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Energiebilanz der Verwaltung Wenn nur die vielen Flugreisen nicht wären

Legende: Audio «Dienstreisen belasten die Energiebilanz» abspielen. Laufzeit 2:48 Minuten.
2:48 min, aus Rendez-vous vom 30.06.2017.
  • Die Bundesverwaltung sowie bundesnahe Betriebe haben ihren Energieverbrauch in den letzten Jahren deutlich reduziert.
  • Doch ausgerechnet beim CO2-intensiven Fliegen steht der Bund nicht besonders vorbildlich da.
  • Bundesangestellte machen immer mehr Dienstreisen mit dem Flugzeug.

Am Boden sorgen Sparlampen, besser isolierte Gebäude oder Recyclingpapier für mehr Energieeffizienz. Doch am Himmel ziehen Wolken auf: Der Bund hat im letzten Jahr 21'576 Flugreisen gebucht. Das sind 1300 mehr als vor drei Jahren.

Ein halbes Mal um die Erde geflogen

Am meisten fliegen Mitarbeiter des Aussendepartements. Sie legen im Schnitt 17'550 Kilometer pro Jahr in der Luft zurück – sie fliegen also fast ein halbes Mal um den Globus. Auch beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) wird überdurchschnittlich oft geflogen. Dort waren es im letzten Jahr durchschnittlich 3948 Kilometer pro Person.

Mehr als die Hälfte der Umweltbelastung im Bafu wird durch Flugreisen verursacht. Das Bundesamt erklärt dies damit, dass die meisten Umweltprobleme nicht national begrenzt seien. Deshalb finde Umweltpolitik «heute nicht nur national, sondern auch international statt». Inzwischen kann man an den jährlichen Flugkilometern beim Bafu ablesen, wie weit entfernt jeweils die Weltklimakonferenz stattgefunden hat.

Energiemässig vorbildliche Bundesbetriebe

Die zivile Bundesverwaltung hat ihre Energieeffizienz im vergangenen Jahr gegenüber dem Referenzjahr 2006 um fast 54 Prozent erhöht. Zusammen mit dem VBS, den ETH, den bundesnahen Betrieben Post, SBB, Swisscom und Skyguide sowie dem Flughafen Genf bildet sie die sogenannte Gruppe Energie-Vorbild Bund, Link öffnet in einem neuen Fenster. Ziel dieser Gruppe ist, die Energieeffizienz bis 2020 gegenüber 2006 um 25 Prozent zu steigern. Im Durchschnitt beträgt die Verbesserung der Energieeffizienz der Gruppe gegenüber 2006 bereits jetzt 27 Prozent. Das Ziel für 2020 ist also schon erreicht.

Videokonferenz nicht immer möglich

Konferenzen, Verhandlungen, Kurse sind oftmals unverzichtbar, wie Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie (BFE) erklärt. So seien Videokonferenzen nicht immer möglich, etwa bei Verhandlungen mit chinesischen Delegationen. In solchen Fällen müsse jeweils alles übersetzt werden. Das macht einen Austausch per Video praktisch unmöglich.

Trotzdem spart das BFE Flugkilometer, etwa, indem es kleinere Delegationen schickt oder bei internationalen Organisationen nicht immer alle Sitzungen besucht. Das sei etwa bei der Internationalen Atomenergie-Agentur in Wien der Fall, so Zünd.

Zug ist zu teuer – und zu anstrengend

Und wieso fahren die BFE-Vertreter nicht per Nachtzug nach Wien an die Konferenz? Gerade Wien sei mit dem Flugzeug viel schneller erreichbar, beont Zünd.

Ausserdem müsste die Reisezeit als Arbeitszeit verrechnet werden, was teuer komme. Und: «Für den einzelnen Mitarbeiter ist es vielleicht nicht sehr angenehm, wenn er im Nachtzug nicht schlafen kann und um acht Uhr an einer wichtigen Konferenz teilnehmen muss.»

Immer mehr und vielfältigere Aufgaben

Trotz gegenteiliger Bemühungen nimmt die Zahl der Flüge beim Bund tendenziell zu. Ein Grund dafür ist, dass die Verwaltung immer neue Aufgaben erhält. Ein solcher Bereich sei etwa die Internet-Sicherheit, sagt Zünd: «Es gibt internationale Abkommen, bei denen die Schweiz dabei sein muss. Das bedingt dann eben zusätzliche Flüge.»

Immerhin, der Bund kompensiert das CO2, welches mit Dienstreisen produziert wird, indem er emissionsvermindernde Projekte unterstützt. So macht die Vielfliegerei doch nicht alle restlichen Energiesparbemühungen obsolet.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Ich würde auch gerne auf Kosten der Steuerzahler in der Weltgeschichte herum fliegen. An wem würde das wohl liegen zu bremsen ? Wir haben in der Schweiz Zuviel Geld nicht zu wenig.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Für die restlichen Steuerzahler gibt es die Billigflieger, wo sie für ganz wenig Geld überall hinfliegen können, wo sie wollen. Und Flugkilometer-Weltrekord hält immer noch Kanzlerin Merkel aus D. Da müssten unsere Politiker noch einwenig daran arbeiten.
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Nachtzug !!! Meine Chef's fliegen am So-Abend nach Wien für eine Sitzung Mo+ Di. Am Abend Rückflug nach Kloten, Am Do geht es nach Amsterdam bis Fr-Abend für ein Meeting. Das alles mit dem Nachtzug !! Lächerlich. Es wird von Management Höchstpräsenz erwartet, NUR Dank dem Flugzeug ist das möglich. Es ist die tägliche Welt !! Energie wird an anderen Orten verpatzt, nicht beim Fliegen.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Es gäbe schon Alternativen. Die heisst Videokonferenz. ist übrigens in den USA Altag.
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    2. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Ich erwarte von den Managern Höchstpräsenz in der Eisenbahn, tags und nachts.
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    3. Antwort von B. Häfeli (xxx)
      Sehr geehrte Pia Müller, Ihre Aussauge " Energie wird an anderen Orten verpatzt, nicht beim Fliegen" ist typisch für die im Überfluss lebende Gesellschaft in der Schweiz. Vor lauter Egoismus sieht Herr und Frau Schweizer die Grossen Probleme nicht mehr. Will heissen, also alle Anderen sollen mal Energie sparen - bei mir ist alles in Ordnung. Zukünftige Generationen werden Ihnen dankbar sein!
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    4. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      Also die Eisenbahn braucht genau so viel CO2 pro Person wie das Fliegen. Autofahren wäre da effizienter!
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich kenne Unternehmer die haben in den letzten paar Jahren hunderte von Bäumen gefällt und ihre unnötigen Protzbauten aufgestellt. All dies mit grosszügiger Unterstützung unserer linken Regierung. Alle, auch die Linken, schreien nach mehr Grün, da ein Baum alleine ein segenreicher CO2 schlucker ist. Dazu bietet er Schutz und natürliche Kühle, für die Natur sind Bäume untentberlich. Eigentlich sollte jeder, der in den letzten Jahren unnötig Bäume gefällt hat, zu einem Baum erstarren müssen.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Wieder einmal haben sie Wahrnehmung Störungen, in der Schweiz hatten wir noch nie eine linke Bundesregierung, wie kann man nur solche Lügen verbreiten, und es gibt viele die glauben den Mist auch noch!
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    2. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Jetzt soll also "unsere linke Regierung" auch noch Schuld tragen an unnötigen Protzbauten der Privatwirtschaft. So ein Unsinn! Abgesehen davon, dass "unsere Regierung" ganz und gar nicht "links" ist (bekanntlich sind im Bundesrat 5 von 7 Vertretern bürgerlich, worunter 2 SVP ...).
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