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Legende: Audio Zu viele Luxuswohnungen – zu wenig günstige Wohnungen, sagt der Mieterverband abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
04:54 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.04.2019.
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Wohnungsmarkt in der Schweiz «Es gibt zu viele Luxuswohnungen»

Eine Studie von Wüest Partner kommt zum Schluss, dass der hohe Leerwohnungsbestand und die anhaltend hohe Bautätigkeit zu sinkenden Mieten führen wird.

Das ist für den Mieterverband kein Grund, seine Volksinitiative «Für mehr bezahlbaren Wohnraum» zurückzuziehen. Denn leer stünden vor allem teure und am falschen Ort gebaute Wohnungen, sagt Generalsekretärin Natalie Imboden.

Natalie Imboden

Natalie Imboden

Mieterinnen- und Mieterverband

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Natalie Imboden ist seit Anfang 2018 Generalsekretärin des Mieterinnen- und Mieterverbands.

SRF News: Braucht es angesichts der zu erwartenden sinkenden Mieten die Initiative des Mieterverbands noch?

Natalie Imboden: Es braucht die Initiative dringend. Denn in Tat und Wahrheit sinken die Mieten gar nicht. Laut Statistik sind die Mieten 2019 gegenüber dem letzten Jahr weiter gestiegen. Das ist die Realität für die Mieterinnen und Mieter in der Schweiz.

Allerdings sagt die Studie von Wüest Partner klipp und klar, dass die Mieten sinken werden.

Das ist bloss eine Prognose. Und erst im Nachhinein wird sich zeigen, ob sie zutraf. Weil die Mieten in Wahrheit weiter steigen, braucht es bezahlbaren Wohnraum. Wenn eine Neubauwohnung, die schlecht gelegen und teuer ist, leersteht, ist das zwar bedauerlich. Doch die Menschen suchen Wohnungen in den Städten und urbanen Zentren. Genau dort aber werden die Wohnungen für durchschnittliche Mieter nicht billiger – eher im Gegenteil.

In den Städten und urbanen Zentren werden die Wohnungen für durchschnittliche Mieter nicht billiger.

Deshalb halten wir an unserer Initiative fest, die gemeinnützige Wohnbauträger fördern will. Sie sollen nicht nach grösstmöglicher Rendite streben, sondern kostengünstigen Wohnraum anbieten.

Die Wohnbautätigkeit ist schweizweit weiterhin hoch – muss das nicht zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt führen?

Wir stellen fest, dass viele Menschen in die Zentren ziehen wollen, sie wollen nicht in der Agglomeration oder in abgelegenen Gebieten wohnen, wo vielleicht Neubauwohnungen leerstehen. In den Zentren aber werden nach wie vor zu wenig bezahlbare Wohnungen gebaut.

Laut dem Hauseigentümerverband wird der gemeinnützige Wohnungsbau auf Bundesebene bereits stark genug gefördert. Was sagen Sie dazu?

In der Tat hat das Parlament den sogenannten Fonds de Roulement – daraus werden zinsgünstige Darlehen an Wohnbaugenossenschaften finanziert – minim aufgestockt. Das war dringend nötig. Das Problem ist aber nach wie vor, dass vor allem teure Wohnungen gebaut werden – und im Vergleich dazu zu wenig günstige Wohnungen. Deshalb braucht es mehr Fördermassnahmen.

Der Bund gibt für die Förderung des günstigen Wohnungsbaus unter dem Strich gar kein Geld aus.

In der Bundesverfassung steht, dass die Förderung günstigen Wohnraums notwendig sei. Doch der Bund tut dafür nur sehr wenig. So macht er unter dem Strich mit seinen zinsgünstigen Darlehen an Wohnbaugenossenschaften sogar einen Gewinn. Das heisst, er gibt für die Förderung des günstigen Wohnungsbaus gar kein Geld aus.

Fazit: Sie ziehen Ihre Volksinitiative also nicht zurück?

Nein. Es hat zu wenig bezahlbaren Wohnraum, dort wo die Menschen wohnen wollen. Das ist die Realität. Es nützt nichts, dass viele Luxuswohnungen am falschen Ort gebaut wurden und nun leerstehen.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

Hauseigentümer gegen Mieter-Initiative

Hauseigentümer gegen Mieter-Initiative

Der Schweizerische Hauseigentümerverband (HEV) lehnt die Initiative des Mieterverbands «entschieden» ab, Link öffnet in einem neuen Fenster. Das Begehren – es verlangt, dass 10 Prozent aller Neubauten künftig gemeinnützige Wohnungen sein sollen – sei realistischerweise gar nicht umsetzbar. Zudem wäre der Bund dazu gezwungen, in den gemeinnützigen Wohnungsbau zu investieren, auch wenn dafür gar kein Bedarf bestehen würde, so der HEV.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Mit Hilfe der Zuwanderung, Angebot u. Nachfrage, verdienen sich Immobilienfonds dumm und dämlich. Dazu kommt noch eine nur oberflächliche Qualität. Kenne zig Neubauten, die kommen aus dem Kreisel der Mängelbehebung gar nicht mehr heraus. Und wer will in seinem Esszimmer dem Nachbarn bei dessen Toilette zuhören? Es sei denn, er ist der Meinung, dass dies in der horrenden Miete inbegriffen sein muss...
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Zu rund 70% ist die Zuwanderung Ursache der gestiegenen Wohnungsnachfrage. Hier muss man ansetzen, wenn man ursächlich etwas gegen steigende Mietpreise und Verbetonierung der Landschaft unternehmen will.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Dieser Geldschefflerei bei Mietzinsen sollte mit griffigeren gesetzlichen Regelungen ein Riegel geschoben werden. Der Gewinn, der da wie fetter Rahm entnommen wird, entspricht kaum einem reell und verdienten, sozialverträglich eingenommenen Geld.
    Diese Geldschefflerei widert mich an! Diese ist moderner "Geld-Feudalismus"! Aermere Menschen haben nichts davon und werden eher noch mehr an den Rand der Gesellschaft merkantil wegkatapultiert. Grösser werdende Kluft Reich-Arm sei "Ehr".
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