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Die Zürcher Gemeinden blicken kritisch aufs Plastik-Recycling
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 02.03.2021.
abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
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Umstrittenes Plastik-Recycling Erhoffter Schub beim Plastiksammeln bleibt im Kanton Zürich aus

Der Kanton Zürich hat Anreize geschaffen, damit Gemeinden vermehrt Plastik sammeln. Doch diese zeigen sich kritisch.

800'000 Tonnen Kunststoff-Abfall fallen in der Schweiz pro Jahr an. Das meiste davon landet noch in der Verbrennung, obwohl das Bedürfnis der Bevölkerung nach Plastiksammelstellen gross ist. Auch der Ständerat hat die Zeichen der Zeit erkannt und kürzlich ohne Diskussion eine Motion überwiesen, die separate Sammlungen für Plastik und eine hochwertige Wiederverwertung verlangen.

Im Kanton Zürich verfügt heute nur jede vierte Gemeinde über eine Plastiksammelstelle. Häufig deshalb, weil die Gemeinden nur schlecht überprüfen können, was mit dem Plastik tatsächlich geschieht. Ob er trotzdem verbrannt wird, oder gar im Ausland landet.

Der grüne Zürcher Baudirektor Martin Neukom will dies ändern: Eine Vereinbarung zwischen dem Kanton und Entsorgungsunternehmen soll sicherstellen, dass mindestens ein Teil des Plastiks sinnvoll verwertet, sprich rezykliert wird. Die Gemeinden sollen so, ohne dass sie selbst langwierige Abklärungen treffen müssen, ein Entsorgungsunternehmen beauftragen können, das hohe Umweltstandards erfüllt.

Was beinhaltet die Vereinbarung?

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Unternehmen, welche die Vereinbarung des Kantons unterschrieben haben, verpflichten sich zu gewissen Umweltstandards. So muss der Anteil des Kunststoffs, der recycliert und als Granulat wiederverwendet wird, von heute 50 Prozent bis 2030 sukzessive auf 65 Prozent erhöht werden. Als Fernziel werden 70 Prozent angestrebt. Die nicht verwerteten Kunsstoffmengen müssen korrekt in einer Schweizer Entsorgungsanlage verbrannt werden.

Doch wie sehr haben die Gemeinden auf diese Vereinbarung, die ihnen das Plastiksammeln erleichtern soll, gewartet? Eine nicht repräsentative Umfrage zeigt: Sie sind interessiert, aber skeptisch. Und die grossen Städte Zürich und Winterthur winken ab.

Zürcher Plastiksammelwut sprengte das Pilotprojekt

«Es entspricht einem grossen Bedürfnis der Bevölkerung», sagt zum Beispiel Daniel Eberhard, Sprecher bei Entsorgung und Recycling der Stadt Zürich. Dies habe ein Test gezeigt, als die Stadt in Höngg und Schwamendingen versuchsweise Plastiksammelstellen einrichten liess. Dennoch planten sie keine Zusammenarbeit mit einem Entsorgungsunternehmen, so Eberhard.

Die Gründe: Zum einen brachten die Zürcherinnen und Zürcher während des halbjährigen Versuchs viel mehr Plastik zum Recyclen, als die Stadt bewältigen konnte, nämlich stolze 60 Tonnen. Als weiteres Problem stellte sich die Finanzierung heraus, die noch nicht geregelt ist. Der wichtigste Grund aber: Die Stadt will andere Wege gehen, um dem Plastikabfall Herr zu werden.

Vermeiden, tauschen, flicken: das wollen wir fördern.
Autor: Daniel EberhardSprecher ERZ Stadt Zürich

Das Übel soll vor allem an der Wurzel gepackt, und Plastik vermehrt grundsätzlich vermieden werden: «Das übergeordnete Ziel liegt im Schonen von Ressourcen und dem Vermeiden von Abfall.» Heisst: In Zukunft soll mehr getauscht und repariert werden. Neu befasst sich deshalb auch ein dreiköpfiges Team innerhalb des ERZ der Stadt Zürich mit diesen Themen.

Ganz ähnlich argumentiert auch Entsorgung Winterthur: Plastik solle gar nicht erst gekauft werden, ausserdem sei die ausgehandelte Wiederverwertungsquote des Kantons von 50 Prozent zu tief, heisst es im Gespräch mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Plastik-Recycling in anderen Schweizer Kantonen

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  • Schweizer Meister im Plastiksammeln ist der Kanton Thurgau. Dort wurden 2019 fast 1100 Tonnen Kunststoff gesammelt, wie Zahlen des Vereins Schweizer Plastic Recycler zeigen.
  • Danach folgt der Kanton Aargau mit rund 1070 Tonnen. Die Bronze-Medaille fürs Plastiksammeln würde der Kanton Zürich erhalten.
  • Das Schlusslicht bilden Westschweizer Kantone wie Genf, Waadt oder Neuenburg. Auch in Nidwalden und Obwalden gab es 2019 keine Plastiksammlungen.

Der Präsident aller Gemeindepräsidenten im Kanton Zürich schliesslich, Jürg Kündig, glaubt nicht an einen Schub beim Plastik-Recycling, trotz der Vereinbarung: «Der Teufel liegt im Detail.» Es brauche noch viele Gespräche und neue organisatorische Strukturen.

Genau dies, Gespräche führen und Strukturen schaffen, sei voll im Gang, heisst es beim grössten Entsorgungsunternehmen, welches bei der neuen Vereinbarung mit dem Kanton Zürich mitmacht, der Inno Recycling AG. Man habe alle Gemeinden angeschrieben, führe vertiefte Abklärungen durch und unterstütze sie. Bis Ende Jahr, so die Überzeugung, würden im Kanton Zürich 80 Gemeinden mitmachen. Dies wären doppelt so viele wie heute.

Nachrichte, 09.03.2020, 20:00;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Fischer  (Poeff)
    Solange ich für diese Sammel- Plastiksäcke bezahlen muss. Sammle ich gar nix! Geht gar nicht dass diese Sammelstellen 2 mal daran verdienen. Man sortiert für diese Sammelstellen vor, dass diese im Nachhinein (Verkauf an grössere Abnehmer) nochmals daran verdienen. Mittlerweile verdient man mit allem was man bei den Sammelstellen abgibt, gutes Geld.
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Falsch, Karton, Plastik und Papier sind, seit China diese nicht mehr Importiert, Verlustgeschäfte für die Sammelstellen. Das ist aber vor allem ein politisches Problem. Man müsste neues Plastik, aber auch Papier und Karton entsprechend verteuern, so dass sich Recycling wieder finanziell lohnt.
  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Die Sachlage ist klar - es gibt zu viel Plastik im Detailhandel. Wie wäre es, wenn die Schweiz einmal nicht neidisch auf skandinavische Länder schielt sondrn selbst einen Vorstoss wagt und überflüssige, da wo ersetzbar, Plastikverpackungen schlicht verbietet. Die Industrie würde sehr schnell reagieren.. es geht ja um den Umsatz.
  • Kommentar von Yann G P  (Taucher95)
    Die Idee ist ja nicht weit hergeholt. Möglichst viel wiederverwenden. Leider höre ich vermehrt von ausgebildeten Recyclisten, dass eine solch umfassende Offensive keinen Sinn ergibt.
    Hierbei wäre es gut wenn das SRF evtl. genau solche ausgebildeten Leute zu rate ziehen würde. Mich nähme auch wunder wie das ganze funktionieren soll wenn man die 3 Kunstoffarten nicht trennt. Besten Dank