Apps verdrängen Stempeluhren

Seit Anfang Jahr gelten in der Schweiz liberalere Regeln für die Erfassung der Arbeitszeit. Die gute, alte Stempeluhr hat vielerorts ausgedient. In die Bresche springen Smartphone-Apps, die sowohl den Chefs als auch den Angestellten das Leben leichter machen sollen.

Der Arbeitsalltag hat sich verändert, immer mehr Leute arbeiten zeitlich flexibel, mobil oder von zuhause aus. Deshalb wurde in den letzten Jahren in vielen Unternehmen die Arbeitszeit nicht mehr korrekt erfasst, und die Kontrollbehörden schauten oftmals nicht allzu genau hin.

Weniger strenge Regeln für die Chefs

Damit ist nun Schluss. Seit Neujahr gelten in der Schweiz liberalere Regeln für die Arbeitszeiterfassung. Zwar müssen die meisten Angestellten weiter die Arbeitszeit erfassen. Doch für Kaderleute, die über 120'000 Franken verdienen, und für Angestellte, die ihre Zeit frei einteilen können, wurden die Bestimmungen gelockert.

Vor zwei Monaten hat Bundesrat Johann Schneider Ammann die neuen Regeln angekündigt. «Damit kommen wir der Marktflexibilität entgegen», sagt er. Die Neuerungen würden die Voraussetzungen schaffen, dass sich wieder alle an die Rahmenbedingungen halten müssten und ihre Arbeitszeit richtig dokumentierten.

Warum Apps Stempeluhren verdrängen

2:26 min, aus HeuteMorgen vom 04.01.2016

Aber wie das geschehen soll, lässt der Bundesrat offen. Ob man ein- und ausstempelt, Arbeitszeiten und Pausen handschriftlich in eine Tabelle einträgt, oder ob dies am Computer am Arbeitsplatz erfolgt, das ist egal.

Wenn die App die Arbeit klaut

Neuerdings gibt es dafür Smartphone-Apps, etwa die App Abaclik des St. Galler Software-Unternehmens Abacus. Diana Meier hat als Produktverantwortliche die neue App mitentwickelt, dank der man viele Informationen erfassen kann, wie etwa Leistungen, Spesen und eben auch die Arbeitszeit. Meier sagt: «Die Idee ist, dass die App Ihnen die Arbeit wegnimmt in Bezug auf die Zeiterfassung.» Der Arbeitgeber habe dadurch schlanke Prozesse und weniger Kosten, die Zeiten zu rapportieren.

Schon 5000 Downloads

Die App schickt die Daten an die Buchhaltung der Firma, wo sie automatisch weiterverarbeitet werden. So werde die Arbeitszeiterfassung ganz einfach, ergänzt Meiers Kollege Marc-André Theytaz, der die neue App vielen Unternehmen präsentiert hat. Das Interesse sei gross, sagt er: «Wir haben sehr gutes Feedback.» Über 5000 Mal sei Abaclik bisher heruntergeladen worden.

Auch andere Schweizer Anbieter wie Admia oder Real Time Management haben ähnliche Apps für die Zeit-und Leistungserfassung entwickelt. Die Stempeluhr könnte also bald ausgedient haben, wenn auch die Erfassung der Arbeitszeit bestehen bleibt.

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