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Stimmrechtsalter 16 rückt näher
Aus Tagesschau vom 02.02.2021.
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Stimmrechtsalter 16 Von der Schulbank an die Wahlurne

Die Abstimmung in der Kommission fiel knapp aus. Nicht erstaunlich, haben doch beide Seiten durchaus nachvollziehbare Argumente. Warum sollen die Jungen nicht mitbestimmen, wenn sie es doch sind, die von den politischen Entscheiden am stärksten beziehungsweise am längsten betroffen sind? Aber auch: Welchen Sinn ergibt es, wenn 16-Jährige abstimmen und wählen können, bevor sie die zivile Mündigkeit erreichen?

Steigende Wahlbeteiligung?

Stimmrechtsalter 16 ist ein emotionales Thema, verbunden mit einigen Hoffnungen oder Befürchtungen, je nach politischem Standpunkt. Bei genauerer Betrachtung lösen sich diese Erwartungen und damit auch die Brisanz des Themas aber in warme Luft auf.

So kann man davon ausgehen, dass ein Stimmrechtsalter 16 nicht zu einer höheren Stimmbeteiligung führen würde. Im Gegenteil: Schon heute weisen die 18-25-Jährigen die tiefste Stimmbeteiligung auf; in den letzten Abstimmungen lag sie jeweils zwischen 10 und 40 Prozent tiefer als der Durchschnitt aller Altersgruppen. Das dürfte bei den 16- und 17-Jährigen auch nicht anders sein. Sie würden deshalb die durchschnittliche Stimmbeteiligung – zumindest kurz- und mittelfristig – eher nach unten ziehen.

Die Kräfteverhältnisse bleiben bestehen

Entgegen der landläufigen Meinung sind junge Abstimmende auch nicht überwiegend links. In der Eidgenössischen Jugendbefragung bezeichneten sich mehr junge Erwachsene als rechts denn als links. Die meisten sehen sich in der Mitte. Einen ähnlichen Befund gab es in Österreich, wo die 16-Jährigen seit 2007 stimmberechtigt sind: Bei den Nationalratswahlen 2008 votierten die 16-Jährigen deutlich überproportional für eine rechtspopulistische Partei.

Stimmrechtsalter 16 würde also an den bestehenden politischen Kräfteverhältnissen und an der politischen Partizipation nicht viel ändern. Immerhin würde es das heutige Median-Alter der Stimmbevölkerung von 57 Jahren etwas nach unten drücken.

Das letzte Wort haben die über 16-Jährigen

Ob es dazu kommt, wird am Schluss das Stimmvolk – ohne die 16- und 17-Jährigen – beantworten müssen. Ein Ja an der Urne ist eher ungewiss. In einer kürzlich veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts Sotomo konnten sich nur 28 Prozent der Befragten mehr oder weniger mit dem Stimmrechtsalter 16 anfreunden.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

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Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

Tagesschau 2.2.2021 19.30 Uhr

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82 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Widerstand gegen das Stimmrechtalter kommt vorwiegend aus rechtsbürgerlichen Kreisen. Dazu gibt es nur eine Erklärung: tendenziell ist die Mehrheit der Jungen eher grün und politisch links orientiert. Das wissen natürlich die Rechtsparteien und fürchten, Wähleranteile zu verlieren wenn unsere Jungen an die Urne gehen dürften. Klar dass das niemand von ihnen das so offen zugibt, aber meines Erachtens ist es ein Hauptgrund für den Sturmlauf gegen das Stimmrechtsalter 16.
  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Gegen das Stimmrecht ab 16J. gibt es eigentlich kein einziges wirklich überzeugendes Argument. Die Stimmbeteiligung werde sinken: und wenn schon, das läge im 1 bis 2 % Bereich, dafür würde ein grösserer Teil der Bevölkerung erfasst. Die Jungen interessierten sich nicht für Politik: tun das die meist über 50% der erwachsenen Nichtwähler?
    Würden die 2 zusätzlichen Jahrgänge 16 bis 18J irgendwas am Ausgang einer Abstimmung ändern? Alle Experten sagen dazu nein. Lasst unsere Jugend mitbestimmen!
  • Kommentar von Yaromir Roranir  (xyxrx)
    Anhand der Kommentare merkt man, dass die Älteren eine halbe Krise schieben.
    Immer dieses Gemotze, saufen darf man mit 16, sogar Steuerpflichtig wird man dann aber etwas wichtiges mitbestimmen nicht dürfen? Schämt euch!!!
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      Y. R. dachte es gebe ein Alkoholverbot in den Läden, muss ein Jugendlicher 18 J. sein, nicht 16. Steuerpflichtig werden Sie ab 18 J. (da Volljährig, dieses alter wurde vor einigen Jahren von 20 auf 18 J. gesenkt) Steuerpflichtig für den Fall Sie überhaupt schon genug Geld verdienen. Schämen muss sich niemand, denn eine Gerechtigkeit gibt es für alle nie.
    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Roranir: Und denken Sie daran das man in der Schweiz ab 10Jahren strafmündig ist. Aber stimmen und wählen nicht.