Betrüger Adoboli: «Würde mich nicht als Kriminellen bezeichnen»

Mehr als zwei Milliarden Franken hatte UBS-Wertpapierhändler Kweku Adoboli verzockt, als er 2011 in London verhaftet wurde. Seit einem Jahr ist er wieder frei und spricht nun erstmals über seinen Fall – und darüber, dass sich am Finanzgebaren vieler Banker nichts geändert habe.

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Adoboli: «Skandal kann jederzeit wieder passieren»

1:47 min, aus Tagesschau vom 3.8.2016

Dieser Mann hat die Schweizer Grossbank UBS fast im Alleingang an den Rand des Abgrundes gezockt. Der Investmentbanker Kweku Adoboli hatte jahrelang bewusst gegen die Sicherheitslimiten der Grossbank verstossen, um mehr Gewinn zu erzielen – unter stillschweigender Duldung seiner Vorgesetzen, wie er in seinem Prozess stets beteuert hatte.

«Hatte nur das Beste im Sinn»

Diese Woche gab Adoboli, der heute in Schottland wohnt, sein erstes Interview. Gegenüber der BBC zeigt er sich reumütig. Er habe versagt und Fehler gemacht, dafür habe er sich schon mehrmals entschuldigt: «Ich bereue den Schaden, den ich meiner Arbeitgeberin und meinen Arbeitskollegen angetan habe», sagt Adoboli.

«Aber ich würde mich dennoch nicht als Krimellen bezeichnen.» Er habe immer nur das Beste im Sinn gehabt. Und dennoch: «Ich akzeptiere die Verurteilung wegen Unehrlichkeit.»

Druck und Gier bestehen weiterhin

Adoboli sah sich stets als Opfer eines Systems, das auf Gier und schnellen Profit angelegt war. Die Banken als rücksichtslose Gewinnmaximierungs-Maschinerie. Hat sich daran nach Ansicht des gebürtigen Ghanaers etwas geändert? «Nein, absolut nicht. Wenn ich mit ehemaligen Kollegen spreche, dann kämpfen diese immer noch mit den gleichen Problemen, dem gleichen Druck, um möglichst viel herauszuholen, ungeachtet der Mittel.» Ein Skandal könne jederzeit wieder passieren.

Adoboli selber wird nie mehr in einer Bank arbeiten können. Die britischen Behörden haben ihm ein lebenslanges Berufsverbot auferlegt.