Banken lagern ihre Jobs aus

Einige Banken haben bereits ganze Abteilungen ins Ausland verlegt. Ob sich die Auslagerungen unter dem Strich rechnen, ist unklar. Klar ist aber, dass viele Bankangestellte verunsichert sind.

Mann in Anzug und mit Aktentasche und offenem Regenschirm vor einem Zürcher Tram. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die IT in Indien, das Backoffice irgendwo in Osteuropa: Lassen die Banken ihre Angestellten im Regen stehen? Keystone

Vor kurzem wurde einem Mann – gelbes Hemd, Vollbart, seit 27 Jahren bei einer grossen Bank, zuletzt in der IT-Abteilung angestellt – mitgeteilt: «Deine Arbeit wird in einem Jahr nicht mehr in der Schweiz gemacht. Du musst uns aber noch behilflich sein, um Inder auszubilden, damit sie fähig sind, deine Arbeit zu übernehmen.»

Banken später dran als Industrie

Bei einer Podiumsdiskussion, die der Bankenpersonalverband zusammen mit dem Kaufmännischen Verband organisiert hat, erfuhr der Mann, warum bei den Banken nun etwas geschieht, was in der Industrie schon praktisch vorbei ist. Für Sybille Sachs, Professorin für Unternehmensführung ist klar, dass es den Banken lange Zeit zu gut ging. Sie mussten nicht via Outsourcing Kosten sparen – dank dem Bankgeheimnis: Dieses habe eine gewisse Trägheit hervorgerufen. «Und dann gab es natürlich die vielen Jahre, in denen wir wirklich eine gute Wirtschaftslage gehabt haben.»

Unterdessen sind die Margen unter Druck, das Bankgeheimnis ist Geschichte. Die Banken analysieren, welche Bereiche sie auslagern könnten. Christian Wilhelm von der Universität St. Gallen berät sie dabei.

Er schätzt, dass theoretisch fast jeder fünfte Job im Bankenwesen gefährdet ist: «Wenn wir die rein verarbeitungsorientierten Prozesse wie etwa den Support anschauen, dann sind wir irgendwo bei 10'000 bis 25'000 Arbeitsplätzen, die outsourcingfähig wären.»

Dann stelle sich aber die strategische Frage: Wo und wann macht ein Outsourcing Sinn, welche Bank will das machen? «Das heisst nicht zwangsläufig, dass 50 bis 80 Prozent Kosteneinsparungen damit verbunden sind.» Genaue Zahlen gibt es kaum. Die Banken orientieren nur bruchstückhaft.

Fall Adoboli: «Teuerstes Projekt aller Zeiten»

Klar ist, dass sich nicht alle Outsourcings lohnen. Daniel Lampart, Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund macht ein Negativ-Beispiel: Den Fall des Investmentbankers Adoboli. Er bescherte der UBS vor zwei Jahren einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar. Die Finma hat herausgefunden, dass das Reporting für die fraglichen Positionen outgesourced geworden war. «Jetzt ist das wahrscheinlich das teuerste Outsourcing-Projekt einer Bank aller Zeiten.»

Andere Auslagerungen machen ökonomisch durchaus Sinn. Für die Betroffenen können sie – wie im Fall des oben genannten IT-Mitarbeiters – aber trotzdem hart sein: «Ich habe im Moment keine Zukunft. Ich weiss auch noch nicht, ob ich diese Inder wirklich ausbilden will, oder ich mich dagegen sperren soll.»