EVP: Eine Nischenpartei mit Kontinuität

Kleinparteien halten sich selten lange auf der nationalen Bühne – nicht so die EVP. Aber auch sie muss um ihre Vertretung auf nationaler Ebene kämpfen.

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Bildlegende: EVP--Smartspider: Je höher der Wert bei 100 liegt, desto höher ist die Zustimmung zu dem jeweils formulierten Ziel. Smartsvote/Sotomo

Die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) hält sich seit Jahrzehnten auf tiefem, aber konstantem Niveau. Die Richtschnur der Kleinpartei sind ethische Überzeugungen, die auf dem christlichen Glauben fussen. «Wir setzen uns ein für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit», sagt die Berner Nationalrätin und Parteipräsidentin Marianne Streiff.

Seit ihrer Gründung 1919 ist die EVP mit einem kurzen Unterbruch immer mit mindestens einem Nationalrat im Bundeshaus vertreten gewesen. Seit Jahren beträgt ihr Wähleranteil rund 2 Prozent.

Verteilung der Nationalratssitze seit 1991 jeweils nach den Wahlen Die BDP trat 2011 erstmals bei nationalen Gesamterneuerungswahlen an und kam auf 9 Sitze. 2008 kam es zur Abspaltung der BDP von der SVP. Stand vor den Wahlen 2011: BDP 5 Mandate, SVP 59 Mandate.

Offen und konservativ zugleich

Im Wahljahr 2015 will sich die Partei mit Wahlkämpfen in vielen Kantonen positionieren. Ihr Ziel ist der Erhalt der beiden Nationalratsmandate in Bern und Zürich sowie den im Jahr 2007 im Kanton Aargau verlorenen Sitz zurückzugewinnen.

Ihr neues Parteiprogramm hat die Partei im Okotber 2014 präsentiert: Es ist progressiv in Bezug auf soziale Themen, aber konservativ in Bezug auf Fragen zum Schutz des menschlichen Lebens. Die EVP fordert unter anderem:

-gerechte und schnelle Asylverfahren

-Eltern- und Vaterschaftsurlaub

-eine Reduktion der Nacht- und Sonntagsarbeit

-den Automatischen Informationsaustausch im Finanzwesen

-eine ökologische Steuerreform

-mehr Entwicklungshilfe und Entschuldungsprogramme für Entwicklungsländer.

Zugleich will die EVP die Privilegien der Ehe beibehalten. Sie kämpft gegen die Homo-Ehe, Abtreibungen und Liberalisierung von Cannabis. Und setzt sie sich für Mindestpreise beim Alkohol ein.

Erfolg bei Berner Grossratswahlen

Die EVP verfügt derzeit über 18 Kantonalparteien in überwiegend protestantischen Kantonen. In Bern konnte die Partei 2014 auf Kosten der BDP bei den kantonalen Parlamentswahlen um zwei Sitze zulegen und hält neu 12 Mandate. In den restlichen fünf Kantonen, in denen 2014 ebenfalls Wahlen stattfanden (GL, GR, NW, OW, ZG), war die EVP nicht angetreten.

Mit dem Erfolg im Kanton Bern konnte die EVP 2014 ihre Anzahl kantonaler Legislativmandate auf 40 erhöhen (von total 2'559 kantonalen Parlamentssitzen).

Kennzahlen – Evangelische Volkspartei

Wähleranteil Nationalratswahlen 20112 Prozent
Mitglieder4'5000
Sitze Nationalrat2 (2 Frauen)
Sitze Ständeratkeine
Parteipräsidenin Marianne Streiff-Feller
Gründungsjahr1919
Linkwww.evppev.ch

Parteien-Positionskarte von Smartvote

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wahlen 15 - «Parteiencheck»: Marianne Streif, EVP-Präsidentin

    Aus Rendez-vous vom 9.9.2015

    Knapp 100 Jahre alt ist die EVP, die Evangelische Volkspartei. Mit zwei Sitzen im Nationalrat gehört sie zu den kleinsten Parteien im Bundeshaus. Seit einem Jahr ist die Berner Nationalrätin Marianne Streiff Präsidentin der EVP.

    Im Check stellt sie sich den Fragen von Dominik Meier und Géraldine Eicher.

  • EVP-Delegierte beschliessen dreifaches Nein

    Aus Tagesschau vom 5.9.2015

    Auch die EVP, die Evangelische Volkspartei, hat sich heute zur letzten Delegiertenversammlung vor den Wahlen im Herbst getroffen und dreimal die Nein-Parole beschlossen: Nein zum neuen Fortpflanzungsmedizingesetz, Nein zum Bau einer zweiten Gotthard-Röhre und Nein zur Durchsetzungsinitiative der SVP.

  • Der Hahn der EVP muss gehen

    Aus Tagesschau vom 21.10.2014

    Nach wie vor fristet die EVP im Bundeshaus ein Mauerblümchendasein, mit gerade mal zwei Nationalratssitzen. Das hält sie aber nicht davon ab, zu kämpfen. Der Wahlkampf 2015 wurde heute lanciert – ohne Hahn im Logo.