Burkhalter-Nachfolge Tessiner FDP schickt Cassis alleine ins Bundesratsrennen

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Tessiner FDP will Einer-Ticket

1:28 min, aus Tagesschau vom 1.8.2017
  • Die Tessiner FDP schickt für die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrats Didier Burkhalter alleine Ignazio Cassis ins Rennen.
  • Die Delegierten der Kantonalpartei folgten damit dem Vorschlag der Parteileitung.
  • Die nationale FDP-Fraktion entscheidet am 1. September, wen sie der Bundesversammlung vorschlagen will.

Vor drei Wochen hatte bereits die Parteileitung voll auf den FDP-Fraktionschef und Nationalrat Cassis gesetzt. Die Delegierten sprachen sich nun mit nur drei Gegenstimmen für ein Einerticket aus.

Laut der Tessiner FDP bringt der 56-jährige Cassis die nötigen Qualitäten für das Bundesratsamt mit und hat die grössten Wahlchancen. Cassis besitze Glaubwürdigkeit, eine grosse Reputation und sei in Bundesbern gut vernetzt, sagte der Tessiner FDP-Präsident Bixio Caprara.

Eine einzige Kandidatur sei die beste Wahl, um das Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz zu Gunsten der Tessiner FDP entscheiden zu können, sagte Caprara. Mehrere Kandidaten könnten auch als Zeichen der Schwäche interpretiert werden.

Die nationale FDP-Fraktion entscheidet am 1. September, wen sie der Bundesversammlung für die Wahl am 20. September vorschlagen will. Parteichefin Petra Gössi besteht – wie von vielen Parlamentariern verlangt – auf einem Zweiervorschlag.

Am Tag nach der Rücktrittsankündigung Burkhalters hatte die FDP mitgeteilt, sie suche Kandidaturen, welche die lateinische Schweiz verträten. Während Cassis als gesetzt erscheint, konzentriert sich die Debatte nun auf die Frage, wer neben dem FDP-Fraktionschef auf dem Ticket steht.

Westschweiz diskutiert noch

Auch die Westschweizer wollen ein gewichtiges Wort mitreden. Öffentlich Interesse gezeigt hat etwa die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro. Auch dem Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und dem Genfer Staatsrat Pierre Maudet werden Ambitionen nachgesagt. Die Waadtländer Kantonalpartei wird am 10. August entscheiden.

Kandidaturen können bis in zehn Tagen – am 11. August – bei der FDP Schweiz eingereicht werden. Die Bundesratswahl findet in der kommenden Herbstsession statt, am 20. September. Burkhalter tritt am 31. Oktober zurück.

Einschätzung von Bundehausredaktorin Nicole Frank

SRF: Der Entscheid für Ignazio Cassis fiel deutlich aus. Obwohl es im Tessin im Vorfeld Stimmen gab, die eine grössere Auswahl forderten. War es an der Versammlung noch ein Thema?
Nicole Frank: Es gab vereinzelte Stimmen, aber im Plenum hatten sie absolut keine Chance. Die FDP Tessin will auf einen Kandidaten setzen – und zwar den besten. Das ist ihrer Meinung nach Ignazio Cassis. Was aufgefallen ist: Der Vorstand hat sehr schnell klargemacht, dass er mit einem Kandidaten, mit Cassis, ins Rennen will.
Was kann Cassis auf dem Weg in den Bundesrat noch in die Quere kommen?
Beobachter sind sich einig: Es gibt kaum jemanden, der ihm gefährlich werden kann. Man geht aber davon aus, dass die FDP Schweiz zwei Kandidaten für die Nachfolge von Burkhalter vorschlagen wird.

Spannend wäre es, wenn sich noch eine Westschweizer Frau kandidieren würde. Es gibt bereits eine Interessentin: Jacqueline de Quattro, Regierungsrätin aus der Waadt.

Eine weitere potentielle Kandidatin ist Isabelle Moret, Nationalrätin aus der Waadt. Sie hält sich aber noch bedeckt. Ihr werden sehr wohl Chancen nachgesagt. Sie ist im Parlament und bestens vernetzt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies eher ein Vorteil als ein Nachteil ist. Die Westschweizer Kantonalparteien werden aber erst in den nächsten Tagen über ihre Kandidaten entscheiden.