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Grosse Schäden nach Unwetter Warum die Kanalisation bei Sturzfluten versagt

Nach den Überschwemmungen in Zofingen zeigt sich: Schweizer Kanäle sind nicht für sintflutartige Regenfälle gebaut.

Legende: Video Sandsäcke verhindern die grosse Katastrophe abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Extreme Regenfälle und überflutete Strassen werden in Zukunft öfter vorkommen.
  • Das Problem: Unsere Kanäle sind nicht für sintflutartige Regenfälle gebaut.
  • Das Kanalsystem auszubauen, ist mit hohen Kosten verbunden.
  • Aktuell hat niemand einen Überblick über das Schweizer Kanalsystem, kritisiert ein Siedlungswasser-Experte der ETH.

Der Sommer 2017 verschont uns nicht mit Extremen: Erst die Rekordhitze im Juni, nun heftige Regenfälle, die sogar erfahrene Feuerwehrleute überraschten. Besonders starken Schaden richteten die Gewitter in Zofingen im Kanton Aargau an: Keller wurden überflutet, die Altstadt stand komplett unter Wasser. Und das wegen eines Gewitterregens, der nicht einmal eine Stunde dauerte. Das Problem: Die Kanalisation konnte das Wasser nicht mehr aufnehmen.

Überflutete Strassen werden in Zukunft keine Seltenheit sein, prognostiziert Max Maurer, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der ETH. Extreme Regenfälle würden zunehmen. Und: «Unsere Kanäle sind nicht dafür gebaut, solche Sturzfluten aufzufangen», konstatiert der Experte. Alle fünf bis zehn Jahre würden sie versagen.

Unsere Kanäle sind nicht dafür gebaut, solche Sturzfluten aufzufangen
Autor: Max MaurerProfessor für Siedlungswasserwirtschaft ETH

Ein Problem seien auch die versiegelten Böden. Was der Boden nicht aufsaugt, fliesst oben durch die Strassen. Offene Flächen wie Plätze sind da extrem wichtig, so Maurer.

Was kann man gegen Überflutungen wie in Zofingen also tun? «Man müsste die Kanäle grösser bauen, aber das wäre mit sehr hohen Kosten verbunden», sagt Max Maurer. Ebenfalls helfen würde es, den Regen besser versickern zu lassen, die Ablaufprozesse zu verlangsamen und das Wasser besser abzuleiten.

Man müsste die Kanäle grösser bauen, aber das wäre mit sehr hohen Kosten verbunden
Autor: Max MaurerProfessor für Siedlungswasserwirtschaft ETH

In alten Städten wie Zofingen sind solche bauliche Massnahmen schwierig. Im Notfall halfen die Bewohner sich mit Sandsäcken aus, die das Schlimmste verhindern konnten.

Keine Übersicht beim Kanalnetz

Was laut Maurer fehle, ist ein Überblick über das gesamtschweizerische Kanalnetz. «Die Daten sind zwar vorhanden, aber wir haben keinen Zugriff darauf.» Er sieht Bund oder die Kantone in der Pflicht, den Datensatz zu sammeln und zur Verfügung zu stellen.

Der Bund allerdings habe dafür keine gesetzliche Grundlage, so das Bundesamt für Umwelt auf Anfrage von «10vor10».

Für Zofingen kommen die Massnahmen so oder so zu spät. Hier geht das Aufräumen weiter. Die Schäden schätzt die Stadt auf über 100 Millionen Franken.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
    Viele lesen wohl zuviel Gratiszeitungen mit fetten Schlagzeilen.Die Mär von verstärkten Niederschlagstagen >70 mm sind statistisch gesehen vernachlässigbar.Zugenommen haben die Schäden & Überflutungen.Diese sind jedoch nicht hauptursächlich bei der Witterung zu suchen,sondern bei der Versiegelung der Oberflächen in Bauzonen und/oder Verkehrswegen.Durch die bestehenden Bauzonen fallen auch Rezensionsflächen weg,welche diese Problematik zusätzlich verstärkt.Alles andere ist Panikmache & unbelegt.
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  • Kommentar von Daniel Sabro Zumbühl (Daniel Sabro Zumbühl)
    Neben der Menge ist eine Zwischenspeicherung notwendig, (Jahrzehtregen...) Die Flächen sind versiegelt und daher arm an Aufnahmekapazität. Dazu wird in den tiefen Lagen der Strasse den Vorzug gegeben und dem Gewässer den Ab- Fluss genommen. Es braucht offene Speicherbecken da kann das Wasser versickern. Die Günstigste Lösung. Habe selber welche gebaut....
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Solange der Siedlungsdruck derart nimmt, wird man wahrscheinlich vermehrt mit solchen Ereignissen rechen muessen.
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    1. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      Also hohe Einwohnerzahl drückt auf Wolken oder was haben Sie eigentlich gedacht?
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    2. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      Siedlungsdruck, Betonierung Es sind nicht immer die andere schuld , jeder der Eigene Haus hat , hat mitgetragen für solche Situation.
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Mit Verlaub und in allem Anstand Herr Petrovic, aber der Siedelungsdruck in der Schweiz ist enorm und damit ist es logisch, dass die Versiegelung der Böden auch unvermindert weiter geht. Das muss sich letztlich auch bemerkbar machen, das macht sich auch vermehrt bemerkbar. Was wir heute betreiben ist sowas wie eine Art von Raubbau an der Natur und letztlich an unseren eigenem Lebensumfeld und unmittelbaren Umweltbedingungen.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Eigenheim (EFH)- Besitzer haben aber wenigstens noch ihre Gärten, wo Wasser versickern kann. Beim verdichteten Bauen gibt es diese Grünflächen nicht. Und durch immer mehr Einwohner im Land, will eben jetzt verdichtet gebaut werden.
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