Zum Inhalt springen
Inhalt

Keine Einigung Versuchsteilnehmer klagt gegen Novartis

Novartis gab vor zehn Jahren eine klinische Studie in Polen in Auftrag. Brisant: Verschiedene Probanden wussten nicht, dass sie an einer Studie teilnehmen. Ein Betroffener klagt nun in Basel gegen den Pharmakonzern.

Legende: Video Medikamente an unwissenden Obdachlosen getestet abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.07.2017.

Die Angst vor der Vogelgrippe war gross. Nachdem es in Europa ab 2005 zu Ausbrüchen bei Tieren gekommen war, befürchteten Experten, dass das H5N1-Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden und es zu einer Pandemie kommen könnte. Die Pharmaindustrie in ganz Europa arbeitete mit Hochdruck an Impfstoffen.

Ein Impfstoff des Schweizer Pharmakonzerns Novartis wurde im Jahr 2007 in einer Klinik in der Stadt Grudziadz in Polen auch an Obdachlosen getestet – zum Teil ohne deren Wissen und Einverständnis. Einer der Probanden war Grzegorz S. Er reicht nun in der Schweiz Zivilklage gegen Novartis ein. Er sagt: «Keiner sagte uns, dass das ein Test eines neuen Mittels ist. Die ganze Zeit sagten sie, dass dies eine ganz normale Impfung gegen die normale Grippe sei.»

Keine Einigung vor Schlichtungsbehörde

Anfangs Juli fand in Basel das Schlichtungsverfahren statt. Wie der Anwalt von S. gegenüber «10vor10» bestätigt, wurde bei der Verhandlung keine Einigung erzielt. Anwalt Philip Stolkin klagt nun auf Genugtuung von 50'000 Franken und mindestens 50'000 aus dem mit dem Mittel erzielten Gewinn. Für den Rechtsanwalt ist klar, dass Novartis als Konzern haftet: «Es ist so, dass der Sponsor der Tests, derjenige also, der sie veranlasst und die Gewinne hat, für das Handeln seiner Hilfspersonen einstehen muss»

«Höchste Standards eingehalten»

Mit den Versuchen hatte Novartis ein in Deutschland und Polen ansässigen Unternehmen beauftragt. Novartis hält gegenüber «10vor10» fest: «Novartis hat sich verpflichtet, jederzeit höchste Standards einzuhalten, und verlangt das Gleiche von allen externen Partnern, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet.» Bei allen klinischen Studien von Novartis würden die in der Deklaration von Helsinki verankerten ethischen Werte und die Good Clinical Practice Guidelines beachtet, um die Gesundheit und die Menschenrechte von Patienten in der klinischen Forschung zu schützen, schreibt das Unternehmen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von J. Hirsbrunner (Hirsi)
    Seien wir doch realistisch: die Pharmaindustrie hat KEIN Interesse Krankheiten zu heilen. Die schaufeln doch nicht selbst ihr Grab.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Ob Tier, oder Mensch als Versuchsobjekt, der Pharmalobby geht es ausschliesslich um profitable "Geschäfte" - unterstützt von den vielen ProfiteurenInnen im gesamten, ausbeuterischen "Gesundheits-Un-Wesen" der Schweiz!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jonathan Fay (JonathanFay)
      Ich nehme an, Sie nehmen nie Medikamente zu sich? Kein Aspirin, o.Ä.? Medikamente und Impfungen helfen, Krankheiten zu vermeiden oder zu heilen!!! Dass Pharmafirmen Profit machen ist recht! Die Schweiz hat eines der besten, wenn nicht das Beste, Gesundheitssystem der Welt!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Dass die allmächtige, profitgierige Pharma-Lobby, machen kann, was sie will und das seit vielen Jahren auch tut, ist doch nichts Neues!! Es gibt zu viele finanzielle Profiteure, welche diese gesundheitlich und finanziell skrupellosen, ausbeuterischen Machenschaften unterstützen: BAG, Forschung/Wissenschaft, Ärzteschaft, Schweizer "Gesundheits-Direktoren",Apotheken, Drogerien, Krankenversicherer, PolitikerInnen, mit lukrativen VR-Mandaten, Vetternwirtschaft, Lobbyismus,... "Volks-Politik"!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen