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Schweiz Zuwanderung in die Schweiz geht im ersten Quartal stark zurück

Abgenommen hat sowohl die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt als auch der Familiennachzug aus EFTA- und EU-Staaten. Bei Drittstaatenangehörigen nahm der Familiennachzug gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres jedoch leicht zu. Zugenommen hat zuletzt ausserdem die Zahl der Grenzgänger-Bewilligungen.

  • Die Zuwanderung in die Schweiz ist im ersten Quartal des laufenden Jahres um mehr als 30 Prozent zurückgegangen.
  • Der Bund gibt die schwächelnde Konjunktur und den starken Franken als Gründe an.
  • Die Zuwanderung aus EU- und EFTA-Staaten in den hiesigen Arbeitsmarkt hat sich im ersten Quartal um fast 15 Prozent reduziert.
  • Der Familiennachzug aus EU- und EFTA-Staaten hat sich im ersten Quartal des Jahres um 8 Prozent verringert, aus Drittstaaten hat er um 1,5 Prozent zugenommen.
  • Grenzgängerbewilligungen sind im März dieses Jahres um 14 Prozent mehr erteilt worden als im März 2015.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind deutlich weniger Personen in die Schweiz eingewandert als in der Vorjahresperiode. Gleichzeitig verliessen mehr Personen die Schweiz. Unter dem Strich hat die Zuwanderung um über 30 Prozent abgenommen. Die ständige ausländische Wohnbevölkerung wuchs nur noch um 15'027 Personen.

Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative diskutiert die Schweiz intensiv über die Frage, wie die Zuwanderung begrenzt werden könnte. Lange fand die Diskussion vor dem Hintergrund steigender Zahlen statt. Nun vermeldet der Bund einen deutlichen Rückgang.

Angespannte Wirtschaftslage

Der Bund erklärt sich den Rückgang mit wirtschaftlichen Faktoren, etwa der «harzenden» wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz, sagte Léa Wertheimer, Sprecherin des Staatssekretariats für Migration (SEM). In Deutschland sei die Lage besser, in Spanien und Portugal erhole sich die Wirtschaft. Das widerspiegle sich in den Zahlen.

Legende:
Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung Nach Kontinenten und Wanderungssaldo SEM

Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB), wies letzte Woche ebenfalls auf die Wirtschaft hin, namentlich auf die Frankenstärke und die Beschäftigungslage in Deutschland.

Weniger Zuwanderung in den Arbeitsmarkt

Abgenommen hat sowohl die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt als auch der Familiennachzug. Zwischen Januar und März wanderten 32'667 Personen aus EU- und EFTA-Staaten in die Schweiz ein, um eine Arbeitsstelle anzutreten. Das sind 14,7 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. In dieser Zahl sind Personen der ständigen und nicht ständigen ausländischen Wohnbevölkerung enthalten, also auch Ausländer mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung von unter einem Jahr.

Die meisten Einwanderer verzeichnete im März des laufenden Jahres die Branche Planung, Beratung und Informatik mit 2145 Personen. An zweiter Stelle liegt das Gastgewerbe mit 1241 Personen, an dritter die Landwirtschaft mit 868 Personen. Es folgen das Gesundheitswesen und das Baugewerbe.

Weniger Familiennachzug

Im Rahmen des Familiennachzugs sind im ersten Quartal 10'880 Personen in die Schweiz eingewandert, 8 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Abgenommen hat der Familiennachzug vor allem bei Personen aus EU-/EFTA-Staaten. Bei Drittstaatenangehörigen nahm er gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 1,5 Prozent zu.

Legende:
Bestand der nicht ständigen ausländischen Wohnbevölkerung Nach Kontinenten und Wanderungssaldo. SEM

Zugenommen hat zuletzt ausserdem die Zahl der Grenzgängerbewilligungen: Im März 2016 wurden rund 14 Prozent mehr Bewilligungen erteilt als im März 2015, aber weniger als im März 2014. Diese Zahl schwanke stark, hiess es beim SEM.

Ist die MEI schon hinfällig?

Legende: Video Rückläufige Zuwanderung auch ohne MEI abspielen. Laufzeit 01:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.04.2016.

Die markant sinkenden Zuwanderungszahlen könnten auch einen Einfluss auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative haben, meint SRF-Korrespondent Hanspeter Forster. Sollte sich dieser Trend über mehrere Jahre erstecken, so würden die Chancen für Modelle wie etwa die Zuwanderungsbegrenzung in Abhängigkeit zu Beschäftigungszahlen oder den Inländervorrang steigen. Zumal sich bei geringerer Nachfrage der Wirtschaft auch die SVP flexibel zeigen müsste. Die Chancen für eine Kompromisslösung mit der EU seien bei einem gewissen Einlenken durchaus intakt.

Mehr Einbürgerungen

Markant zugenommen hat aber die Zahl der Einbürgerungen: Zwischen Januar und März liessen sich 8789 Personen einbürgern, 40,5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Am häufigsten liessen sich Italiener einbürgern, gefolgt von Personen aus Deutschland, Kosovo und der Türkei.

Das könnte mit dem neuen Bürgerrechtsgesetz zu tun haben, das teilweise höhere Anforderungen stellt, etwa an die Sprachkenntnisse. Möglicherweise bewog das manche dazu, noch nach altem Recht eine Einbürgerung zu beantragen. Das Parlament hatte das Gesetz im Sommer 2014 verabschiedet. Auch die Diskussionen in den letzten Jahren über die Ausschaffungs- und die Durchsetzungsinitiative könnten eine Rolle gespielt haben.

Das SEM erhebt die Gründe nicht und kann somit nicht erklären, weshalb die Einbürgerungen gerade jetzt zugenommen haben. Tatsache sei aber, dass rund 900'000 Personen in der Schweiz die formellen Bedingungen erfüllten.

Über 2 Millionen Ausländer

Ende März lebten insgesamt 2'004'263 Ausländer in der Schweiz. Davon waren 1'371'572 Bürger aus EU- und EFTA-Staaten. Der Anteil der EU-Bürger an der ständigen Wohnbevölkerung beträgt 68 Prozent.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Singer (P.S.)
    Das ist ein schlechtes Zeichen. Die Ausländer verlassen die Schweiz, weil die wirtschaftliche Zukunft nicht mehr so rosig aussieht. Firmen siedeln sich nicht mehr in der Schweiz an, weil die SVP damit droht, Freihandelsabkommen wie die Bilateralen zu künden und damit Unsicherheit schafft.
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  • Kommentar von D.E. Steiner (D.E.Steiner)
    Niklaus Bächler: Das was Sie hier vorbringen sind z.T. reine Floskeln. Notwendig ist eine Gesamtgüterabwägung, bei der man auch die vielen PROBLEME des Flüchtlingsstroms umfassend mit abwägt. Zum Beispiel wird durch immer mehr Flüchtlinge langfristig ein „sozialer Krieg“ um billige Wohnungen, Arbeitsplätze, Rentenansprüche, etc. ausgelöst, von dem v.a. die CH-Unterschicht betroffen sein wird. Langfristig wird die Schweiz so kaputtgehen. Einem Land geht es nur gut, wenn es allen Bürgern gutgeht.
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    1. Antwort von D.E. Steiner (D.E.Steiner)
      Nachtrag: Sorry, ich hatte übersehen, dass es hier nur um die EU-Einwanderung geht. Hier besteht aber im Prinzip das gleiche Problem. Nachdem schon durch Arbeitsplatzabbau, Computerisierung, etc. ständig Stellen verloren gehen, wird die soziale Situation in der Schweiz durch EU-Einwanderer, welche Stellen besetzen, für die sich AUCH Schweizer interessieren würden, zunehmend verschärft. Davon betroffen sind übrigens auch CH-"Mittelständler", die zum Teil bereits heute keine Stelle mehr finden.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Über 2 Mia. Ausländer in der Schweiz, dass ist Wahnsinn. Flüchtlinge inbegriffen??In der Schweiz wird es eng - und das Gedränge beim Pendeln die Schmerzgrenze erreichen. Pro Sekunde wird heute in der Schweiz ein Quadratmeter Land verbaut. Pro Tag sind das zehn Fussballfelder. Warum hört die Politik nicht auf den Bürger. Wir wünschen uns weniger Zuwanderung. Diese Statistik ist nur eine Momentaufnahme und sagt wenig über unsere Zukunft aus. Gut, wenn z.Zeit viele auswandern.
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