Häsler: «Ich bin für die Parteibasis noch lange keine Verräterin»

Die Grüne Nationalrätin Christine Häsler befürwortet, die Grimselstaumauer zu erhöhen. Dadurch würden einzigartige Naturorte unwiederbringlich zerstört und eine Moorlandschaft tangiert. Wegen ihrer Güterabwägung zwischen Energiewende und Umweltschutz sieht sie sich trotzdem nicht als Verräterin.

Christine Häsler und Peter Anderegg im Grimselmassiv. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Christine Häsler und Peter Anderegg vor dem Grimselsee. Sie wollen die Natur schützen - jedoch mit anderen Mitteln. Christian Liechti / SRF

Fast 30 Jahre dauert der Kampf um den Ausbau der Wasserkraft an der Grimsel bereits. Die Kraftwerke Oberhasli (KWO), die Betreiberin der Stauseen, hat 1999 ein erstes Megaprojekt für den Ausbau beerdigt.

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Das Auswärtsspiel

Im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen lädt das Regionaljournal die sieben Ständeratskandidatinnen und -kandidaten der relevanten Berner Parteien zu einem Auswärtsspiel ein. Analog zum Sport tauchen sie dabei in Welten ein, die ihnen fremd sind - haben also kein politisches Heimspiel.

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2005 reichte die KWO ein neues Baugesuch ein, um die Staumauer des Grimselsees um 23 Meter zu erhöhen. Seither laufen die Umweltverbände Sturm. Die KWO erlitten seither rechtliche Rückschläge, wagten mit der Staumauererhöhung jedoch erneut einen Neustart und erhielten 2012 vom Kantonsparlament die Konzession.

400 Jahre alte Arven würden versinken

Heute beschäftigt sich das Verwaltungsgericht mit der Erhöhung der Staumauer. Denn die Umweltverbände wehren sich dagegen, dass am Grimselsee ein einzigartiges Moor mit uralten Arven tangiert wird. Jede vierte Arve - schätzen die Umweltschützer - würden wegen des höheren Wasserspiegels versinken. Der Moorschutz hat aus ihrer Sicht nach der Rothenthurm-Initiative Vorrang und ist nicht verhandelbar.

Eine andere Güterabwägung

Dies sieht die Grüne Nationalrätin Christine Häsler anders. Sie arbeitet für die KWO und kämpft an vorderster Front darum, dass die Staumauer um 23 Meter erhöht wird. «Ich mache lediglich eine andere Güterabwägung als meine Gegner», sagt die 52-jährige Berner Oberländerin beim Auswärtsspiel des «Regionaljournals Bern Freiburg Wallis». «Wenn wir die Energiewende 2050 schaffen wollen, brauchen wir die Wasserkraft und müssen Kompromisse eingehen. Deshalb bin ich noch lange keine Verräterin grüner Ideale.»

Die Smartspider von Christine Häsler. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Smartspider von Christine Häsler. Smartvote

Häsler rutschte im Juni in den Nationalrat nach, weil Alec von Graffenried aus persönlichen Gründen aus der Grossen Kammer zurückgetreten ist. Zuvor gehörte Häsler seit 2002 dem bernischen Kantonsparlament an. Ihre Chancen in den Ständerat gewählt zu werden sind minim, jedoch gibt ihr diese Kandidatur eine zusätzliche Plattform und Auftrieb für die Nationalratswahlen, für die sie ebenfalls kandidiert.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32 Uhr/17:30 Uhr)