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Schweiz «Wir haben den Fachkräftemangel bei den Ärzten entschärft»

Mit 100 Millionen Franken will der Bundesrat zusätzliche Ausbildungsplätze für Ärzte finanzieren. Ziel ist es, die Zahl der Studienplätze pro Jahr innerhalb von zehn Jahren von rund 800 auf 1300 zu erhöhen. Passiert sei in den letzten Jahren schon einiges, findet der Wirtschaftsminister.

Legende: Video 100 Millionen für Ärzte-Ausbildung abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.02.2016.

Die Universitäten hätten ihre Ausbildungskapazitäten in der Humanmedizin in den letzten Jahren bereits substanziell erhöht, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung. Es seien jedoch weitere Anstrengungen nötig, um die angestrebten 1300 Abschlüsse pro Jahr zu erreichen.

Heute bilden die Schweizer Universitäten nicht genug Mediziner aus, um die Bevölkerung zu versorgen. Deshalb wurden in den letzten Jahren die meisten Ärztinnen und Ärzte im Ausland rekrutiert. Inzwischen hat fast ein Drittel der Mediziner ein ausländisches Diplom.

Der Druck ist gestiegen

Das Problem ist schon länger auf dem Radar der politisch Verantwortlichen von Bund und Kantonen. Druck ist aber erst mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vor zwei Jahren entstanden. Der Bundesrat hatte daher in Aussicht gestellt, zusätzliche Mittel für die Ausbildung von Medizinern zur Verfügung zu stellen.

Den vorgesehenen Betrag will er dem Parlament im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) für die Jahre 2017-2020 beantragen. Diese soll im März vorliegen. In der laufenden Periode hatte der Bundesrat auf die Finanzierung zusätzlicher Studienplätze verzichtet, obwohl die Ausgaben markant erhöht worden sind.

Mit den nun vorgesehenen zusätzlichen 100 Millionen Franken soll ein Sonderprogramm finanziert werden. Ziel ist es, bis 2025 die Anzahl Abschlüsse in Humanmedizin auf 1300 zu erhöhen. Das Sonderprogramm wird bis Ende Jahr zusammen mit der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) ausgearbeitet.

Selbstverständlich war dies nur der Anfang, es braucht weiterhin volles Engagement.
Autor: Johann Schneider-AmmannWirtschaftsminister

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagte an der heutigen Medienkonferenz, dass es fünf Jahre gebraucht habe, bis die Idee gegriffen und die Zahlen der Mediziner bereits erhöht wurden. «Wir haben den Fachkräftemangel entschärfen können», sagte Schneider-Ammann, um gleich darauf wieder zu relativieren. Selbstverständlich sei dies nur der Anfang gewesen, es brauche weiterhin volles Engagement.

Mehr Pflegefachkräfte

Fachkräfte fehlen nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Pflege. Laut dem Bundesrat greifen hier die Massnahmen, die bereits getroffen wurden. Seit 2007 sei die Zahl der Ausbildungsabschlüsse kontinuierlich angestiegen, schreibt er im Schlussbericht zum Masterplan «Bildung Pflegeberufe».

Die jährlichen Abschlüsse Fachfrau oder Fachmann Gesundheit EFZ haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Damit kann laut dem Bundesrat 84 Prozent des geschätzten Nachwuchsbedarfs abgedeckt werden.

Die Schweiz werde den Bedarf an Pflegefachpersonen allerdings auch künftig nicht vollständig mit im Inland ausgebildetem Personal decken können, heisst es im Bericht. Massnahmen zur Sicherstellung der Personenfreizügigkeit seien damit zentral für die Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Von einer Entschärfung des Ärztemangels spüre ich hier in Wil SG noch nichts. Nach wie vor nehmen die Hausärzte, von Ausnahmen abgesehen, keine neuen Patienten an. Ich stelle bei den Verantwortlichen in Bern ein kopfloses Hin- und Her-Rennen fest.Zulassungs-Stop, Numerus-Clausus und Erhöhung der Investitionen in die Ausbildung zur gleichen Zeit. Und dann wirbt man armen Ländern wie Rumänien noch die Ärzte ab. Entwicklungshilfe mit negativem Vorzeichen. Schämt sich hier jemand?
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Wie kommen Sie auf Rumänien? Es sind vor allem junge deutsche Ärzte die hier in den Spitälern stark vertreten sind. Es wäre auch sehr schwierig, wenn es Sprachprobleme zwischen Arzt und Patienten gebe.
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  • Kommentar von rené studer (rené studer)
    der VSS: NUMERUS CLAUSUS (NC): UNI-ZUGANG ALS Glückssache? ist ein rein finanzpolitisch motiviertes Symptombekämpfungsinstrument- behindert Reformen-wälzt die Last der unkoordinierten Bildungspolitik auf die Studierenden ab- lässt sich nicht mit dem eidgenössischen Finanzierungsmodell der Hochschulen vereinbaren- fordert der VSS die Unabhängigkeit der Bildungspolitik vom kurzsichtigen Finanzdiktat; es braucht ein Umdenken von der finanzgeprägten zur nachhaltigen Politik! bitte selber nachlesen
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ha, was sind schon 100 Milliönchen in 10 Jahren im Verhältnis zu den immensen Ausgaben im Asyl- und flüchtlingswehen. Das macht pro Jahr nicht einmal 50 Studienplätze. Wie knausrig der Bundesrat hier doch ist. Im letzten Abschnitt müsste es heissen: Die Schweiz WOLLE den Bedarf an Pflegepersonal auch künftig nicht vollständig mit im Innland ausgebildetem Personal decken, weil beim importierten, im Ausland ausgebildetem Personal die Ausbildungskostend wegfallen.
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