China belastet Schweizer Pensionskassen

Das Jahr 2015 steht in China eigentlich für das «gemütliche Schaf». An den Börsen spielen die Aktientitel allerdings verrückt. Welche Auswirkungen hat das auf unsere Pensionskassen, die in China investieren?

Chinesische Ziffern auf einem sehr grossen Bildschirm. Im Vordergrund Anleger. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grün bedeutet (an chinesischen Börsen) nichts Gutes: Die Indizes fallen. Reuters

Die Bilder ähneln dem eines Casinos. Ältere Damen und Herren sitzen vor den grellbunten Grossbildschirmen und betrachten stoisch die Veränderungen auf der Leinwand. Rote Zahlen bedeuten bei chinesischen Börsen Kursgewinne, grün heisst Verlust. In den vergangenen Tagen waren die Bildschirme vorwiegend grün.

Für chinesische Privatanleger eine Katastrophe. Viele von ihren sind im besten Alter, verzocken in diesen Hallen gerade ihr Erspartes. Zum Beispiel in «Kweichow Moutai Co Ltd» . Das Unternehmen stellt den chinesischen Schnaps «Maotai» her. Henry Kissinger soll angeblich einmal gesagt haben, «Maotai» schmecke wie – Kerosin. Der Firmenwert von «Kweichow Moutai Co Ltd» beträgt 34,29 Milliarden Franken. In den letzten drei Monaten ist der Kurs um etwa 30 Prozent eingebrochen.

Komplizierte Regeln

Schweizer Anleger können nicht so leicht in diesen chinesischen Schnaps investieren. Dieser wird an der Festlandbörse in Shanghai gehandelt und ist im Aktienindex SSE 50 gelistet. Der SSE 50 ist für Ausländer nicht leicht zugänglich. Die sogenannten A-Aktien sind nur berechtigten ausländischen Investoren vorbehalten. Wenn sich ausländische Privatanleger in den Aktienmarkt wagen, dann tun sie dies in der Regel mit speziellen China-Fonds, die von zahlreichen Emittenten angeboten werden.

Im Rückblick gesehen sind diese Restriktionen im chinesischen Börsenhandel für manch Interessierten eine gute Sache gewesen. Seit Jahresbeginn haben einzelne Titel nämlich massiv an Wert verloren. Der Sturz ist dermassen gross, dass manche Aktien auch in der 5-Jahres-Performance eingebüsst haben.

Pensionskassen unter Druck

Was den Privatanleger betrifft, gilt nicht für die grossen Investoren in der Schweiz. Die Finanzinstitute suchten den Zugang zu den chinesischen Märkten. Namentlich die Schweizer Pensionskassen stehen in den letzten Jahren unter Druck. Die rekordtiefen Zinsen an den hiesigen Finanzmärkten bedingen Investitionen über die Grenzen des Kontinents hinaus – nicht zuletzt in asiatische Wachstumsmärkte.

Im Gespräch mit einem Insider zeigt sich: Etwa 1 Prozent der 700 Milliarden Franken, die bei Schweizer Pensionskassen deponiert sind, betreffen chinesische Aktien oder Fonds. In den letzten Monaten resultierte auf diesen Märkten ein Verlust von ungefähr 20 Prozent. Die Pensionskassen haben also einen Buchverlust von circa 1,4 Milliarden Franken zu verzeichnen.

Die Personalvorsorge des Kantons Zürich (BVK) ist die grösste Vorsorgeeinrichtung in der Schweiz. Sie hat im MSCI-China-Index investiert. Seit Anfang Jahr ist dieser Index um 18 Prozent gefallen. BVK-Mediensprecher Florian Küng relativiert aber die Verluste: «Auf Stufe Gesamtportfolio», so Küng, resultierten aus den Börsenturbulenzen in China «kaum messbare Verluste.» Wie viele Millionen Franken sind allerdings «kaum messbare Verluste»? Die BVK will nicht präzise werden und vertröstet auf die Medienkonferenz im Januar.

Chinas Börsen sind weiter in Bewegung

1:50 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.08.2015

Kursverluste in Hongkong nicht so schlimm wie in Shenzhen

Auch bei der Pensionskasse der Bundesbeamten, der Publica, will man keine Zahlen nennen, höchstens Prozentangaben. Stefan Beiner ist Leiter Asset Management bei der Publica. Er sagt: «Die Pensionskasse Publica investiert ebenfalls in China, allerdings nicht in Shenzhen, sondern an der Börse in Hongkong. Knapp 2 Prozent des verwalteten Vermögens sind in Hongkong angelegt. Die in Hong Kong aufgelisteten Titel haben nicht so viel an Wert eingebüsst wie die Börse in Shenzhen.»

Auch bei den anderen angefragten Pensionskassen zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar wird in China investiert, die Beteiligungen liegen aber – gemessen am Gesamtvermögen – nur zwischen eins und zwei Prozent. Ende Jahr ist Zahltag. Dann wird sich zeigen, wie viel Geld unsere Pensionskassen wiklich verloren haben.