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Syngenta wird chinesisch
Aus Tagesschau vom 05.05.2017.
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Angebot aus China akzeptiert Syngenta wird definitiv chinesisch

  • Der Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta gelangt in die Hände des chinesischen Staatskonzerns ChemChina.
  • Die Syngenta-Aktionäre haben dem Übernahmeangebot zum Preis von 43 Milliarden Dollar zugestimmt.
  • Eine Verlagerung von Arbeitsstellen nach China ist nicht geplant, versichert Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré. China geht es primär um das Know-how.

Nach über einem Jahr ist nun die Übernahme definitiv: Die Aktionäre der Syngenta verkaufen ChemChina über 80 Prozent der Aktien. Damit sind die Bedingungen von Seiten der beiden Konzerne erfüllt. ChemChina ist bereit, dafür 43 Milliarden Dollar zu bezahlen.

Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré zeigt sich darüber erfreut: «Als internationales Unternehmen und Leader in verschiedenen Weltmärkten, ist dies eine weitere grosse Chance. Nun können wir die chinesische Landwirtschaft modernisieren.»

Wandern Arbeitsplätze nach China ab?

Syngenta macht in Zukunft also seine Geschäfte unter chinesischer Flagge. Das polarisiert – auch wegen der rund 3000 Syngenta Mitarbeiter in der Schweiz. Werden Arbeitsplätze nun teilweise nach China verlagert?

Das sei nicht geplant, versichert VR-Präsident Michel Demaré einmal mehr: «Im neuen Verwaltungsrat gibt es vier Verwaltungsräte von ChemChina und vier von Syngenta. Das heisst, wir können mitreden, wenn es um einen allfälligen Umzug des Hauptsitzes, um einen Stellenabbau oder der Verlagerung der Forschung geht.»

Auch der chinesische Wirtschaftsprofessor Yuan Ding bezweifelt, dass ChemChina Arbeitsplätze nach China abziehen wird. Der Experte für Firmenübernahmen lehrt derzeit in der Schweiz und erklärt: «Es geht um die Technologien von Syngenta. China will diese nutzen, weil es selbst noch zu wenig Knowhow hat. Deshalb ergibt es Sinn, gerade die Forschung in der Schweiz zu belassen.»

ChemChina hatte sein Angebot bereits im Februar 2016 angekündigt. Die Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden verschiedenster Länder dauerte jedoch länger gedauert als erwartet. Inzwischen haben alle Behörden, ausser in Indien, der Übernahme zugestimmt. Weil die Einsprachefrist jedoch verstrichen ist, steht der Übernahme nun nichts mehr im Weg. Sie soll bis im Sommer abgeschlossen sein.

Einschätzung von SRF-Redaktor Andi Lüscher

Chinesische Firmen, die Schweizer Firmen übernehmen, sind in einer ersten Phase vor allem eines: abhängig vom lokalen Personal. Die hiesigen Fachkräfte, insbesondere das Management, besitzen Know-How, das die Chinesen nicht haben. Es ist darum nicht verwunderlich, dass es im operativen Geschäft meist erstmals keine grösseren personellen Änderungen gibt. Der chinesische Mutterkonzern lässt das lokale Management weiterarbeiten und lernt von ihm. Allerdings sind chinesische Unternehmen nicht für eine Laissez-Faire-Politik bekannt. Sie sind hierarchischer organisiert als Schweizer Unternehmen und wollen früher oder später Einfluss auf das Management in der Schweiz nehmen, eigenes Personal in wichtige Positionen bringen. Und da liegt die grosse Herausforderung. Wie viel Einflussnahme verträgt es? Das ist eine Frage, die sich nach jeder Übernahmen stellt. Durch die grossen kulturellen Unterschiede der beiden Länder erhält sie hier aber eine grössere Bedeutung.

Top 5 Übernahmen von Schweizer Firmen durch Chinesische Unternehmen (Quelle: KPMG)

Schweizer Unternehmen
Kaufpreis (in Milliarden Dollar)
Syngenta43,3
Swissport International Ltd.
2,7
Gategroup Holding AG
1,9
Infront Sports & Media AG
1,2
OC Oerlikon-Natural Textiles
0,7

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert  (A. Bauert)
    Unsere Nationalbank hätte Syngenta mit Links kaufen können. Nein, man überlässt es dem chinesischen Staat.
    1. Antwort von Marcel Dupasquier  (Marcel Dupasquier)
      Sehe ich das richtig, dass hier kommunistische Massnahmen, wie Firmen zu verstaatlichen, vorgeschlagen werden?
  • Kommentar von Charles Dupond  (Egalite)
    Wenn ein Fischer sein Boot und seine Netze verkaufen wuerde, um nur noch auf der faulen Haut zu liegen, wuerde man ihn bevormunden. Wenn bluehende Schweizer Firmen fuer eine einmalige Megaueberfettung der nimmersatten Aktionaere samt Nauhau ins Ausland verscherbelt werden, macht die Politik nix dagegen. Gewinne privat, Folgeruin dem Buerger, Volk und Staat....
  • Kommentar von Aurel Specker  (Auspec)
    Chinesische Firmen wissen die Herkunft von Firmen zu schätzen und bauen meist die alten Standorte weiter aus, derweil natürlich auch neue Standorte für den chinesischen Markt. Ganz im Gegensatz dazu stehen Übernahmen von meist westlichen Firmen, die das Gefühl haben alles besser zu können, und viel "in den Dreck fahren".