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Trockenheit vor dem 1. August «Feuerwerk gehört sowieso nicht in den Wald»

Was bedeuten die Feuerverbote und die Waldbrandgefahr für den Handel mit Pyrotechnik? Vor allem ein unsicheres Geschäft.

Feuerwerk an Nachthimmel über einem See.
Legende: Feuerwerk zum Nationalfeiertag der Schweiz, fotografiert am Sonntag, 31. Juli 2016 in Biel. Keystone

Raketen, Vulkane und Böller gehören für viele zum Nationalfeiertag wie Geschenke zu einer Hochzeit. Und nun das: Der Kanton Wallis verbietet dieses Jahr sogar privates Feuerwerk.

«Feuerwerk, das ist nicht bloss Raketen in die Luft schiessen. Es gibt auch bengalische Zündhölzli – und die haben mit Waldbrandgefahr nicht viel zu tun», ärgert sich Urs Corradini. Er ist der Geschäftsführer der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk (SKF), dem Verband der schweizerischen Hersteller, Importeure und Grossisten von Feuerwerk und Pyrotechnik. Die SKF versteht sich als Verbindungsstelle zu den Behörden auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene.

Weihnachtsgeschäft am 1. August

Mit Feuer(werks)verboten vermiesen die Kantone und Gemeinden der Branche das Geschäft, denn «der 1. August ist sozusagen der Weihnachtsverkauf für unsere Mitglieder», erklärt Corradini. 60 Prozent des Jahresumsatzes wird am 1. August gemacht. Im trockenen Sommer 2015 erlitten die Feuerwerksverkäufer am Nationalfeiertag Millionenverluste, obwohl die Behörden die Verbote kurzfristig aufgehoben hatten.

Der Verband versucht sich in Schadensbegrenzung, indem er auf Informationen und die Zusammenarbeit mit den Behörden setzt. «Wir verkaufen nicht nur Feuerwerk, sondern geben auch Empfehlungen für den Umgang damit ab». So schreibt der SKF jeweils vor dem 1. August die Kantonsbehörden aber auch ihre Mitglieder an, wo er zum Beispiel erklärt, dass man Vulkane wenn möglich auf Kiesplätzen abbrennen und den nötigen Abstand zu Wäldern einhalten soll. Die Händler werden aufgefordert, ihre Kunden auf die Sicherheit hinzuweisen.

Das Metros-Warnmodell

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2007, einem Jahr nach einem sehr trockenem Sommer, wurde Metros, Link öffnet in einem neuen Fenster entwickelt, vom Kanton St. Gallen zusammen mit den Gemeinden, der Kantons- und Bundespolizei, der Gebäudeversicherung, der Feuerwerksbranche. Es ist ein System, in dem die Waldregionen in Waldbrandstufen eingeteilt werden. Zudem werden basierend auf die Waldbrandstufen Empfehlungen und Massnahmen abgegeben. Es steht allen Kantonen in der Schweiz zur Verfügung.

Dies tut zum Beispiel Marco Hannemann, Geschäftsführer von feuerwerkshop.ch, dem grössten Schweizer Onlineshop für Feuerwerk. Zu seinen Kunden gehören Gemeinden und Quartiervereine aber auch Private. Auf seiner Homepage informiert er sie nun über drohende Feuerwerksverbote am diesjährigen 1. August.

Kein Feuerwerk-Verkauf bei Coop und Migros – zumindest teilweise

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Die Schweizer Grossverteiler reagieren auf die zunehmende Waldbrandgefahr und Feuerverbote. So verzichtet die gesamte Migros Ostschweiz auf den Verkauf von Raketen, Böllern, Vulkanen und Ähnlichem. Auch in Coop-Filialen gibt es stellenweise kein Feuerwerk zu kaufen.

Hannemann spürt eine gewisse Verunsicherung: «In den letzten Tagen sind von unserem Stammkunden viele Anfragen bezüglich drohender Feuerwerksverbote eingegangen», sagt er.

Profis passen auf

Auch Hannemann ärgert sich darüber, dass beim Stichwort Feuerwerk den meisten sogenannte Raketen in den Sinn kommen, nicht aber bengalische Kerzen oder Vulkane, die kontrollierbarer seien.

Trend zu leiserem und kontrollierterem Feuerwerk

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Die Branche beobachtet seit einigen Jahren, dass die Kunden heute mehr Vulkane oder Wunderkerzen kaufen. Marco Hannemann, Geschäftsführer des grössten Onlineshops für Feuerwerk bestätigt diesen Trend weg von Raketen, die unkontrollierter und weiter weg fliegen. Diese machten heute nur noch etwa 20 Prozent der verkauften Artefakte aus.

Und überhaupt: Für Hannemann gehört «Feuerwerk grundsätzlich nicht in den Wald», egal ob Trockenheit und erhöhte Waldbrandgefahr herrsche oder nicht – nur schon wegen der Waldtiere, die ab dem lauten Geknalle erschrecken würden.

Waldbrandgefahr

Hannemann zeigt durchaus Verständnis, wenn Gemeinden ein bei ihm bestelltes Feuerwerk absagen, wenn es tatsächlich an einem Ort stattfinden würde, wo akute Brandgefahr herrsche. «Da habe ich selbst ja auch nichts davon, wenn es dann tatsächlich zu einem Feuer kommt.»

Ärgern tut er sich aber über Gemeindebehörden, die ihre Festfeuerwerke über einem See wollen und dann in letzter Minuten wegen akuter Waldbrandgefahr den Event absagen.

Warten bis in letzter Minute

Und so sitzen die SKF-Mitglieder laut Geschäftsführer Corradini auf Nadeln. «Wir beurteilen die Situation von Tag zu Tag», sagt der Verbandspräsident.

Das tun auch die Kunden: Sie kaufen die Raketen, Vulkane und bengalischen Kerzen meist in letzter Minute – wenn klar ist, ob sie in ihrer Gemeinde Feuerwerk abbrennen dürfen. Bis Freitag sollten die Behörden dann definitiv über die Verbote und Empfehlungen entschieden haben.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Bei dieser Trockenheit sollte sowohl Feuer im Freien als auch das Anzünden von Feuerwerkskörpern verboten sein. Dies sollte doch jedem der seine Umwelt schätz klar sein. Ich selbst schätze sehr das Feuer machen und das Ablassen von Feuerwerkskörpern, doch lasse ich es sein wenn ich sehe wie alles trockener wird. Der angenehme Nebeneffekt, meine Hündin traut sich um den 1. August wieder aus dem Haus. Denn der Knall ist eine Zumutung für Tiere, da sie wesentlich besser hören als wir Menschen.
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  • Kommentar von J.E. Michel (Assisi)
    Schön, wer in dieser Zeit ins Ausland fliehen kann....
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Bei dieser Trockenheit, ist die gesamte Mini-Schweiz massiv gefährdet! Ein klares VERBOT und zwar für das ganze "Mini-Land" ausgesprochen durch die teuren Zuständigen!!??
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