Zum Inhalt springen

Schweiz Velostrassen in Luzern: Der Zweiräder-Vortritt im Praxistest

Schweizer Städte fördern den Veloverkehr mit Radwegen, Mietvelos oder Velostationen. Der neuste Streich: Velostrassen – Quartierstrassen, auf welchen die Velofahrer Vortritt haben. Luzern testet als erste Schweizer Stadt eine solche Signalisation.

Legende: Video Die Luzerner Velostrasse im Zeitraffer abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2016.

Es ist eigentlich eine ganz normale Quartierstrasse in der Innenstadt, mit Tempo 30, links und rechts sind Bäume und Parkplätze. Eine junge Velofahrerin findet die neue Velostrasse gut: «Mit Schwung kann man schneller durchfahren, immer anhalten ist blöd.» Viel verändert habe sich aber nicht.

Das stimmt. Autos etwa fahren auch auf der Velostrasse noch immer. Doch die Vortrittsregeln haben sich geändert. «Man sieht noch die alte Markierung, zwei Stoppstrassen», deutet Martin Urwyler auf die Fahrbahn. Er ist Veloverantwortlicher der Stadt Luzern. Wer die Velostrasse kreuzen will, hat neu keinen Vortritt mehr.

Velostrassen: Ein nützlicher Kompromiss

Velostrassen sind nicht die ideale Lösung, um den Veloverkehr zu fördern. Noch immer befinden sich Autos und Velos auf der gleichen Strasse. Doch mit wenig Aufwand wird für die Velofahrer eine spürbare Verbesserung erzielt. Ohne ständig abzubremsen, können Sie in Städten längere Strecken zurücklegen.
Noch besser dafür wären reine Velobahnen, also Wege nur für Velos, von den Agglomerationen in die Städte. Dafür fehlt in den Innenstädten aber der Platz. Der Kompromiss sind Velostrassen.
Solche Strassen gibt es in Holland oder Deutschland schon seit Jahren. Es spricht also nichts dagegen, Velostrassen künftig auch in der Schweiz definitiv einzuführen.

Damit alle Verkehrsteilnehmer die Velostrasse bemerken, leuchten auf dem Asphalt riesige gelbe Velo-Piktogramme, und eine blaue Tafel weist darauf hin. Wer durch Taubenhaus- und Bruchstrasse pedalt, hat während fast zwei Kilometern ständig Vortritt.

Entscheid auf nationaler Ebene bis 2018

Die Velostrasse ist die Alternativroute zur vierspurigen Hauptstrasse, welche für Velos ungemütlich ist. Urwyler erklärt: «Wir versuchen, ein Parallelnetz aufzubauen für den Veloverkehr, auf dem man komfortabel und sicher fahren kann.» Das Ziel Luzerns sind Velo-Achsen vom Zentrum in jede Himmelsrichtung.

Die neue Velo-Strasse hat auch negative Reaktionen hervorgerufen – besonders bei Autofahrern, welche teilweise nur noch im Einbahnverkehr fahren dürfen. Doch die Mehrheit der Reaktionen sei positiv, sagt Urwyler. Für eine Bilanz ist es allerdings noch zu früh. Der Testbetrieb der Velostrasse dauert bis im Frühling. Danach will das Bundesamt für Strassen entscheiden, ob Velostrassen in der Schweiz bald zum Strassenbild gehören.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Liebe Autofahrer: Jeder Velofahrer bedeutet ein Auto weniger und einen Parkplatz mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Wi Fätz (wifätz)
    So so, so geht das also! Genug lange gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen, dann wird dann schon irgendwann das Gesetz angepasst und verändert, dass es wieder stimmt! Warte nun nur noch darauf, dass die Velofahrer völlig legal bei Rot über die Kreuzung blochen dürfen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Zurbuchen (drpesche)
    Das Hauptproblem als Radfahrer ist, dass man im heutigen Verkehrssystem bestraft wird, wenn man sich an die Verkehrsregeln hält. Wenn ich an einer roten Ampel anhalte, werde ich dreifach bestraft, denn ich verliere Schwung, Geschwindigkeit und Zeit. Wer bei rot durchfährt, wird nicht bestraft, weil niemand da ist, der ihn zur Rechenschaft zieht. Kommt noch dazu, dass es zu viele Ampeln gibt, welche den Verkehr ausserhalb der rush hour eher behindern als verflüssigen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen