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Kritik an ungenauen Wahlprognosen
Aus Echo der Zeit vom 22.10.2019.
abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
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Ungenaue Wahlprognosen Kampagnenleiter fordern Umfragestopp

Die bedeutenden Verschiebungen bei den Wahlen hat keine Umfrage, auch nicht jene der SRG, vorhergesehen. Das führt zu Kritik.

2 Prozentpunkte Wähleranteil verlor die SP bei den Wahlen. Lediglich einen Verlust von 0.6 Prozent sagte das letzte Wahlbarometer von Sotomo im Auftrag der SRG voraus. Das liegt zwar im Fehlertoleranzbereich von +/-1.4 Prozentpunkten. Aber mit dermassen deutlichen Verlusten rechneten weder Beobachter noch die Sozialdemokratische Partei der Schweiz selber.

Staunen bei Wahlkampfchefs von SP und SVP

Deshalb sagt Nadine Masshardt, Wahlkampfleiterin der SP: «Es war für mich sehr erstaunlich und auch erschreckend, dass die Umfragen so deutlich daneben lagen.» Die SP hätte ihre Wählerschaft stärker mobilisieren können, wenn die Umfragen gezeigt hätten, dass die Partei verliere, glaubt sie.

SP-Plakat
Legende: Hätte eine andere Prognose die Mobilisierung beeinfusst? Nadine Masshardt (2.v.r.) glaubt ja. Keystone

Noch deutlicher wird SVP-Wahlkampfleiter Adrian Amstutz. Bei seiner Partei mass die Umfrage einen Wählerverlust von 2.1 Prozentpunkten – bei minus 3.8 stand der Zähler am Ende. Mit Wahlumfragen könne er nichts anfangen. «Ich halte das für eher im Mike-Shiva-Bereich anzusiedelnde Arbeit», sagt er. «Man sollte zumindest die mit Steuergeldern finanzierten Umfragen verbieten.» Damit meint er ein Umfrageverbot für die SRG, zu der auch SRF gehört.

Amstutz
Legende: Er plädiert für ein Verbot von Umfragen – vor allem von jenen der SRG: Adrian Amstutz. Keystone

Die Kritik von rechts an Meinungsumfragen, insbesondere an jenen der gebührenfinanzierten SRG, flammt regelmässig auf. Skepsis gegenüber Wahlumfragen generell gibt es heute aber auch beim Wahlsieger zu hören; beim Kampagnenleiter der Grünen, Balthasar Glättli. Umfragen könnten das Resultat beeinflussen, sagt er – vor allem kurz vor einem Wahltermin.

Glättli
Legende: Er wäre für einen Umfragestopp mehrere Wochen vor dem Wahltermin: Balthasar Glättli. Keystone

«Deshalb müsste man sich überlegen, ob man wie in anderen Ländern auch offiziell eine Frist setzt, zum Beispiel, indem man sagt, dass zwei bis vier Wochen vor den Wahlen keine neuen Umfragen mehr publiziert werden dürfen», so Glättli. Der Bundesrat hat sich aber stets gegen solche Verbote ausgesprochen. Meinungsumfragen würden Wahlen nicht beeinflussen.

SRG sieht keinen Grund für einen Verzicht

Bei der SRG betont Sprecher Edi Estermann: Die Umfragen seien immer nur Momentaufnahmen. Niemand erwarte, dass sie das genaue Endergebnis prophezeiten: «Die SRG erachtet es als Teil ihres Service-Public-Auftrages, mit diesen aufwändigen Umfragen vor so wichtigen Wahlen eine Momentaufnahme zu machen und abgeben zu können. Deshalb gibt es zum jetzigen Zeitpunkt auch keinen Grund, künftig darauf zu verzichten.»

Hermann
Legende: Michael Hermann von Sotomo will Lehren aus den Wahlen 2019 ziehen für spätere Umfragen. Keystone

Die Umfrage im Auftrag der SRG realisiert hat Michael Hermann von der Forschungsstelle Sotomo. Er erklärt: «Wir haben den Trend von rechts nach links und in Richtung Grün gesehen. Aber tatsächlich haben wir das Ausmass wirklich deutlich unterschätzt. Wenn man sich umgekehrt überlegt, wir hätten das so vorausgesagt – es hätte uns niemand geglaubt. Es ist wirklich etwas sehr Spezielles.» Die Mobilisierung bei den Grünen sei historisch einzigartig – die Lehren daraus will Hermann nun für künftige Umfragen ziehen.

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97 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Diese Debatte erachte ich als völlig sinnlos.
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  • Kommentar von Peter Singer  (P.S.)
    Alle Kommentarschreiber finden Umfragen schlecht und uninteressant. Aber bei jeder Umfragewelle werden die Artikel sehr interessiert gelesen und kommentiert.

    Umfragen braucht es, weil sie das Rennen spannend machen. Auch so war der Wahlkampf ziemlich lahm, was zu einer geringen Wahlbeteiligung geführt hat.
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  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Ich frage mich auch schon lange, was diese Umfragen vor Wahlen oder Abstimmungen bezwecken. Offenbar haben sie auch dieses Mal die Wahlbeteiligung nicht erhöhen können, und dass anscheinend viele SVP-Wähler - trotz günstiger Prognosen für die Grünen - der Urne ferngeblieben sind, hat mich sehr überrascht. Sinnvoller finde ich solche Umfragen nach Wahlen oder Abstimmungen, damit der Wählerwille nicht so einfach je nach Partei oder Interessenverband so oder anders interpretiert werden kann.
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