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Mehrheit stimmt brieflich ab Weniger Stimmlokale in der Stadt Zürich

Nur noch wenige Stimmberechtigte gehen persönlich an die Urne. Trotzdem ist die Schliessung von Stimmlokalen umstritten.

Legende: Audio «Der Gang an die Urne gibt zu reden» abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
2:00 min, aus HeuteMorgen vom 08.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Zürich reduziert die Zahl der Stimmlokale von 50 auf 14.
  • Kritiker sagen, damit gehe ein Stück Demokratie verloren.
  • Die Stadt verteidigt sich, es gebe noch immer mehr Stimmlokale als andernorts.

Am letzten Abstimmungswochenende im November konnten die Zürcherinnen noch in 50 Stimmlokalen persönlich ihre Stimme abgeben. Am nächsten Sonntag werden es noch 14 sein.

Die meisten Stimmlokale würden einfach nicht mehr gut genug besucht, sagt die Zürcher Stadtschreiberin Claudia Cuche-Curti. An einigen Orten seien innerhalb von zwei Stunden noch etwa hundert Leute an die Urne gegangen. Die Nachfrage für das Angebot sei nicht mehr vorhanden.

Kritiker: Urnengang mehr als Stimmabgabe

In den Quartieren und im Stadtparlament löst der Entscheid zur Schliessung von 36 Stimmlokalen Kritik aus. Beim Gang an die Urne gehe es um mehr als die Stimmabgabe, sagt SVP-Parlamentarier Daniel Regli: «Man politisiert miteinander und oft sammeln wir vor den Stimmlokalen auch Unterschriften». Es gehe um einen demokratischen Akt, und dieser solle weiterhin stattfinden.

Mit der Schliessung der Stimmlokale spare die Stadt nur gerade 50'000 Franken pro Jahr, so Regli. Das sei für eine Stadt mit einem jährlichen Aufwand von 8,7 Milliarden Franken ein Klacks.

Claudia Cuche-Curti betont, in Zürich gebe es mit 14 Stimmlokalen immer noch mehr als in anderen Städten: «Luzern und St. Gallen haben nur noch ein Stimmlokal, Bern deren sechs». Der Abbau von Stimmlokalen habe an diesen Orten zu einer Verlagerung zur brieflichen Stimmabgabe geführt, aber nicht zu einer geringeren Stimmbeteiligung.

Welche Stadt hat wie viele Stimmlokale?


Winterthur26

Genf17

Zürich
14


Lugano13

Bern6

Lausanne6

Biel5

Basel1

Luzern1

St. Gallen
1

4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    Als Demokrat bin ich gegen die Schließung von Stimmlomalen und als Informatiker gegen evoting ausser eventuell als Option für Auslandschweizer. Das Missbrauchspotential ist mir einfach zu groß, und nein es ist nicht das gleiche wie beim abstimmen per Post.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Dieser Artikel ist der glänzende Beweis für das Luxusproblem der Schweiz. Viele-viele BürgerInnen von vielen-vielen Nationen würden diese ein Paar Schritte mehr innerhalb der - bei allem Respekt - nicht soooo grossen Stadt Zürich machen, um so rege abstimmen zu dürfen, wie wir dies tun. Echt, manchmal frage ich mich, was müsste man gewissen Herren und Frauen Schweizer bieten, dass sie nicht motzen.
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  • Kommentar von H Menzi (hmenzi)
    Jeder Postbriefkasten ist heute ein Stimmlokal, also könnten sogar alle Stimmlokale geschlossen werden und es wäre immer noch eine gigantische Verbesserung gegenüber den früheren Zuständen, was Anzahl und Oeffnungszeiten der Stimmlokale betrifft. Klar, noch komfortabler und sicherer wird es, wenn endlich das seit Jahrzehnten überfällige E-Voting eingeführt wird. Im Zeitalter, wo selbst Urgrossmütter das viel komplexere E-Banking benutzen, sollte dies schon längstens eingeführt sein.
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    1. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Einesteils gebe ich Ihnen Recht. Aber aus Spargründen nach und nach (bald nicht mehr nur in Zürich und einigen anderen Städten) eine alte Tradition, die weltweit noch existent ist, abzuschaffen, finde ich total daneben und eines direkt-demokratischen Landes nicht würdig. Auch die Landsgemeinde wurde leider in den Innerschweizer Kantonen längst abgeschafft - die gelebte Demokratie vom Feinsten, die zum Glück in Appezöll noch aufrecht erhalten wird.
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