Papierindustrie Couverts: Millionen-Markt mit Mikro-Margen

Briefumschlag und Kugelschreiber. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 2,2 Milliarden Briefe pro Jahr: Die Schweiz hat weltweit den zweithöchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Couverts. Colourbox

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz gibt es noch eine Handvoll Couvert-Hersteller.
  • Die einen setzen auf hohe Automatisierung und Masse. Branchenführer Elco etwa produziert jährlich 1,5 Milliarden Couverts.
  • Andere spezialisieren sich auf die Nischenproduktion besonders hochwertiger Spezialcouverts. Die Qualitätsansprüche in der Schweiz helfen dabei.

Trotz Freihandel und offenen Grenzen – Papierumschläge made in Switzerland gibt es nach wie vor. Schweizer Firmen dominieren gar den hiesigen Markt. Mit einem Ausstoss von bis zu 10 Millionen Couverts täglich ist Elco der Branchenriese. Das Unternehmen investiert jährlich 10 Prozent des Umsatzes in neue Maschinen und in die IT. Die Produktion ist hoch automatisiert und auf Effizienz getrimmt. Am Standort in Brugg AG sind rund 300 Mitarbeitende beschäftigt, zwei Drittel im Drei-Schicht-Betrieb.

«  «Die Mitarbeiter machen voll mit. Das ist genial.» »

Hans-Jörg Aerni
Geschäftsleiter Elco

Geschäftsleiter Hans-Jörg Aerni sagt: «Wir sind es gewohnt, sehr flexibel zu produzieren. Das ist ein Vorteil, den wir hier in der Schweiz haben. Im Sommer 32 Stunden arbeiten, im Winter 48 Stunden. Die Mitarbeiter machen da voll mit. Das ist genial.»

Aerni rechnet nicht damit, dass der Schweizer Couvert-Markt in den nächsten Jahren wegen der Digitalisierung drastisch einbrechen wird. Dennoch erschliesst das Unternehmen neue Geschäftsfelder. Zum Beispiel im Bereich personalisierter Marketing-Kampagnen, wo individuelle Briefe oder Dokumentationen hergestellt werden. Damit erzielte das Unternehmen 2015 einen Umsatz von rund 15 Millionen Franken

«  Geldverdienen ist möglich, aber anspruchsvoll »

Daniel Husmann
stv. Geschäftsleiter Bochsler

Was Elco in zehn Tagen an Couverts herstellt, entspricht bei der Couvert-Fabrik Bochsler im luzernischen Ebikon in etwa einer Jahresproduktion. Das KMU mit 17 Angestellten hat sich auf Nischenprodukte und Sonderanfertigungen spezialisiert. Entsprechend breit ist der Kundenstamm. Daniel Husmann, stellvertretender Geschäftsleiter, sagt: «Die Herausforderungen an die Produktion selber sind hoch, damit wir alle Ansprüche von Kunden, aber auch interne Erfordernisse unter einen Hut bringen können». Das Geldverdienen sei möglich, aber anspruchsvoll geworden.

Ein Vorteil ist, dass sich teure Investitionen für die Firma in Grenzen halten. Die meisten Maschinen haben eine lange Lebensdauer und müssen nicht alle vier Jahre ersetzt werden.

Ausländische Anbieter drängen zwar auf den Schweizer Markt, doch der Markteintritt ist nicht einfach. Weil Couverts ein vergleichsweise schweres Produkt sind, gehen die Transportkosten ins Geld. Das wirkt bei niedermargigen Produkten wie Couverts als Marktbarriere.

Massenproduktion vs. Spezialanfertigung


Elco
Bochsler Kuvertfabrik
SitzBrugg AG
Ebikon LU
Umsatz62 Mio.
tiefer, einstelliger Millionenbereich
Angestellte30017
Couvert-Produktion/Jahr1500 Mio.
ca. 80 Mio.