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Schweiz Türkischer Oppositionsführer im Bundeshaus empfangen

Der Co-Chef der prokurdischen HDP, Selahattin Demirtas, hat sich im Bundeshaus mit Schweizer Parlamentariern getroffen. Bis vor kurzem war er einer der wichtigsten Gegenspieler von Präsident Erdogan im Parlament. Nun droht ihm der Prozess. Er wünscht sich mehr Kritik an der Türkei aus dem Ausland.

Nationalratspräsidentin Christa Markwalder empfängt den Politiker Selahattin Demirtas im Bundeshaus.
Legende: Nationalratspräsidentin Christa Markwalder empfängt den Politiker Selahattin Demirtas im Bundeshaus. Keystone

Das gesamte Verfahren in der Türkei sei rechtswidrig, sagt Selahattin Demirtas. Über den Ausgang des Prozesses macht sich der kurdische Oppositionsführer keine Illusionen: Er wird den eleganten, anthrazitfarbigen Anzug schon bald gegen andere Kleider tauschen müssen: «Sie spekulieren bereits, wer in welches Gefängnis kommt und wer mit wem die Zelle teilen soll. Insofern ist alles vorbereitet.»

Das Ziel dieses «kalten Putsches» sei klar, betont Demirtas weiter: Erdogan sehe sie nicht als politische Gegner, sondern als Feinde, die er kaltstellen wolle. Europa aber schliesse die Augen und kritisiere Erdogan kaum. Vor allem Deutschland bleibt nach den Worten von Demirtas stumm – mit Rücksicht auf den Flüchtlingsvertrag, den die EU unter deutscher Führung mit der Türkei geschlossen hat.

Demirtas vermisst ausländische Kritik

Aber auch aus der Schweiz wünscht sich Demirtas mehr Kritik: In letzter Zeit seien Hunderte von Zivilisten inhaftiert, verschleppt und getötet worden. Die türkische Armee habe kurdische Städte zerstört, aber leider habe man von der Schweiz dazu nichts gehört.

Die heutige Resolution des Deutschen Bundestags zum Völkermord an den Armeniern vor über 100 Jahren war für den Kurdenpolitiker überfällig – auch mit Blick auf die aktuellen Ereignisse im kurdischen Teil der Türkei: «Wenn es bei den Kurden ähnlich wird wie im Fall des Genozids an den Armeniern, wird allenfalls in 100 Jahren darüber abgestimmt», bemerkt Demirtas.

Was ist von der Aufbruchstimmung geblieben, die nach den Wahlen in der Türkei vor einem Jahr noch herrschte? Die Antwort gibt Demirtas mit einem Bild: «Beim Schwimmen muss man manchmal untertauchen und mit den Beinen vom Grund abstossen, um besser an die Oberfläche zu kommen.» Immerhin habe man bis jetzt Erdogans Pläne zum Aufbau eines Präsidialsystems blockiert.

Den Optimismus will sich Demirtas nicht nehmen lassen, denn das wäre Erdogans grösster Sieg.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Aytac Dogan (1923)
    Herr Hämmerli, sie können natürlich sagen und denken was Sie wollen... aber vergessen Sie nicht, solange die Türkische Fahne innerhalb diesen Grenzen weht, solange der Strom, das Wasser (was grösstenteils nicht bezahlt wird von den Kurden die in diesen TÜRKISCHEN-Dörfern leben und zu Lasten der übrigen TR Steuerzahler geht) ja Herr Hämmerli, solange sind es Türkische Dörfer wo grösstenteils Kurden leben und nicht anders ausgedrückt so wie es dem Westen oder Rest der Welt passen würde.
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  • Kommentar von Aytac Dogan (1923)
    Herr Demirtaş, ich mag Ihre Einstellung und Ihre Präsenz im TR Parlament wo Sie die Kurden gut vertreten.Was mir aber neg auffällt ist dass noch vor wenigen Monaten Sie unterschieden haben zwischen den modernen Türken und Erdogan.Jetzt wo alles bisschen eng wird für Sie reden Sie nur noch von Türken und machen keine Unterscheidungen mehr. Vergessen Sie nicht mit welcher Hilfe Ihre Partei die 10% Hürde geschafft hat und übrigens richtig ist "Türkische Dörfer wo Kurden Leben" und nicht kurd.Dörfer
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Vielleicht sollte man den Kurden tatsächlich auch einen eigenen Staat zubilligen, damit diese Unterscheidung "türkische Dörfer wo Kurden leben" akkurat durch "kurdische Dörfer wo Kurden leben" ersetzt werden kann.
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    2. Antwort von Aytac Dogan (1923)
      @Haller Die Türkische Grenze ist klar definiert und seit der Unterschrift in Lausanne im Jahre 1923 Rechtsgültig und International anerkannt. Innerhalb diesen Grenzen liegt die Türkei mit Ihren vielen ethnischen Gruppen die Grösstenteils sehr zufrieden mit Ihren Türkischen Pässen sind (u.a. Kurden) Anstatt zu "beschneiden" was den Türken gehört bin ich eher für ein besseres und flexibleres Zusammenleben oder würden Sie den Tessin oder den Wallis abschneiden und den IT oder FR übergeben wollen?
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    3. Antwort von Hans Hämmerli (Hans Hämmerli)
      Ich stimme Herrn Haller absolut zu. Kurden lebten schon immer auf diesem Gebiet. Ihr land worde durch die osmanischen invasoren enteignet. Deshalb Herr Dogan, sind es kurdische Dörfer!
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    4. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Aytac Dogan, wenn die Tessiner mal nicht mehr in der Schweiz bleiben möchten, kann ich es Ihnen nicht übel nehmen. Letztlich soll es so sein, dass die Tessiner selber bestimmen wohin und zu wem sie gehören möchten. Das gilt es zu respektieren. Auf eine Zwangsmitgliedschaft irgend einer Minderheit bin ich gar nicht scharf. Und wenn die Tessiner bei uns in der Schweiz bleiben wollen, wie bisher, freue ich mich und kann auch weiterhin damit sehr gut leben.
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    5. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Aytac Dogan, diese Grenzziehungen damals (Sykes, Picet) waren offensichtlich sehr willkürlich und eher im Interesse der Grossmächte. Die lokale Bevölkerung könnte sich da nie akkurat einbringen und ihre legitimen Rechte geltend machen.
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