Philipp Müller FDP: Ständeratskandidat ohne Wahlkampf

Seit zwölf Jahren ist er Nationalrat und seit drei Jahren Präsident der FDP Schweiz, und das mit Erfolg. Die FDP hat wieder Fuss gefasst, sie wird bereits als Wahlsiegerin gehandelt. Gute Aussichten also für Philipp Müller im Kampf um einen Aargauer Ständeratssitz – wenn da nicht ein Unfall wäre.

Die «Tagesschau» zeigte ihn in Grossaufnahme: Philipp Müller trat in bester Laune vor die FDP-Mitglieder, am Parteitag vom 22. August in Sursee. Er wagte auf dem Podium sogar ein paar Tanzschritte, Philipp Müller eiferte seinem grossen Idol, dem Rockstar Mick Jagger nach.

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Privat

  • Geboren am 5. September 1952
  • Aufgewachsen in Küssnacht am Rigi und Reinach
  • Lehre als Gipser/Stuckateur
  • Übernahme der väterlichen Firma, Umbau zum Generalbauunternehmen
  • Geschieden, drei Kinder
  • Wohnhaft in Reinach AG

Müller hatte guten Grund für den flotten Auftritt. Die FDP steht geeint hinter ihm, sie fühlt sich im Aufwind. In kantonalen Wahlen hat sie in letzter Zeit sehr gut abgeschnitten. Beobachter erklären die FDP schon zur Siegerin der nationalen Wahlen vom 18. Oktober. Die Frage sei eigentlich nur, wie viel die Partei zulegen werde.

Dass die FDP wieder Fuss gefasst hat, ist weitgehend der Verdienst von Philipp Müller. Der gelernte Gipser, Geschäftsmann und Bauunternehmer hat die FDP wieder näher zum Volk gebracht, weg vom Image der Banken- und Wirtschaftsfilz-Partei.

Aber auch die Profilierung im Parteienspektrum als Mitterechts-Partei hat zum Erfolg beigetragen. Philipp Müller und seine FDP grenzen sich klar von der SVP ab. Dort gibt es nur Gemeinsamkeiten im Kampf gegen noch mehr Steuern und gegen einen ausufernden Staat.

Philipp Müller ist der bürgerliche Favorit

Optimale Voraussetzungen also für Philipp Müllers Ständerats-Wahlkampf. Christine Egerszegi (FDP) räumt ihren Sitz. Müller soll ihn wieder besetzen. Das ist das erklärte Ziel der Partei. Und die Chancen stehen gut. Neben der so gut wie gesetzten Pascale Bruderer von der SP ist Müller der Favorit. Umfragen zeigen ihn weit vor seinen Konkurrenten Hansjörg Knecht (SVP) und Ruth Humbel (CVP).

Bei Themen wie Europa, Zuwanderung und bilaterale Abkommen setzt Müller auf den Dialog mit der EU und nicht auf Konfrontation wie die SVP.

«  Die Bilateralen sind weg, wenn wir die Masseneinwanderungs-Initiative buchstabengetreu umsetzen. »

Philipp Müller
FDP-Präsident/Ständeratskandidat AG

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Politik

  • 1996 Präsident FDP Reinach
  • 1997 Wahl in den Grossen Rat Aargau
  • 2000 «18-Prozent-Initiative»
  • 2003 Wahl in den Nationalrat
  • Seit 2012 Präsident der FDP Schweiz

Beim Thema Energiewende ist Philipp Müller schwieriger zu fassen. Dort ist die FDP gespalten, einzelne Vertreter wollen auch gar nicht Stellung beziehen. Das äusserte sich zum Beispiel bei der Abstimmung zum Atomausstieg.

Müller persönlich glaubt, dass momentan keine neuen AKWs gebaut werden können. «Wir tragen heute den Ausstieg mit. Wir wollen keine neuen AKWs mit der heute bekannten Technologie.»

Aber das Ja zum Ausstieg ist noch längst kein Ja zur Energiewende, die der Bundesrat propagiert. Müller will das Volk darüber abstimmen lassen und ist keineswegs sicher, dass die Vorlage durchkommen würde.

Unfall beendet Wahlkampf

Argumentativ gut gerüstet und mit viel Rückenwind ging Philipp Müller also in den Ständeratswahlkampf. Ein jähes Ende fand dieser am 10. September 2015. Müller verursachte in Lenzburg einen schweren Unfall. Er kollidierte mit seinem Mercedes mit einer Frau auf einem Roller. Das Opfer wurde schwer verletzt. Müller sprach vom «schlimmsten Tag seines Lebens» und stoppte den persönlichen Wahlkampf auf unbestimmte Zeit.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr