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Wirtschaft «Dann würden die Mieten unter Druck kommen»

Der Brexit versetzt die Banken in Aufruhr. Schweizer Anlagen gelten erneut als sicherer Hafen. Auf das grösste Interesse stossen Immobilien, sagt der Chefökonom der UBS Daniel Kalt im Gespräch.

Haus mit Gerüsten
Legende: Zurzeit werden viele Wohnungen gebaut. Es könnte zu einem Überangebot führen. Keystone

SRF News: Wieso investieren Anleger nun vermehrt in Immobilien?

Für gewisse Anleger wird die Anlage in Immobilien nun noch viel attraktiver, weil die Zinsen generell etwas nach unten gekommen sind. Für schweizerische Anleihen sind die Zinsen bis zu Laufzeiten von 20 bis 25 Jahren im negativen Bereich. Das macht eine Anlage im Immobilienmarkt, die noch rund drei Prozent abwirft, attraktiv.

Wir haben gewisse Segmente im Immobilienmarkt, die überhitzt sind.

Wer sucht denn diese Anlagen jetzt besonders?

Das sind vor allem institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen, die sehr langfristig anlegen müssen, die auch gewisse Renditen generieren müssen, um letztlich die Renten zu bezahlen. Solche Anleger drängt es in Zeiten, in denen die Zinsen auf anderen sicheren Anlagen wie eben Staatsanleihen im Negativen liegen, sehr stark in diesen Immobiliensektor hinein.

Schon vor dem war Brexit zu hören, dass der Markt überhitzt würde und sich eine Immobilienblase bilden könnte. Wie gross ist die Gefahr nach dem Brexit geworden?

Man muss den Begriff Immobilienblase differenziert anschauen. Wir haben gewisse Segmente im Immobilienmarkt, die sicher überhitzt sind. Im Bereich der kommerziellen Liegenschaften, gemeint sind Verkaufsflächen und Bürogebäude, haben wir keine Probleme. Da bestand schon länger ein Angebotsüberhang mit relativ grossen Leerständen. Da sind die Preise auch nie so stark gestiegen wie im Wohnimmobilienbereich. Und auch da müsste man differenzieren. Bei Einfamilienhäusern ist die Situation weniger dramatisch wie bei Mietwohnungen, bei Renditeliegenschaften. Gesucht werden von Anlegern wie Pensionskassen und Versicherungen vor allem Wohnhäuser mit Mietwohnungen. In diesem Bereich sehen wir die Gefahr, dass die Preise weiter nach oben gedrückt werden, durch diesen Drang, Rendite-abwerfende Immobilien zu finanzieren.

Es werden immer noch Wohnimmobilien hochgezogen. Wann wird es denn wirklich bedrohlich für die Volkswirtschaft?

Es kann in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Situation auftreten, in denen dieses Negativzinsumfeld anhält und die Anleger weiterhin solche Wohnimmobilien hochziehen. Dann wird das Angebot an Neubauwohnungen weiter ausgedehnt. Wenn gleichzeitig die Schweizer Wirtschaft weniger stark wachsen sollte, der Sog nach Einwanderern am Arbeitsmarkt rückläufig ist oder die Masseneinwanderungsinitiative restriktiv umgesetzt wird, dann könnte das dazu führen, dass es ein grosse Angebot von Mietwohnungen gibt. Dann steigen die Leerwohnungen an und das würde den Markt in eine Abwärtsspirale bringen. Dann würden auch die Mieten unter Druck kommen.

Das Gespräch führte Philip Meyer.

Daniel Kalt

Daniel Kalt ist Chefökonom bei UBS WM Investment. Der promovierte Ökonom der Universität Bern ist seit 1997 bei der UBS tätig.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Angesichts der Tatsache, dass die Ressourcen der Ölscheiche und Gasoligarchen langfristig begrenzt sind, wäre es wesentlich sinnvoller wenn Pensionskassen, anstatt in Immobilienblasen, in Effizienz- und erneuerbare Energien investieren würden. Das schafft mehr lokale Wertschöpfung und statt dass zukünftig mit der Energierechnung die Ölscheiche bezahlt werden (welche damit Flüchtlingswellen anheizen), werden die Renten bezahlt. Schade, dass die Entscheidungsträger diesbezüglich ignorant sind.
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