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Wirtschaft Angus Deaton: «Trump-Wähler sterben früher»

Länder wie die USA und Grossbritannien könnten es sich nicht leisten, ganze Bevölkerungsgruppen zurückzulassen, mahnt Wirtschaftsnobelpreis-Träger Angus Deaton am Swiss Economic Forum in Interlaken. Die Konsequenzen seien immens. Und doch geschieht genau das.

Legende: Video Angus Deaton über seine Forschungen zu Sterberaten abspielen. Laufzeit 2:31 Minuten.
Vom 10.06.2016.

Eigentlich ist es eine frohe Botschaft, die Angus Deaton mit ans Swiss Economic Forum bringt: «Die Welt ist heute besser, als sie jemals war», sagt der Wirtschaftsnobelpreis-Träger. Über alles gesehen, herrschen weniger Ungleichheit und weniger Armut.

Er fügt aber an: «– auch wenn sie im Moment ein ziemliches Desaster ist.» Hinzu kommt: Viele Industrieländer, wie etwa Grossbritannien oder die USA, seine Wahlheimat, verzeichnen eine wachsende Ungleichheit. Auch die Schweiz ist hier nicht ausgeschlossen.

Die zunehmende Ungleichheit geht einher mit einem verlangsamten Wirtschaftswachstum. «Es gibt Leute, ganze Bevölkerungsgruppen, die zurückgelassen werden», warnt Angus Deaton.

Wir brauchen Aussicht auf Verbesserung

Die Konsequenzen sind weitreichend, wie der Princeton-Ökonom ausführt: Wir seien nur dann bereit, gewisse Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn wir eine Aussicht auf Besserung am Horizont erspähten. Bliebe diese aus, dann suchten wir jemanden, der Schuld tragen könnte – Ausländer zum Beispiel –, und wir suchten jemanden, der uns das alles offenbar erklären kann: Donald Trump etwa.

Legende: Video «Positiv und schockierend zugleich» – Analyse der Rede abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Vom 10.06.2016.

«Es gibt eine klare Korrelation zwischen Trump-Wählern und einem frühen Tod», sagt Angus Deaton und spielt auf eines seiner überraschenden Forschungsergebnisse an: Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Industrieländern steigen in den USA die Sterberaten weisser Männer im mittleren Alter. Die Gründe sind viele Suizide, oftmals aber auch Medikamenten-Missbrauch.

Angesichts seiner Forschungen gibt der Ökonom folglich diese Botschaft mit auf den Weg: «Wir können uns nicht leisten, ganze Bevölkerungsgruppen zurückzulassen.»

Angus Deaton

Der in Grossbritannien geborene und in den USA lebende Ökonom sorgt immer wieder mit seinen Forschungen und prägnanten Aussagen für Aufsehen. So sagt der Princeton-Professor etwa auch: «Entwicklungshilfe ist zynisch.» Im letzten Jahr erhielt der heute 70-Jährige den Wirtschaftsnobelpreis.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Der Mensch wird durch die globalisierung zum Wanderarbeiter. Eine starke wirtschaft zu haben bedeuted das die Löhne gedrückt werden müssen um international zu konkurieren, was zur Folge hat, dass je länger je mehr sämtliche Macht und immer mehr Kapital zu den besitzern der Produktionsanlagen wandert, wobei der Arbeitnehmer immer weniger für die tatsächlie Leistung bekommt. Die armut nimmt nicht ab, sie wächst mit exponetieller geschwindigkeit, 25000 menschen verhungern täglich und es werden mehr
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  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Spannende Aussage von Deaton. Das widersprüchliche ist, dass Europa sich in allem Amerika annähert, obwohl doch seine forschung zeigt wie krank deren system ist und wie krank es die Menschen macht. Doch die politiker stehen nachwievor hinter TTIP, diesen Lobbyisten geht es nicht um Freiheit oder Gerechtigkeit. Die wollen das die Bürger zu rechtslosen Lohnsklaven werden wie in den USA. Ebenso falsch ist die aussage das die weltweite armut abnimmt, die schere geht auf und zwar exponentiell....
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