Billette-App im Test Zuerst fahren, dann bezahlen: Die Zukunft im ÖV?

Die automatische Abrechnung von Reisen wird sich durchsetzen, ist Experte Christian Laesser überzeugt.

Das Wichtigste in Kürze

  • SBB, BLS und Postauto testen eine App, die Fahrten aufzeichnet und erst am Ende des Tages abrechnet.
  • Die Billette-App sorgt für heftige Diskussionen, doch Touristik-Professor Christian Laesser ist überzeugt, dass sie sich bei den Kunden durchsetzen wird.
  • Es brauche allerdings weiterhin auch die bisherigen Systeme, etwa für Kunden mit Datenschutz-Bedenken.
  • Die Zukunft der Zugbegleiter sieht Laesser daher nicht gefährdet, auch wegen der Sicherheit der Fahrgäste.

«Die Billette-App wird sich durchsetzen», sagt Touristik-Professor Christian Laesser von der Universität St. Gallen. Es sei schlicht und einfach bequemer, eine Fahrt automatisch abrechnen zu lassen, als Billette im Voraus an Automaten oder Schaltern zu lösen. «Die App muss einfach sicherstellen, dass der Kunde jederzeit nachvollziehen kann, wofür er wie viel bezahlt.»

Kulanz bei leeren Akkus

Ein Problem ortet Laesser bei den Handy-Akkus. Die App zeichnet die Fahrten in Echtzeit auf, was viel Strom braucht. Wäre der Akku bei einer Kontrolle im Zug oder Bus leer, könnte der Reisende nicht beweisen, dass er die App aktiviert hat.

«Das könnte hinderlich sein, allerdings nur kurz- und mittelfristig, weil die Akkus natürlich auch immer besser werden.» Das Personal der Verkehrsunternehmen müsste daher kulant sein, wie Laesser fordert.

Herkömmliche Billette weiterhin gefragt

Keine Bedenken hat der Verkehrsexperte beim Datenschutz: «Wenn ein Kunde dieses System nutzt, ist er damit einverstanden, dass man verfolgen kann, wohin er fährt.»

Eine Frau bezahlt ein Billett an einem Automat. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Billett-Automaten soll es weiterhin geben – auch für Kunden, die ihre Reise nicht nachverfolgen lassen wollen. Keystone

Und die Kunden, die nicht wollen, dass die Verkehrsunternehmen detailliert über ihr Reiseverhalten Bescheid wissen?

Trotz der Beteuerungen von SBB, BLS und Postauto, dass der Datenschutz gross geschrieben werde und die gespeicherten Daten beispielsweise nicht an Dritte weitergegeben würden, brauche es für solche Kunden weiterhin alternative Systeme, so Laesser.

Der Touristik-Professor ist überzeugt, dass SBB, BLS und Postauto nicht gleich sämtliche Billett-Automaten abbauen, Schalter schliessen und Zugpersonal entlassen. Gerade auch mit Blick auf die Sicherheit brauche es auch in Zukunft Zugbegleiter.