Zum Inhalt springen

Header

Audio
Hof- und Weidetötung: «Schritt in Richtung Tierwohl»
Aus Espresso vom 04.08.2020.
abspielen. Laufzeit 06:22 Minuten.
Inhalt

Töten auf dem Hof «Wollen wir die Massentierhaltung aufrechterhalten?»

Bio-Landwirt Georg Blunier aus Paspels (GR) zur Legalisierung der Hof- und Weidetötung im Lebensmittelrecht.

Er war einer der Ersten in der Schweiz, der seinen Tieren den Transportweg in die Metzgerei ersparte: Bio-Landwirt Georg Blunier aus Paspels (GR). Der 39-Jährige hatte vom Kanton eine Sonderbewilligung für die sogenannte Hoftötung erhalten, um Erfahrungen mit dieser Methode zu sammeln. Dabei werden die Tiere nicht lebend in den Schlachtbetrieb gefahren, sondern der Metzger kommt auf den Hof, macht dort den Bolzenschuss und blutet das Tier aus. Erst danach wird es in die Metzgerei transportiert. «Mit dieser Methode werden unnötige Stressfaktoren für das Tier ausgeschaltet», ist Blunier überzeugt.

«Grosser Schritt in Richtung Tierwohl»

Seit dem 1. Juli 2020 ist die Hof- und Weidetötung zur Fleischgewinnung nun offiziell erlaubt. Die entsprechende lebensmittelrechtliche Verordnung wurde angepasst. «Das freut uns natürlich sehr», sagt Blunier. Damit mache die Schweiz einen grossen Schritt in Richtung Tierschutz und Tierwohl.

Sicher hätten er und seine Frau eine gewisse Vorreiterrolle eingenommen. Aber letztendlich seien viele Faktoren entscheidend gewesen, damit sich diese Methode habe durchsetzen können: Die Unterstützung aus Forschung und Politik etwa, andere Pionierbetriebe, auf denen ebenfalls Erfahrungen gesammelt wurden. «Wir sind glücklich, dass wir etwas dazu beitragen konnten. Aber letztendlich ist es nicht relevant, wer der Erste war.» Sein oberstes Ziel sei, dass möglichst viele Tiere auf diese Weise geschlachtet werden könnten und er sei überzeugt, «dass sich viele Leute wünschen, solches Fleisch essen zu können».

Noch keine Bewilligungen

Box aufklappenBox zuklappen

Seit dem 1. Juli ist die Hof- und Weidetötung zur Fleischgewinnung erlaubt. Allerdings wurden bis jetzt noch keine Bewilligungen erteilt, da zuerst noch die Bedingungen ausgearbeitet werden müssen, unter welchen ein Betrieb eine Bewilligung erhält. Die Kantonstierärztinnen und -tierärzte streben eine einheitliche Regelung für die Schweiz an.

Kleinere Mengen als konventionelle Schlachtung

Kritiker der Hof- und Weidetötung stellen unter anderem fest, dass der heutige Fleischkonsum pro Kopf schlicht und einfach nicht bewältigt werden könne mit dieser Methode. Der Prozess daure zu lange, sei zu aufwendig – und damit letztendlich auch zu teuer. Man werde kaum genügend Konsumentinnen und Konsumenten finden, die bereit seien, diesen Mehraufwand zu bezahlen. Insofern werde Fleisch aus Hof- oder Weidetötung immer ein Nischenprodukt bleiben.

Georg Blunier gibt diesen Stimmen teilweise recht: «Natürlich können wir nur sehr viel kleinere Mengen produzieren als mit der konventionellen Schlachtung.» Letztendlich müsse sich die Gesellschaft aber überlegen, wie sie künftig Fleisch konsumieren wolle: «Wir müssen uns fragen, ob wir die Massentierhaltung wirklich aufrechterhalten wollen.» Bei ihm geht die Rechnung vorderhand auf: Die rund 2,5 Tonnen Rindfleisch, die er jedes Jahr produziert und im Schnitt für rund 40 Franken pro Kilo verkauft, sind jeweils weit im Voraus ausverkauft.

Espresso, 04.08.20, 8.13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Katarina Skrabala  (Katarina)
    Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, Bravo!
  • Kommentar von miri koch  (Fujisan)
    Ein übermässiger Fleischkonsum, speziell dem aus Mastbetrieben, geht ohnehin auf Kosten der Gesundheit seiner Konsumenten. Ein Umdenken würde im Interesse aller liegen, denn es ist noch so einiges «faul» dran, leider merkt man es nicht gleich so schnell wie beim Fisch.

    Tierärzte der Massentierhaltung verdienen jeden 2. Franken mit Antibiotika in der Kälbermast.
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Die Tiere werden leider nicht nur für die Schlachtung transportiert. Sondern z.B. auch für den Alpauf- und -abzug werden heute Motorfahrzeuge benutzt. Das oben beschriebene Mittel zur Reduktion des Stress ist also nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
    1. Antwort von Leo Degelo  (Leo Degelo)
      Sind Sie schon mal mit einem "Sentä" Vieh auf die Alp gelaufen?
      Vier bis sechs Stunden sind/waren die Regel und der Weg oft steil und sehr anstrengend.
      Nach sechs Stunden, konnten einzelne Tiere, nur noch mit Mühe laufen.
      Ich denke, dass jedes Stück Vieh, das wählen könnte, liebend gerne in den Transporter steigen würde.
      Und Sie wahrscheinlich mit, wenn Sie es schon einmal erlebt hätten.