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Schweiz Stelleninitiative des Bundes floppt

Offene Bundesstellen vorab den Arbeitsvermittlungszentren melden und damit inländischen Arbeitslosen einen Vorteil bei Bewerbungen geben. Das beschloss der Bundesrat im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Doch die Umsetzung der an sich bestechenden Idee trägt bisher klare Züge eines Rohrkrepierers.

Die Kooperation von Bund und RAV zur Förderung inländischer Fachkräfte zeigt Anlaufschwierigkeiten.
Legende: Die Kooperation von Bund und RAV zur Förderung inländischer Fachkräfte zeigt Anlaufschwierigkeiten. Keystone/Archiv

Arbeitslose sollen freie Stellen beim Bund früher einsehen können, indem diese den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) vorab gemeldet werden. Das ist eine der Massnahmen des Bundes gegen den Fachkräftemangel.

Das gebe Stellensuchenden eine Möglichkeit, sich früher, einfach und direkt interessieren und bewerben zu können, verkündete Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Februar. Vor zwei Wochen hiess es beim Bund, man habe dies nun umgesetzt.

Wer nichts weiss, kann nichts weitergeben

Doch die Sache hat gleich mehrere Haken: Erstens wissen die Arbeitslosen nichts davon. Das für die Umsetzung zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schreibt zwar, die Stellensuchenden würden in den RAV explizit auf diese Stellenangebote aufmerksam gemacht.

Doch Nachfragen von SRF bei mehreren RAV-Leitern zeigen, dass die meisten Ämter noch nie davon gehört haben. Damit erfahren natürlich auch die Arbeitslosen nichts. Das Seco gibt zu: Man habe bisher die RAV nicht direkt informiert. Das werde nun nächste Woche geschehen.

Teil der Seco-Stellen nicht auf RAV-Plattform

Zweitens funktioniert die Massnahme nur teilweise: Ein Fünftel der offenen Stellen der letzten Tage wurde nicht vorab auf der RAV-Plattform publiziert, wie SRF-Recherchen zeigen.

Pikanterweise betrifft dies vor allem offene Stellen des Seco. «Das können wir aus unserer Sicht nicht nachvollziehen», antwortet das Staatssekretariat etwas hilflos – und schickt eine Liste mit Stellen, wo es funktioniert hat.

Ein «unechter Vorsprung»?

Drittens passiert die vorzeitige Publikation von offenen Bundesstellen im Internet. Und zwar auf der RAV-Stellenplattform, Link öffnet in einem neuen Fenster. Andere Massnahmen gibt es nicht, wie Marc Gilgen, Leiter Arbeitsmarkt beim Kanton Bern, bestätigt. Und er fügt hinzu: «Das ist eine Art unechter Vorsprung. Die Website der RAV ist schlussendlich öffentlich, da kann jede und jeder zugreifen.»

Damit fällt der Informationsvorsprung von inländischen Arbeitslosen dahin. Es ist also mehr als fraglich, ob unter diesen Bedingungen das Ziel des Bundes erreicht werden kann. Nämlich inländische Stellensuchende zu fördern und die Zuwanderung zu reduzieren.

Immerhin verspricht das Seco nun vierteljährliche Erfolgskontrollen. Doch bisher ist die gut gemeinte bürokratische Aktion im Auftrag von Bundesrat Schneider-Ammann in erster Linie ein Rohrkrepierer.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Unglaublich dilettantische Vorgehensweise.Man könnte dahinter bereits schon Böswilligkeit vermuten.Ein logistisches Problem,das jeder Lehrabgänger vermutlich besser lösen würde.Kann mich nur der Bezeichnung"Bananenrepublik"u/o "Schurkenstaat"anschliessen.Zukunftsvision Griechenland? Schattenwirtschaft,Schwarzarbeit,und Migranten zwecks Lohndumping und Steuerhinterziehung.Was könnte bei uns noch "zusätzlich" alles privatisiert werden?Soziale-u.Bildungs-Demontage"ist eh in der Pipeline.Was noch?
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  • Kommentar von Christian Schulthess, 8824 Schönenberg
    Unser Staat kann nicht mal ein Vorbild Funktion wahrnehmen. Davon noch genau die Abteilung die dann die Arbeitslosen noch knechtet. Was will man schon von einem Schurkenstaat erwarten?!?! Der erste August gibt es für mich schon lange nicht mehr.
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  • Kommentar von Ruedi Hammer, Oberwil
    Die in Bern sind tatsächlich so. Die glauben doch auch noch im Ernst, dass die nach wie vor nicht umgesetzte MEI unsere CH Arbeitsplätze nicht gefährdet. 150'000 Arbeitslose, 180'000 Augesteuerte: die kann man alle nicht gebrauchen, obwohl doch angeblich überall dringenst gesucht wird. Ja die sind so.
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