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Schweiz Warum die Prämien für Kinder so stark steigen

Seit 20 Jahren gibt es das Krankenversicherungsgesetz und seither steigen die Krankenkassen-Prämien. Dieses Jahr trifft es Kinder und Jugendliche besonders stark.

Legende: Audio Bundesrat Alain Berset und die steigenden Krankenkassenprämien abspielen. Laufzeit 15:30 Minuten.
15:30 min, aus Tagesgespräch vom 26.09.2016.

SRF News: Die Krankenkassenprämien steigen dieses Jahr durchschnittlich um 4,5 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen sind es allerdings satte 6,6 Prozent. Weshalb?

Monika Zumbrunn: Krankenkassen müssen für Kinder und Jugendliche bis 26 Jahre grundsätzlich günstigere Prämien als für Erwachsene festsetzen. Damit konnten die Kosten, die Kinder und Jugendliche verursachen, in den letzten Jahren jedoch nicht mehr gedeckt werden. Deshalb kürzen die Krankenkassen die Prämienrabatte für Kinder und Jugendliche ein weiteres Mal und so steigen deren Prämien überdurchschnittlich um 6,6 Prozent.

Nicht in allen Kantonen steigen die Prämien gleich hoch. Weshalb nicht?

Es gibt tatsächlich immense Unterschiede. In ländlicheren Kantonen sind die Gesundheitskosten häufig niedriger, weil die Bevölkerung seltener zum Arzt geht und auch nicht gleich zum Spezialisten rennt. Zudem gibt es grosse Unterschiede in den kantonalen Spitallandschaften. Je nachdem ob es viele Spitäler und damit eine Überversorgung gibt, oder ob die Strukturen bereits heruntergefahren worden sind, fallen die Kosten und damit auch die Prämien unterschiedlich hoch aus.

Gesundheitsminister Alain Berset will jetzt eingreifen. Wo will er das tun?

In verschiedenen Bereichen. Bei den Ärzten steht Berset für einen neuen Arbeitstarif ein, der den Aufwand besser spiegelt. Bei der Pharma will er die Medikamentenpreise nochmals senken. Es sollen auch verschiedene Leistungen grundsätzlich überprüft werden, etwa Operationen, die laut Studien überflüssig sind. Berset will aber auch bei den Spitalkosten ansetzen, weil das neue Finanzierungssystem mit den Fallpauschalen in den letzten Jahren noch zu gar keinen Kostensenkungen geführt hat. Das sind alles Massnahmen bei den Leistungserbringern. Bei den Konsumenten belässt es der Gesundheitsminister bei dem Aufruf, man möge sich doch bitte zweimal überlegen, ob man wirklich zum Arzt müsse. Leistungen in der Grundversicherung abzubauen, lehnt der sozialdemokratische Gesundheitsminister jedoch kategorisch ab, wie er auf Anfrage von Radio SRF erklärte.

Berset will auch die Prämienregionen innerhalb der Kantone anpassen. Spart man damit Geld?

Nein, da geht es nicht um Einsparungen, sondern um mehr Transparenz. Die Prämienregionen spiegeln heute nicht mehr die Realität. Es gibt heute Kantone mit bis zu drei verschiedenen Prämienregionen, zum Beispiel Bern oder Zürich. Je nachdem wo man wohnt, bezahlt man bei derselben Krankenkasse unterschiedliche Prämien. Dieses System ergibt tausende von unterschiedlichen Prämien. Wer sie im Internet vergleicht, kennt den Dschungel. Mit einer Reduktion der Prämienregionen will der Gesundheitsminister das System vereinfachen.

Das Gespräch führte Simon Leu.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Wir müssen auch lernen unser Verhalten kritisch zu Hinterfragen. Wenn wir nicht so Konsumfreudig wären, wäre das Gesundheitswesen auch nicht so lukrative. Unser Verhalten bringt erst viele auf den Plan abzusahnen!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Weil auch Kinder, Alte, die Schönheitswahnsinnigen, lukrative Gewinne versprechen von der gesamten "Gesundheits-Unwesen-Lobby"!! Beschämenderweise haben sich auch die vielen, geliebten Haus- und "Nutztiere", etc zu lukrativen Wesen entwickelt, welche man über den Menschen ausbeuten kann!!
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  • Kommentar von K. Räschter (K. Räschter)
    SP Bundesrätin Dreyfuss hat seinerzeit bei der KVG Abstimmung das Volk angelogen, als sie gesagt hatte, die Prämien würden sinken. Genau das Gegenteil ist eingetroffen, die Prämien steigen, steigen, steigen, .... Schafft endlich dieses unsinnige KVG ab, wenn nötig mit einer Initiative.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      @Räschter Ihre Behauptung ist eine Lüge! tatsächlich sanken die Prämien am Anfang. Für das Räuberische verhalten Von Pharma, Spitäler, Äerzte und Versicherungen kann Sie nichts! Heute ist der Hypokritische Eid nur noch was für die Mottenkiste. Die meisten Ärzte behandeln nur noch Ihre Geldbörse gut!
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