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Schweiz Wie viel bringen die Bilateralen dem Bürger?

Laut zwei neuen wirtschaftlichen Analysen zum Wert der Bilateralen profitiert jeder Schweizer zwischen 500 und 4400 Franken jährlich. Allerdings widersprechen sich die Studien sehr.

Legende: Video Der wirtschaftliche Wert der Bilateralen abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.02.2016.

Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative hat die politisch umstrittene Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen der Bilateralen zusätzlich an Brisanz gewonnen. Im Verlaufe des letzten Jahres nahmen sich mehrere Studien dieser Frage an. Die Resultate wiesen auf positive Zusammenhänge zwischen dem bilateralen Vertragswerk und der Schweizerischen Wirtschaftsentwicklung hin. Damit gaben sie Bilateralen-freundlichen Wirtschaftsvertretern Aufwind.

«Widersprüchlich und betragsmässig nicht besonders spektakulär»

In einer kürzlich publizierten Studie widerspricht der Ökonom und Weltwoche-Journalist Florian Schwab der verbreiteten Meinung, auf die Bilateralen könne nicht verzichtet werden. Gemäss seinen Berechnungen beläuft sich der Pro-Kopf- Nutzen der Bilateralen jährlich auf zwischen lediglich -1050 und +2073 Franken, d.h. gut 500 Franken im Durchschnitt. Resultate vorheriger Studien seien hingegen widersprüchlich und nicht besonders spektakulär.

Legende: Video Florian Schwab zu den Bilateralen abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.02.2016.

«Durch eine Kündigung der Bilateralen ausgelöste Verluste könnten durch andere wirtschaftspolitische Massnahmen ausgeglichen werden. Die Bilateralen können nicht als existenziell wichtig bezeichnet werden», sagt Schwab. Die Studie verfasste Schwab im Auftrag von Tito Tettamanti, Financier und ehemaliger Tessiner Regierungsrat. Sie spielt kritischen Politstimmen in die Hände.

Achtfacher Nutzen ermittelt

Rudolf Minsch, Chefökonom der Economiesuisse, erachtet die Studie von Schwab eher als ein parteipolitisches Positionspapier mit deutlich zu tiefen Zahlen denn als eine wissenschaftlich fundierte Studie. Sehr wohl würden die Bilateralen jedem Bürger nützen.

Eine noch nicht publizierte Studie, die der «Tagesschau» vorliegt, belege dies klar. Die Economiesuisse errechnete darin jährliche Wohlstandsgewinne pro Kopf von 4400 Franken. Damit profitiere der Einzelne acht Mal mehr von den Bilateralen als Schwabs Studie besagt.

Kündigung auch als politisches Problem

Legende: Video Pascal Couchepin widerspricht Schwabs Behauptung abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.02.2016.

Auch der ehemaliger Wirtschaftsminister Pascal Couchepin wehrt sich vehement gegen Schwabs Behauptung, die Kündigung der Bilateralen sei wirtschaftlich verkraftbar. Er weist darauf hin, dass es sich dabei nicht nur um ein wirtschaftliches, sondern auch politisches Problem handle. Eine Art Wirtschaftskrieg mit der EU wäre für im Inland getätigte Investitionen sowie die Stimmung im Land katastrophal.

Was der Einzelne wirklich von den Bilateralen hat, sei wohl mehr, als sich in Franken und Rappen berechnen lässt.

Bilaterale Verträge

Studie
Resultat
KOF
2015
0,25–1
Prozent zusätzliches BIP-Wachstum dank Bilateralen seit 2002;
0–0,5 Prozent zusätzliches Wachstum seit 2002 dank Bilateralen
Ecoplan
2015


4,9 tieferes BIP Prozent von 2018-2035 bei Wegfall Bilaterale; kumulierte Kosten von 21‘500 Franken pro Kopf (Jahr
2018-2035)

BAK
Basel 2015


7,1 Prozent tieferes BIP von 2018-2035 bei Wegfall Bilaterale; kumulierte
Kosten von 36‘000 Franken pro Kopf (Jahr 2018-2035)

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88 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Ziemlich spät wie man hier Diskussionen führt. Scheinen sich doch gewisse Vorurteile Eidgenossen gegenüber zu bestätigen. Diese Überlegungen hätte man unbedingt V O R der Volksabstimmung anstellen müssen, wenn man das ein Jahr danach tut, gibt man sich und die "direkte Demokratie" doch der Lächerlichkeit preis.
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  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    Betreffend Nutzen und Verlust bei : Bilaterale JA oder NEIN, wird auch hier geschummelt und gelogen, das sich die Balken biegen. Kontrollieren ist schlicht nicht möglich.
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    Ich kann mich gut erinnern, wie uns vor der EWR-Abstimmung 1992 gedroht wurde - der wirtschaftliche Untergang der Schweiz (Arbeitslosigkeit, Zinsen, Wachstum etc.). Was anderes ist denn jetzt die Stellungnahme von Miesch von Economiesuisse - politisch motiviert! 300'000 Grenzgänger und die höchsten Arbeitslosenquoten in den Grenzkantonen - das sind Fakten und keine politisch motivierten Drohkulissen. Ich wäre für höhere ALV-Beiträge für Hire-und-Fire Unternehmen in der Grenzregion.
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