Therapien für Straftäter sind extrem teuer

Kein Sondersetting, und trotzdem: 58‘000 Franken für einen Straftäter pro Monat. Einen solchen Fall gibt es im Kanton Bern. Ein Experte erklärt, wieso es so teuer werden kann.

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Therapien für Straftäter sind extrem teuer

3:19 min, aus Schweiz aktuell vom 26.3.2014

Für die Unterbringung und Therapierung von Straftätern zahlt der Kanton Bern pro Monat bis zu 58'249 Franken. Das gab der kantonale Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser in der Fragestunde des bernischen Grossen Rats bekannt.

Dazu sagt der ehemalige Vollzugschef der Strafvollzugsanstalt Pöschwies in Zürich, Thomas Noll: «Es geht hier um stationäre Massnahmen, in diesem Fall in einer Klinik. Einerseits braucht es Sicherheitspersonal, denn es handelt sich ja um Straftäter. Andererseits braucht es auch therapeutisches Personal, und das ist teuer.»

Stationäre Massnahmen in einer Klinik seien immer teurer als stationäre Massnahmen im Strafvollzug. Denn die Kliniken müssten die ganze Sicherheitsinfrastruktur noch aufbauen. Es gebe in der Schweiz einen Aufholbedarf der Plätze für stationäre Massnahmen, sagt Noll.

Teure Kliniken

Die Person, welche Kosten in dieser Höhe verursache, befinde sich im Rahmen einer stationären Massnahme in einer psychiatrisch-forensischen Klinik im Kanton Zürich, sagte Käser weiter. Das gelte auch für den zweit- und drittteuersten Fall, die den Kanton Bern je 50'000 Franken kosteten. Bei den drei Fällen handle es sich nicht um Verwahrte. Im Strafvollzug sind die Tagesansätze tiefer.

«Aus meiner Erfahrung in der Strafanstalt Pöschwies weiss ich: Im normalen Strafvollzug kostet ein Tag eines regulären Strafgefangenen im sogenannten Normalvollzug etwa 300 Franken. Es gibt aber auch Therapie-Insassen, die eine stationäre Massnahme machen, die kosten etwa 600 Franken», sagt Noll.

Immer mehr Massnahmen

Laut Käser steigen die Kosten für die Inhaftierung und Betreuung von Straftätern immer mehr an, weil die Gerichte je länger, je mehr stationäre Massnahmen verhängten. Am 31. Januar dieses Jahres hätten 23 erwachsene Personen im Straf- oder Massnahmenvollzug dem Kanton Bern Kosten von mehr als 15'000 Franken pro Monat verursacht.

Im Kanton Bern sind Jugendliche im Massnahmenvollzug in keinem Fall in Settings anzutreffen, wie sie im Fall Carlos publik geworden sind», sagte Käser. In zwei Heimen im Kanton Bern würden total 63 jugendliche Straftäter betreut, nur sieben davon aus dem Kanton Bern.

Es sei kein bernisches Problem, sagt auch Noll dazu. Es würden immer mehr stationäre Massnahmen angeordnet. «Teilweise ist es aus meiner Sicht etwas sehr optimistisch, wie die Gerichte diese Massnahmen anordnen.»