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Wirtschaft Das billigste Smartphone nur für Auserwählte

In Indien warten 17 Millionen Menschen seit Februar auf die Auslieferung des angeblich billigsten Smartphones der Welt. Für umgerechnet 3.65 Franken soll es zu haben sein. Diese Woche will der Hersteller die ersten 5000 Exemplare ausliefern.

Mohit Goel von Ringing Bells hält ein Smartphone des Typs «Freedom 251».
Legende: Der Chef des Herstellers, Mohit Goel, will das «Freedom 251» mit teureren Modellen quersubventionieren. Keystone

Per Los sind die glücklichen 5000 Inderinnen und Inder auserwählt worden, die als erste ein «Freedom 251» erhalten sollen. Der Name ist Programm: 251 Rupien soll es kosten, umgerechnet 3.65 Franken. Nur: Laut Experten kann allein ein Display nicht für unter 20 Franken produziert werden.

Ashok Chadha, Präsident des Herstellers Ringing Bells, gibt zu: «Die Produktionskosten sind höher als die Verkaufskosten.» Das Unternehmen hoffe, durch den Verkauf anderer, teurer Telefone das «Freedom 251» quersubventionieren zu können.

Mit Apps Geld verdienen

Damit geht Ringing Bells ein Risiko ein. Die Konkurrenz im indischen Telefonmarkt ist gross. Und es ist fraglich, ob das Unternehmen genügend der teureren Telefone verkaufen kann, um das «Freedom 251» finanzieren zu können. Chadha sagt, Ringing Bells wolle auch durch vorinstallierte Apps Geld verdienen. Jedes Mal, wenn ein Kunde auf diese Apps tippe, erhalte Ringing Bells Geld vom Hersteller der App.

Letztlich erhofft sich das Unternehmen Geld vom Staat, in indischen Medien kursiert der Betrag von 7,5 Milliarden Dollar. Derzeit besitzen nur 17 Prozent der Inder ein Smartphone, und die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, gerade der armen Landbevölkerung Handys zu ermöglichen. Doch dass die Regierung ein Privatunternehmen durch öffentliche Gelder unterstützt, darf bezweifelt werden. «Ein Risiko besteht immer», sagt Chadha nur.

Nur ein Werbeinstrument?

Bisher ist ein Handy ausgeliefert worden. Die restlichen 4999 sollen diese Woche folgen.

Kritiker vermuten, dass das «Freedom 251» nur ein Werbeinstrument für die anderen Telefone von Ringing Bells ist. 5000 Smartphones mit Verlust zu produzieren ist günstiger als jedes Werbebudget. Werbung kann sich das Unternehmen definitiv sparen – dafür ist der Hype um das «Freedom 251» in den indischen Medien zu gross.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Meier (Kurt3)
    Ich staune immer wieder , über das Tempo von srf.online . Über das Freedom 251 habe ich in der internationalen Presse vor 2 Wochen gelesen . @ Balli , was wollen Sie uns sagen ?
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    1. Antwort von René Balli (René Balli)
      Wie mehr ein Land überbevölkert ist, desto weniger zählt ein einzelner Mensch. 5000 Personen scheinen viel zu sein, in Indien sind es aber nur 0.00038% der gesamten Bevölkerung, es kriegt also praktisch niemand ein billiges Gerät aber alle wissen davon, sogar wir! 5000 Menschen für Werbezwecke (mis)brauchen, kann man nur in einem überfüllten Land, in Island wäre das z.B. nicht möglich. Die unglaubliche Armut in Indien ist zum grossen Teil auch auf die Überbevölkerung zurückzuführen.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Die Blüten einer beispiellosen Überbevölkerung!
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Nun, ich habe mein Smartphone (Vodaphone) das alles kann was die Teuren auch, fuer 45sfr Vertragsfrei!!! erhalten.. das waeren ca 700 Rand ... es stellt sich die Frage, was kann man fuer 251 Rupien in Indien kaufen.. (Milch oder Reis..) In SA waeren das 60 kg Reis...oder 50 L Milch... und in Indien???? So hinkt der Vergleich mit der exchang-rate immer weil es nicht in Relation zur Kaufkraft vor Ort steht.. soo gesehen war das eigentlich "schwacher" Journalismus...Nachliefern bitte sf, danke! ;-)
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