Credit Suisse schreibt wieder Gewinn

Die Credit Suisse hat im zweiten Quartal wieder Gewinn gemacht. Er beträgt unter dem Strich 170 Millionen Franken. Im ersten Quartal hat die Grossbank noch rote Zahlen geschrieben. Und auch sonst macht die Bank Fortschritte.

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Thiam: «Müssen Kosten noch weiter reduzieren»

1:46 min, aus Tagesschau vom 28.7.2016

Die Credit Suisse (CS) überrascht mit schwarzen Zahlen: Im zweiten Quartal erzielte sie entgegen den Erwartungen der Analysten wieder einen Gewinn. Er belief sich auf 170 Millionen Franken nach einem Verlust von 302 Millionen im Vorquartal.

Verglichen mit dem Vorjahresquartal brach der Gewinn jedoch um 84 Prozent auf 170 Millionen ein. «Wir waren trotz der volatilen Märkte profitabel», sagte Konzernchef Tidjane Thiam zum Quartalsabschluss.

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Sparen bei externen Stellen

Die CS-Belegschaft hat sich trotz Sparprogramm von April bis Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 570 Personen auf 47'200 Angestellte erhöht. Laut dem Finanzchef spart die CS vor allem bei zugekauften Dienstleistungen mit Externen als bei Vollzeitstellen. Gegenüber dem ersten Quartal habe die Mitarbeiterzahl um rund 1 Prozent abgenommen.

Mit Sparprogramm auf Kurs

Die Grossbank weist in ihrer Mitteilung besonders auf die Rückkehr zur Profitabilität im zweiten Quartal hin sowie auf weitere Fortschritte bei der Restrukturierung. Der Geschäftsaufwand der Gruppe sank um 6 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken. Die Grossbank sieht sich auf gutem Weg, das für Ende 2016 angestrebte Ziel zur Kostenreduktion zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Einige Sparten überraschen

Alle Divisionen erzielten ein positives Ergebnis. Für Überraschung sorgten Global Markets (Aktien- und Anleihengeschäft) mit einem Vorsteuergewinn von 154 Millionen sowie Investment Banking & Capital Markets (IBCM) mit 135 Millionen.

Die Swiss Universal Bank (Schweizer Geschäft) übertraf die Prognosen mit einem Vorsteuergewinn von 453 Millionen. APAC (Asia Pacific) und International Wealth Management (Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden) verzeichneten jeweils ein Plus von 206 Millionen beziehungsweise 245 Millionen.

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Die Vermögensverwaltung zog Neugelder von netto 11,3 Milliarden an. Die verwalteten Vermögen erhöhten sich per Ende Juni auf 1218 Milliarden nach 1180 Milliarden Franken Ende März

In der Abwicklungseinheit (Abbau nicht profitabler Geschäfte) ergab sich dagegen ein Minus von 759 Millionen.

Etwas mehr Eigenkapital

Die Bank habe gute Fortschritte bei der beschleunigten Restrukturierung von Global Markets gemacht und das Geschäft entsprechend redimensioniert sowie die Kosten- und Kapitaleffizienz der Division gesteigert. Dadurch wurde das Risikoprofil deutlich verringert, wie die CS schreibt.

Die Kapitalisierung konnte die Bank gemessen an der harten Kernkapitalquote (CET1 nach Basel III) etwas verbessern: Sie lag bei 11,8 Prozent nach 11,4 Prozent Ende März. «Unsere Kapitalposition ist völlig adäquat», sagt Thiam dazu.

Einschätzung von Wirtschaftsredaktor Jan Baumann

Das Ergebnis der Credit Suisse ist besser, als von den meisten Analysten erwartet. Allerdings war es diesmal auch besonders schwierig, Prognosen zu machen. Denn die Bank befindet sich unter der Leitung von Konzernchef Tidjane Thiam mitten in einem strategischen Total-Umbau. Gemessen am Gewinn aus dem zweiten Quartal des Vorjahres von über einer Milliarde sind die 170 Millionen Franken aus den drei Monaten von April bis Juni zudem ein eher bescheidenes Resultat.

Ein klarer Fortschritt ist die Summe der Kundengelder, die der CS zugeflossen sind. Im gesamten ersten Halbjahr holte die Bank in der Vermögensverwaltung unter dem Strich 21,7 Milliarden Franken zusätzliche Kundengelder herein. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 13,6 Milliarden noch deutlich weniger neue Kundengelder gewesen.

Das Kapitalpolster konnte die Bank ebenfalls verbessern. Und zwar auf eine Quote von 11,8 Prozent gemessen an den Risiken. Vor Jahresfrist betrug die Quote erst 10,3 Prozent.