF ist überzeugt, dass weitere Firmen Stellen in der Schweiz ins Ausland verlagern.

Das Personal ist dort schlicht billiger. In gewissen Ländern Europas sind die Löhne bis zu 70 Prozent tiefer.

Eine viel diskutierte Massnahme von Schweizer Firmen, um konkurrenzfähig zu bleiben: Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Aber nicht unbedingt in Tiefstlohn-Länder Asiens, wie eine Reportage von «10vor10» zeigt.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Solange sämtliche Geiwnne nicht als Lohnanteile, sondern als Reingewinn für den Investor abfliesst, ist die aktuelle Sicht der Dinge natürlich klar. Der Gewinn sei privat, die Sozialkosten seien öffentlich. Die Investoren ziehen sich zurück an ein steuergünstiges Plätzchen. Unsere Gesellschaft entsolidarisiert sich nach dem "Vorbild" USA. Dort ist die Mittelschicht am verschwinden, für die "bessere Gesellschaft" gibt es private Schulen, Unis, Spitäler... usw.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      m.mitulla, stimme ihnen zu was den Gewinnabfluss und die Privatisierung betrifft. Hingegen fand meines Erachtens die Entsolidarisierung schon vor einiger Zeit statt, sonste hätte man nicht die MWST eingeführt, die zu einer Mehrbelastung der unteren Einkommen führte.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Man reduziert ja keine Arbeitskräfte im eigenen Konzern, denn man stellt die gleiche Menge einfach im Ausland an. Es sollte deshalb so sein, dass man hier in der Schweiz den Ausländern kündigt und die selben Leute dann im Ausland wieder anstellt. Dann würde sich das Ganze wieder ausgleichen und die Schweizer können ihre Stellen behalten. Wir sollten sowieso eher schauen, dass wir vor allem Produkte herstellen, welche wir hauptsächlich in der Schweiz benötigen, und dadurch unabhängiger werden.
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  • Kommentar von Jakob Stössel, 8108 Dällikon
    Um dem entgegen zu wirken sollte man vor allem das Kartellgesetzt zu Gunsten der Verbraucher anpassen. Werden die Lebenshaltungskosten gesenkt, werden auch die Löhne stagnieren und der hohe Kostenanteil im Gewerbe senken, insbesondere im Tourismus. Als Handelsreisender musste ich oft feststellen, dass die Bezugspreise beim Importeur oft höher waren als der Direktbezug via Internet für den Endkunden. Somit sind nicht die Löhne preistreibend sondern die Handelshemmnisse.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Jakob Stössel, das stimmt bei Importwaren. Kürzlich habe ich dabei aber die Erfahrung gemacht, dass der Internet versant für Lieferungen in die Schweiz einen kräftigen Schweiz-Versand erhebt und dies obwohl hier die MWSt tiefer ist! Für Schweizer Exportware sind die Löhne doch entscheidend. Und für die Schweiz ohne Rohstoffe ist gerade der Export von zentraler Wichtigkeit.
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