WEF in Davos Alles Wissenswerte kurz erklärt

Zum 47. Mal findet ab morgen Dienstag das WEF in Davos statt. Laut dem Gründer ist das Treffen notwendiger denn je.

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WEF thematisiert Kehrseite der Globalisierung

2:03 min, aus Tagesschau vom 16.1.2017

Das Forum: Der aus Ravensburg stammende Ökonomie-Professor Klaus Schwab (78) gründete das World Economic Forum (WEF) im Jahr 1971. Diesem gehören mehr als 1000 Unternehmen an – darunter über 100 der weltgrössten Konzerne als sogenannte strategische Partner. Erklärtes Ziel des WEF ist es, «den Zustand der Welt zu verbessern». Dass dabei auch geschäftliche und politische Kontakte geknüpft werden können, gilt als willkommener Nebeneffekt. Die Teilnahme am Forum in Davos ist nur auf Einladung möglich.

Das Thema: Das diesjährige WEF – es ist das 47. und findet vom 17. bis zum 20. Januar statt – hat sich ein «responsive und responsible Leadership» (eine anpassungsfähige und verantwortungsvolle Führung) auf die Fahne geschrieben. Das Thema steht in Zusammenhang mit fünf vom WEF-Risiko-Bericht eruierten globalen Kernproblemen. Es sind dies 1. Spannungen wie eine verstärkte Polarisierung und ein intensivierter Nationalgedanke nach den Wahlerfolgen populistischer Parteien; 2. eine wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit; 3. durch Migration hervorgerufene Ängste; 4. der Klimawandel; 5. Terroranschläge. Erneut diskutiert wird am diesjährigen WEF die Situation in Syrien, wo seit Jahren ein blutiger Krieg tobt. Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, sieht 2017 als Schlüsseljahr: «2017 ist ein entscheidender Zeitpunkt für die Weltgemeinschaft.»

Neue Messmethode für nationale Wirtschaftsleistung

Tabelle
Im Kontext steigender wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit regt das Weltwirtschaftsforum (WEF) ein neue Messmethode an, um die nationale Wirtschaftsleistungen aller Länder zu messen: Statt des Brutto-Inlandproduktes (BIP) soll der Inclusive Development Index (IDI) angewendet werden. Dieser berücksichtigt neben der reinen Wirtschaftsleistung auch Kriterien der Nachhaltigket und der sozialen Gerechtigkeit.

Bei 51 Prozent der 103 Länder, die mit dem IDI beurteilt worden sind, habe sich der Index in den letzten fünf Jahren verschlechtert. 42 Prozent der
Staaten seien beim IDI zurückgefallen, obwohl sie ein BIP-Wachstum erzielen konnten. Im derzeitigen IDI-Ranking steht Norwegen an erster Stelle. Es folgen Luxemburg und die Schweiz.

Der Schutz: Für die Sicherheit am WEF ist die Schweizer Armee zuständig. Die Aufgaben Personenschutz und Zutrittskontrollen in Davos nehmen Beufssoldaten wahr, für logistische Arbeiten wie etwa Sanitätsdienst und Verkehrsregelung sind Milizangehörige der Armee aufgeboten. Während des Weltwirtschaftsforums verfügt die Truppe über Polizeibefugnisse. Ihre Zahl hat das Parlament auf maximal 5000 beschränkt. Der Einsatz des Militärs erfolgt nach dem Subsidiaritätsprinzip, die Verantworung liegt bei den zivilen Behörden. Gesamteinsatzleiter ist entsprechend der Kommandant der Kantonspolizei Graubünden. Auch aus der Luft wird das Forum geschützt. Die Luftwaffe sichert den Luftraum über Davos rund um die Uhr ab und arbeitet aufgrund der Grenznähe mit der österreichischen Luftwaffe zusammen.

Die Gäste aus Nah- und Fernost: In Davos werden insgesamt 3000 Gäste erwartet – ein Rekord. Darunter sind Dutzende Staats- und Regierungschefs, zahlreiche Forscher und viele Top-Manager. Die Auftaktrede wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping halten. Er ist der erste chinesische Präsident am WEF. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat, nachdem sein Büro zunächst Interesse bekundete, seine Teilnahme annulliert.

Die Gäste aus den USA und Europa: Aus den USA werden Vizepräsident Joe Biden und Aussenminister John Kerry anreisen. Aus dem neuen Führungsteam um Donald Trump – der sein Amt am 20. Januar antritt – ist der frühere Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci in Davos angemeldet. Trump selbst wird nicht erscheinen. Nur schwach vertreten ist die Gruppe der G7-Länder: Sowohl die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wie auch der französische Präsident François Hollande bleiben dem Anlass fern. Ferner verzichtet auch der kanadische Regierungschef Justin Trudeau auf eine Teilnahme. Als einziges Land der G7-Nationen sendet mit Theresa May Grossbritannien seine Regierungschefin nach Davos.

Die Gäste aus Organisationen: Aus den Reihen der internationalen Institutionen reist UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sowie die Hochkommissarin für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Hussein, an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist mit Christine Lagarde und Jim Yong Kim vertreten. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), fehlt.

Die königlichen Gäste: Die niederländische Königin Máxima wird das WEF beehren. Weiter fährt das belgische Königspaar Philippe und Mathilde und das norwegische Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon nach Davos. Schliesslich werden auch der jordanische König Abdullah II und Königin Rania das Forum besuchen.

Gäste aus der Schweiz: Sechs der sieben Bundesräte werden sich am WEF beteiligen. Nur Simonetta Sommaruga reist nicht nach Davos.