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Schweiz Wieder mehr junge Rauschtrinker in der Schweiz

Jede vierte Person raucht, jede fünfte schaut zu tief ins Glas: Dies hat sich im letzten Jahr kaum verändert, wie die Statistik von Sucht Schweiz zeigt. Sorgen bereitet den Fachleuten das Suchtverhalten der Teenager – so nimmt das Rauschtrinken unter 15- bis 19-Jährigen wieder zu.

Legende: Video 15- bis 19-Jährige rauchen und trinken wieder mehr abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.02.2016.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund 11'000 suchtbedingte Todesfälle in der Schweiz, davon starben 9500 Menschen an den Folgen des Tabaks.
  • Unter 15-Jährige trinken und rauchen weniger – bei den 15- bis 19-Jährigen ist jedoch sowohl das Rauschtrinken wie auch das Rauchen wieder beliebter.
  • 250'000 Personen waren letztes Jahr alkoholabhängig.
  • Suchtprobleme verursachten Folgekosten von 10 Milliarden Franken.

«Mitverantwortung statt nur Eigenverantwortung bei Suchtproblemen»: So lautet der Titel des Berichts zu den aktuellen Konsumtrends von Jugendlichen und Erwachsenen in der Schweiz. Mit jährlich mehr als 11'000 Todesfällen und 10 Milliarden Franken Folgekosten forderten Suchtprobleme die ganze Gesellschaft, schreibt die Stiftung Sucht Schweiz. «Eine nicht selbstverständliche Sichtweise, wie der Blick auf die suchtpolitischen Entwicklungen zeigt.»

Sorgenfalten treiben den Experten vor allem die neusten Zahlen und Fakten zur jüngeren Generation auf die Stirn: Zwar wird bis zum Alter von 15 Jahren tendenziell weniger Alkohol, Tabak und Cannabis konsumiert. Unter den 15- bis 19-Jährigen nimmt das Rauschtrinken seit 2011 aber wieder zu. Auch der Glimmstengel wird bei dieser Altersgruppe wieder beliebter.

Raucherquote stagniert

Über die ganze Bevölkerung hinweg ist es laut Sucht Schweiz weiterhin nicht gelungen, einen Rückgang der Raucherquote zu erreichen. Noch immer raucht jede vierte Person in der Schweiz. Die tabakbedingten Todesfälle haben mit 9500 pro Jahr jedoch sogar noch etwas zugenommen. Dies zeichne die ansteigende Anzahl der Raucherinnen und Raucher in den vergangenen Jahrzehnten mit Verzögerung nach.

Der Markt verändert sich gemäss Suchtpanorama aber. Es werden weniger konventionelle Zigaretten gekauft, dafür wird mehr zu selbstgedrehten Zigaretten, Wasserpfeifen und E-Zigaretten gegriffen. Bei Letzteren handle es sich wohl meist um einen Probierkonsum.

100'000 Kinder aus alkoholbelasteten Familien

Alkohol bleibt derweil die Gesellschaftsdroge Nummer eins. Gut jede fünfte Person in der Schweiz schaut zu tief ins Glas. Auffallend ist, dass gut 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung die Hälfte des gesamten Alkohols trinken.

Weiterhin sterbe alle 5 bis 6 Stunden ein Mensch an den Folgen des übermässigen Konsums, bilanzieren die Suchtexperten. Schätzungsweise 250'000 Menschen in der Schweiz litten an einer Alkoholabhängigkeit, eine weitere halbe Million unter dem Alkoholproblem naher Angehöriger. Rund 100'000 Kinder kommen aus alkoholbelasteten Familien.

Cannabis bleibt Dauerthema

Auch der Cannabiskonsum ist nach wie vor weit verbreitet. In der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen raucht jeder Vierzehnte regelmässig einen Joint. Die Diskussion um mögliche Vor- und Nachteile einer Cannabisregulierung steht vielerorts im Zentrum der drogenpolitischen Agenda.

Auf dem Radar haben die Suchtexperten auch das neue Geldspielgesetz, das den profitablen Markt auch im Internet öffnen will. Ohne ausreichende Massnahmen für den Spielerschutz riskiere der Gesetzgeber damit eine Zunahme der Probleme, heisst es. Schon heute spielt jeder Hundertste auf problematische oder pathologische Weise.

Appell an die Politik

Die Stiftung Sucht Schweiz kritisiert in ihrem Bericht die oft zu engstirnig geführten Diskussionen in der Sucht- und Drogenpolitik: «Das Argument, dass regulierende Massnahmen die Eigenverantwortung und persönliche Freiheit einschränken, greift zu kurz.»

Aktuelle Befragungen zeigten, dass beispielsweise ein Verbot der Tabakwerbung oder Massnahmen gegen Spottpreise beim Alkohol von der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet würden. «Für die meisten wären diese Massnahmen kaum spürbar, hingegen würden sie junge Menschen und solche mit problematischem Konsum schützen.» Das neue Tabakproduktegesetz, das dieses Jahr beraten wird, biete eine Chance.

«Es bleibt zu wünschen, dass die Suchtpolitik weniger ideologisch, sondern auf sachlichen Analysen der bisherigen Erfahrungen basiert.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ihr müsst sie halt noch besser betreuen im Spital. Dann können sie in kürzester Zeit zum nächsten Anlauf starten. Warum sehen das die "Gutmenschen" nicht. Es hätte gut sein können, dass ich ein Alkoholiker geworden wäre, wenn an mich bei meinen 2 - 3 Abstürzen vor dem Schlimmsten bewahrt hätte. Spätestens als ich begriff, dass es jedesmal so schlimm sein wird, wusste ich, wie weit ich gehen konnte mit dem Alkoholkonsum. In jungen Jahren konnte ich dann den Alkohol (in Massen) geniessen.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das sind doch einmal gute Nachrichten für die Alkoholsteuer der Eidgenossenschaft.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Da die jungen Säufer ihre Ausnüchterung in der Zelle nicht mehr bezahlen müssen, haben sie anscheinend auch keinen Anreitz auf den übermässigen Alkohol zu verzichten. Es ist ein Problem, das dringend in den Familien gelöst werden muss. Hier rächt sich nun, dass viele Eltern gemeinsam arbeiten müssen und keine Zeit mehr für ihre Kinder haben. Da die Eltern am Abend müde sind, lassen sie ihren Sprösslingen zu viel Freiheit. Labile Kinder können die Folgen auf die Dauer zu wenig abschätzen.
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