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Ist eine Helmpflicht bei E-Bike-Fahrern sinnvoll?
Aus 10vor10 vom 01.10.2019.
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Tödliche Unfälle nehmen zu Braucht es eine Helmtragepflicht bei E-Bikes?

  • 2018 gab es in der Schweiz soviele schwere Unfälle mit E-Bikes wie noch nie.
  • Für die schnellen E-Bike-Modelle gibt es bereits eine Helmpflicht.
  • Das ist der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU zu wenig: Sie fordert eine Helmpflicht für alle E-Bike-Fahrer.

Mit dem so genannten langsamen E-Bike fährt man bis zu 25 Kilometer pro Stunde. Das tragen eines Helms ist hier freiwillig. Das sei gut so, sagt Christoph Merkli, Geschäftsführer beim Verband Pro Velo. Das Tragen eines Helms befürwortet er grundsätzlich – aber ein Obligatorium, wie dies derzeit von der Beratungsstelle für Unfallverhütung gefordert wird, ist für Merkli der falsche Weg. «Im Dorf trage ich nie Helm, aber sobald ich weitere Distanzen fahre, habe ich auch einen Helm an», sagt Merkli und fügt an: «Das ist eine persönliche Risikoeinschätzung.»

«Mit der Frisur ist es mühsam»

Einen Helm zu tragen, verhindere einen Unfall noch nicht. Es brauche breitere Strassen und sichere Velowege. «Sicherheit für Velofahrer gewinnt man nicht mit einem Obligatorium, sondern mit besserer Infrastruktur. Man will ja Unfälle verhindern und nicht nur die Folgen der Unfälle vermindern.»

Viele E-Bike-Fahrer tragen schon heute Helm. Fragt man die ohne Helm, ist die Meinung schnell gemacht: «Normalerweise mit Helm, heute nur kurz unterwegs.» oder: «Mit der Frisur ist's halt mühsam.» Schliesslich meint eine Passantin: «Wir sind ja selber für uns verantwortlich.» Es geht also um Eigenverantwortung. Damit argumentierte man auch schon Anfang der 1980er, als im Auto für die Vordersitze die Sicherheitsgurte obligatorisch wurden.

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Stefan Sigrist: «Wir setzen uns für Velohelmobligatorium bei E-Bikes ein.»
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Doch der Sicherheitseffekt war bereits damals da. Die Zahl der Autounfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten ging nach der Einführung des Gurtenobligatoriums 1981 merklich zurück. Bei den Fahrradfahrern haben die Unfallzahlen in den letzten Jahren stagniert, währendem die Unfälle mit Toten und Schwerverletzten bei den E-Bikes zunahmen, auf zuletzt 321.

Ein Helmobligatorium soll diese Zunahme nun bremsen. Doch der Effekt sei kaum der Gleiche wie damals beim Gurtenobligatorium, heisst es bei Pro Velo. «Da vergleicht man Äpfel mit Birnen. Gurten sind bereits im Auto installiert, beim Velo muss man den Helm noch mitnehmen.» Dies sei mit einem gewissen Aufwand verbunden und genau das führe dazu, dass der Helm zum Teil nicht getragen werde.

Selbstautonomie oder Sicherheit?

Verkehrpsychologe Markus Hackenfort forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit. Egal ob Sicherheitsgurt oder Helm: Wie stark man sich schützt, habe immer auch mit gesellschaftlichem Druck zu tun. «Wir haben den Effekt im Grunde schon auf der Piste gesehen: vor 20 Jahren war die Helmtragquote eine ganz andere als heute.» Das sei ein Effekt, der beispielsweise über sozialen Druck entstanden sei – weil man gesehen habe, dass auch andere einen Helm tragen. «Das könnte bei Velofahrern genauso passieren», erklärt Hackenfort.

Heisst konkret: Ist das Helmtragen beim E-Bike genug etabliert, wäre eine Helmtragepflicht vielleicht gar nicht mehr nötig. Der Beratungsstelle für Unfallverhütung geht das zu lange. Sie will das Obligatorium schon jetzt und lanciert die alte Frage neu: Was gewichtet man höher: Selbstautonomie oder Sicherheit?

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