Statt 26 können nur noch 25 Berner in den Nationalrat

Bei den eidgenössischen Wahlen im Oktober ist im Kanton Bern ein Sitz weniger zu vergeben. Treffen könnte dies die SP, die BDP oder die Grünen. Das grosse Zittern aus Angst vor einem möglichen Sitzverlust hat begonnen.

be Wähleranteile Nationalrat Kanton Bern Die Angaben sind in Prozent. BDP (14,9%) und GLP (5,3%) traten 2011 erstmals zu den Wahlen an. Bundesamt für Statistik

Die Ausgangslage im Überblick:

  • Aufgrund der Bevölkerungszahl sind im Kanton Bern nur noch 25 Sitze zu vergeben.
  • Geht der Sitzverlust zu Lasten der SP und/oder der Grünen?
  • Setzt sich der Sturzflug der BDP bei den kantonalen Wahlen 2014 auch im Herbst 2015 auf eidgenössischer Ebene fort?
  • Baut die SVP als wählerstärkste Partei ihre Vormachtstellung aus?

Weil das Bevölkerungswachstum im Kanton Bern im nationalen Vergleich in den letzten Jahren stagniert hat, muss Bern bei den Wahlen am 18. Oktober einen Nationalratssitz abgeben. Statt 26 sind also nur noch 25 Sitze zu vergeben. Deshalb stellt sich für die Parteien zwangsläufig die Frage: Wer muss über die Klinge springen?

Zittern bei links-grün

Zittern müssen nicht nur die kleinen Parteien, deren Hürde mit lediglich noch 25 Sitzen neu etwas höher liegt. Auch die SP muss um ihren sechsten Sitz bangen. Diesen erzielte die Partei bei den letzten Wahlen 2011 nur knapp dank eines Restmandats. Zudem rutschte die SP 2011 mit einem Wähleranteil von 19,3 Prozent erstmals seit 1991 unter die 20-Prozent-Marke.

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Bildlegende: Die Steueroptimierung von Margret Kiener Nellen gab zureden. Keystone

Unklar für die Wahlen im Herbst ist auch, wie sich die erneute Kandidatur von SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen auswirkt. Ihre Nomination spaltete die Basis. Denn Kiener Nellen sorgte für Negativschlagzeilen, weil ihr Mann und sie einmalig die Steuern optimierten, womit das Ehepaar in einem Jahr null Franken Steuern bezahlte. Wird die langjährige Nationalrätin für die SP vom Zugpferd zum Handicap?

Entscheidung für die nationale BDP

Auch die BDP hat ein Handicap. Die noch junge Partei muss bei den Wahlen auf die bisherige Nationalrätin Ursula Haller verzichten. Die Thunerin war das Zugpferd der Partei und verabschiedete sich im Herbst 2014 von der Politbühne.

So oder so verfolgt die ganze Schweiz gespannt, wie die BDP im Kanton Bern abschneidet. Bern bildet neben dem Kanton Graubünden die Partei-Hochburg. Erleidet die BDP im Kanton Bern einen Einbruch, wirkt sich das verhältnismässig stark darauf aus, wie die Partei national abschneidet.

2011, bei ihrer ersten Teilnahme an Nationalratswahlen im Kanton Bern, erzielte die BDP einen stolzen Wähleranteil von 14,9 Prozent und holte auf Anhieb vier Sitze. Die glorreichen Zeiten sind jedoch vorbei. Bei den kantonalen Wahlen 2014 verlor sie elf ihrer 25 Sitze im Grossen Rat. Nach dieser herben Niederlage will sich die BDP noch klarer von der SVP abgrenzen und verstärkt auf Sachpolitik setzen.

Die SVP und die französischsprachige Minderheit

Die SVP, mit 29 Prozent klar die wählerstärkste Partei im Kanton Bern, hat acht Sitze zu verteidigen. Sie bündelt für die Nationalratswahlen ihre Kräfte und tritt nur mit einer Liste - also nur mit 25 Kandidatinnen und Kandidaten an.

Der Vorschlag der Parteileitung - nur mit einer Liste anzutreten - sorgte bei der Basis für Unmut. Einzelne Sektionen plädierten für zwei Listen, damit mehr Wähler abgeholt werden könnten. Die Delegiertenversammlung im Oktober 2014 entschied sich jedoch klar für nur eine Liste. Die SVP will im Herbst einen neunten Sitz im Nationalrat erobern.

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Bildlegende: Für den Berner Jura: Die SVP nominiert Manfred Bühler und Anne-Caroline Graber. Keystone

Die SVP - wie auch die SP - kämpft 2015 besonders stark um die Gunst der Wählerinnen und Wähler im Berner Jura.

Die französischsprachige Minderheit im Kanton soll in den eidgenössischen Räten wieder gestärkt werden, auch wenn der Berner Jura auf Bundesebene keine garantierten Sitze hat. Für den Berner Jura kandidieren deshalb Manfred Bühler und Anne-Caroline Graber auf der SVP-Liste.

Anne-Caroline Graber ist die Tochter von SVP-Nationalrat Jean-Pierre Graber. Er darf im Herbst nicht mehr zu den Wahlen antreten. Bühler und Graber erhalten die beiden obersten Plätze auf der SVP-Liste.

Nationalräte Kanton Bern

ParteiNamen
SVP (8)
Andreas Aebi, Adrian Amstutz, Andrea Geissbühler, Jean-Pierre Graber, Rudolf Joder, Nadja Pieren, Albert Rösti, Erich von Siebenthal
SP (6)
Matthias Aebischer, Evi Allemann, Margret Kiener Nellen, Nadine Masshardt, Corrado Pardini, Alexander Tschäppät
BDP (4)
Urs Gasche, Hans Grunder, Lorenz Hess, Heinz Siegenthaler
Grüne (3)
Regula Rytz, Aline Trede, Alec von Graffenried
FDP (2)
Christa Markwalder, Christian Wasserfallen
GLP (2)
Kathrin Bertschy, Jürg Grossen
EVP (1)
Marianne Streiff

Bei den kleinen Parteien müssen die Grünen (9,4 Prozent Wähleranteil) um ihre drei Sitze bangen; sie sitzen mit der SP in einem Boot. Bei den letzten Wahlen 2011 büssten sie Terrain ein und müssen im Herbst auf ihren Bisherigen Alec von Graffenried verzichten. Der 53-Jährige tritt bereits in der Junisession zurück.

Für die noch junge GLP (5,3 Prozent) sitzen Kathrin Bertschy und Jürg Grossen im Nationalrat. Beide haben in den letzten vier Jahren auf nationaler Ebene keine grossen Stricke zerrissen. Für die EVP (4,2 Prozent) soll es Marianne Streiff richten. Sie ist seit September 2010 im Nationalrat.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr