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Legende: Video Tödlicher Polizeieinsatz in Bern abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.07.2019.
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Tödlicher Schuss in Bern So selten greifen Schweizer Polizisten zur Schusswaffe

  • 2018 kam die Waffe bei Schweizer Polizisten elfmal zum Einsatz. 2010 geschah das noch fast dreimal häufiger.
  • Einsätze mit Todesfolge gibt es nur äusserst selten.
  • Einsätze von Elektropistolen und Veränderungen bei der Ausbildung seien Gründe dafür.

Man findet nur wenige Fälle, bei denen der Waffeneinsatz der Polizei zu Verletzungen oder Toten geführt hat. Da ist der Fall in Brissago im Tessin von 2017. Ein Polizist schoss auf einen mit zwei Messern bewaffneten Asylsuchenden. Dem Einsatz war ein Streit vorausgegangen. Der Asylsuchende starb in der Folge. Oder da sind die dreizehn Schüsse, die 2016 im Zürcherischen Ossingen gefallen sind, um einen mutmasslichen Einbrecher zu stoppen. Der Mann wurde verletzt. Andere Fälle betreffen Schüsse, mit denen zum Beispiel ein Flüchtiger gestoppt wurde.

Wann darf ein Polizist schiessen?

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Der Schusswaffengebrauch ist in den Polizeigesetzen der jeweiligen Kantone geregelt. Der Inhalt ist aber meist ähnlich.

Polizisten können von der Schusswaffe Gebrauch machen,

  • wenn sie selbst oder andere bedroht oder angegriffen werden (Notwehr)
  • wenn ein Verbrecher fliehen will
  • zur Befreiung von Geiseln
  • zur Verhinderung eines Verbrechens an Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen.

Generell greifen Polizisten selten zur Waffe. Das zeigt die Statistik der letzten Jahre.

Die Schweiz habe, verglichen mit anderen Ländern, sehr selten Waffeneinsätze, bestätigt Markus Mohler, der ehemalige Polizeikommandant von Basel-Stadt. Und Tote gebe es fast nie: «Wir sind in der glücklichen Situation, dass hierzulande Tote durch Schusswaffen der Polizei extrem selten sind.»

Der Extremfall

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Die wohl extremste Form des Waffeneinsatzes ist der «finale Rettungsschuss», wenn also eine Person andere gefährdet und durch die Polizei gezielt erschossen wird. In den letzten 20 Jahren war das in der Schweiz nur einmal der Fall. Im März 2000 schoss in Chur ein 22-Jähriger von seiner Wohnung aus auf ein Restaurant. Als die Polizei seine Wohnung stürmen wollte, eröffnete er wieder das Feuer. Auch Rettungskräfte, welche die verletzten Polizisten bergen wollten, nahm er in das Visier. Nach neun Stunden Belagerung und zahlreichen Verletzten erschiesst ein Scharfschütze der Kantonspolizei Graubünden den Mann.

Polizisten seien grundsätzlich zurückhaltend, weil jeder Schusswaffeneinsatz von der Staatsanwaltschaft untersucht wird, so Mohler: «Die Polizei ist verpflichtet, Schusswaffeneinsätze zu melden.» Das habe eine gewisse Zurückhaltung zur Folge.

Weniger Pistole, mehr Taser

Auffällig ist, dass die Zahl der Einsätze seit 2010 stark gesunken ist. Das könne mehrere Gründe haben, so Mohler: «Die Ausbildung der Polizistinnen und Polizisten hat sich verändert. Heute wird viel mehr Gewicht auf Themen wie Ethik, Recht und Grundrechte gelegt.»

Die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten KKPKS argumentiert mit der Ausbildung. Polizistinnen und Polizisten seien im Umgang mit Konfliktsituationen ausgebildet. Zudem stünden zahlreiche mildere Einsatzmittel zur Verfügung.

Zum Beispiel der Taser. Der Gebrauch dieser Elektroschock-Pistolen in den letzten Jahren stark gestiegen.

Die KKPKS hält fest, dass nicht immer ein Elektro-Impuls ausgelöst worden sei, wenn die Geräte zum Einsatz kamen. 2018 hätte es zwar 125 Einsätze gegeben, aber nur in 45 Fällen sei der Stromschlag auch wirklich ausgelöst worden.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Es wäre miserabel, wenn jetzt wieder ein schwarzes Schaf bei der Polizei gesucht wird.
    Kein Polizist in CH schiesst einfach wild um sich wie z.B. in USA.
    Trotzdem ist es für diese ausgebildeten Leute unglaublich schwierig, in der Schweiz zu agieren und Sicherheit für uns CH's zu gewähren. In unserer Kuschelpolitik macht die Polizei immer den Fehler ! Schlimm für die Polizeileute !
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  • Kommentar von Jonas Henn  (Na)
    Es würde mich nicht wundern wenn Einsätze mit der Waffe wieder steigen würden, viele Polizei korbs sind überlastet, ihre Anzahl wurde nicht an das Bevölkerungswachstum angepasst. Dank der Sparpolitik gewisser Politiker.
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  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Dank der sehr genau ausgebildeten Beamten der Polizei, ist diese Bilanz überhaupt möglich. Der Dienst zum Wohle und der Sicherheit der schweizer Bevölkerung, ergibt einen signifikanten Beitrag zu unserer so oft gelobten Lebensqualität-Danke für den täglich geleisteten Dienst für uns alle.
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