Biotech braucht einen langen Atem

Die Zahl der Schweizer Biotech-Firmen ist in zehn Jahren um über die Hälfte auf 200 gestiegen. Milliardenumsätze deuten auf eine Erfolgsstory hin. Doch viele schreiben lange rot, bis die Kasse klingelt. Jetzt probt mit Molecular Partners erstmals seit 2007 wieder eine Schweizer Firma den Börsengang.

Aus 130 sind innert zehn Jahren fast 200 Biotech-Unternehmen in der Schweiz geworden. Ihr Gesamtumsatz stieg stetig auf 4,7 Milliarden Franken im vergangenen Jahr.

Dass viele dieser Firmen noch rote Zahlen schreiben, liege in der Natur der Branche, erklärt Jürg Zürcher, Biotech-Experte beim Beratungsunternehmen Ernst & Young: «Die Gesellschaften investieren zu Beginn sehr viel. Aufgrund des langen Entwicklungszeitraumes bis zur Marktfähigkeit eines Produktes schreiben sie Verluste.»

Investitionen in Biotech-Firmen Bis 2007 wurde meist mehr Geld in Publikumsgesellschaften investiert. Seither fliessen – bis auf die Ausnahme im Jahr 2011 – mehr Investitionen in privat finanzierte Unternehmen (Angaben in Millionen Franken).

Molecular Partners vor dem Börsenstart

Einen langen Atem brauchen auch die Investoren, samt einer tüchtigen Portion Mut zum Risiko. Denn nicht jede Forscher-Idee findet am Schluss einen Markt. So verging In der Finanzkrise 2007/2008 vielen Investoren die Lust auf Biotech.

Neuer Biotech-Campus in Genf

2:29 min, aus Tagesschau vom 4.11.2014

Dass am morgigen Mittwoch mit Molecular Partners aus Schlieren erstmals seit 2007 wieder ein Biotech-Unternehmen in der Schweiz an die Börse gehe, sei deshalb vielversprechend, sagt Zürcher. Er geht davon aus, dass in der Schweiz weitere Gesellschaften den Schritt wagen, wenn sich die Molecuar-Aktie morgen hält.

Um an die Börse zu gehen, muss ein Biotech-Unternehmen seine Ideen schon weit entwickelt haben. In der Regel bestehen bereits Partnerschaften mit grossen Firmen in der Branche.

Anfang oft schwer

Viel schwieriger sei es aber Geld zu beschaffen für die ersten Schritte, das erste Labor, die ersten Geräte. Da sind Freunde, Bekannte oder sogenannte Business Angels gefragt. Anders als im umliegenden Europa investiert der Staat in der Schweiz nicht direkt in die Unternehmen.

Der Schweizerische Nationalfonds und die Hochschulen fördern die Grundlagenforschung. Direkt den Unternehmen hilft die eidgenössische Kommission für Innovation und Technologie KTI. Allerdings mit bescheidenen rund 25 Millionen Franken pro Jahr, bei insgesamt über 400 Millionen Franken an jährlichen Investitionen, welche die Branche verschlingt.

KTI: Branche mehr pflegen

Laut KTI-Vizepräsident Beda Stadler wäre noch mehr möglich: «Die Branche leidet nicht, aber sie würde wesentlich mehr blühen, wenn man sie mehr pflegen würde.» Ideen seien auf jeden Fall sehr viele da.

Und solche Investitionen lohnten sich für den Staat, betont Stadler unter Hinweis auf Molecular Partners. Die Firma mit ihren vielversprechenden Produkten gegen Altersblindheit und Krebs nimmt beim Börsengang wohl gegen 100 Millionen Franken ein – unter anderem Dank der Starthilfe der KTI. «Wir haben vielleicht maximal eine Million investiert und holen somit jeweils mehr als das Hundertfache an Wertschöpfung heraus», sagt Stadler.

Es ist eine Wertschöpfung für die Gesellschaft in Form von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Ob sich die Lust der Investoren auf Biotech verbessert, hängt aber nicht nur von der staatlichen Förderung, sondern auch und wohl noch stärker vom allgemeinen Investitionsklima ab.

Biotech-Firmen in der Schweiz Die Zahl der Schweizer Unternehmen, die hochspezialisierte Produkte entwickelt, steigt. Bei den Zulieferfirmen hingegen führten Konsolidierungen zu einem Rückgang.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel