Bankpersonalverband fordert Entschuldigung von Dougan

Der Bankpersonalverband verurteilt die Aussagen des Chefs der CS vor dem US-Senatsausschuss und verlangt eine Entschuldigung. Brady Dougans Schuldzuweisung an eine kleine Gruppe von Angestellten verunglimpfe viele Mitarbeitende, die nichts mit der Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu tun hätten.

Brady Dougans Worte des Bedauerns vor dem US-Senats-Ausschuss waren wohldosiert. Zehn, vielleicht fünfzehn Mitarbeitende hätten sich nicht an interne Richtlinien der Credit Suisse gehalten. Diese Leute hätten bankinterne Weisungen verletzt, willentlich, und hätten diese Verstösse gegenüber ihren Vorgesetzten versteckt, sagte der oberste Chef der Schweizer Grossbank gestern aus.

Diese Worte kamen beim Schweizerischen Bankpersonalverband schlecht an. Dieser fordere eine öffentliche Entschuldigung von Dougan, sagt Zentralpräsident Peter-René Wyder: «Wir sind der Meinung, dass Herrn Dougans Ausführungen, das Fehlverhalten konzentriere sich auf ein paar wenige Personen, falsch sind. Und wir denken, dass die Verantwortung auch auf der Chefetage gegeben ist.»

Verschlechterung der Situation einzelner

Deshalb sei das Abschieben auf ein paar wenige Mitarbeiter einfach nicht in Ordnung. Es sei nämlich wenig glaubhaft, dass die Geschäftsleitung nicht informiert gewesen sei, so Wyder. Mit der Aussage Dougans habe sich zudem die Situation der Mitarbeitenden deutlich verschlechtert, deren Namen an die US-Steuerbehörden übermittelt wurden.

Schliesslich sei es für jene Mitarbeitenden darum gegangen, ein Geschäftsmodell umzusetzen, welches die CS über längere Zeit verfolgt habe, sagt Wyder: «Man hat nach 2008 Anstrengungen sicher unternommen, das zu ändern, auch bei der CS. Aber die Verantwortung, das dann auch konsequent umzusetzen, liegt nach wie vor beim Management. Da waren die Ausführungen von Herrn Dougan zu wenig überzeugend.»

Gerichte können sich auf Aussagen berufen

Unbestritten ist: Die Worte Dougans belasten jene Mitarbeiter schwer, gegen welche die USA bereits Anklage erhoben haben. Die US-Justizbehörden können sich nun auf die Aussagen des obersten CS-Chefs berufen, dass sie geltendes Recht willentlich verletzt haben. Entsprechend hart dürften die Strafen ausfallen.

Auf der anderen Seite, sagen Rechtsexperten, wirkten die Worte Dougans für eine grosse Zahl von Mitarbeiter entlastend. Ihnen attestierte das oberste Management nämlich, korrekt gehandelt zu haben.