Das Seco bricht sein Schweigen

Zum ersten Mal seit der Aufhebung des Mindestkurses hat das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bekannt gegeben, wie die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einzuschätzen seien. Das Ausmass einer möglichen Konjunkturabkühlung sei schwer einzuschätzen. Das Seco rechnet nun mit zwei Prognosen.

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Auch Seco ratlos nach der Aufhebung des Mindestkurses

1:56 min, aus Tagesschau vom 9.2.2015

Seit der Aufhebung des Mindestkurses haben verschiedene Verbände und Organisationen ihre Konjunkturprognosen für das Jahr 2015 an die neuen Umstände angepasst. Nicht so das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Fast einen Monat war es still um die Konjunktur-Expertengruppe des Bundes. Letzten Donnerstag liess sie dann in einem Communiqué verlauten, dass bis am 19. März 2015 keine Zwischenaktualisierungen der Prognosen seitens des Seco erscheinen werden. Es wurde aber dennoch anerkannt, dass die letzte offizielle Prognose vom 18. Dezember 2014 durch die jüngsten Entwicklungen überholt werden müsse.

Heute gab Eric Scheidegger, Leiter der Seco-Direktion für Wirtschaftspolitik, am Rande eines Forums für Mittelstandforschung in Chur dann aber etwas mehr Einblick in die gesamtwirtschaftlichen Beurteilungen des Seco.

Zwei Prognosen – beide realistisch

Laut Eric Scheidegger sei es «sehr schwierig sich ein Bild über die weitere Konjunkturentwicklung zu machen». Der Entscheid der Nationalbank liege erst drei Wochen zurück und für die Wirtschaft sei noch nicht genügend Zeit verstrichen um sich an die neuen Verhältnisse anzupassen. Mit der gegebenen Unsicherheit im Markt sei es verfrüht seitens des Seco eine sichere Prognose abzugeben.

Das Seco-Team um Eric Scheidegger arbeitet darum in den nächsten Wochen mit zwei möglichen Entwicklungsszenarien:

  • Prognose 1: Das Wechselkursgefüge beruhigt sich wieder. Der Euro-Franken Kurs pendelt sich zwischen 1.10 Franken und 1.20 Franken ein. Bei diesem Szenario würde die Exportnachfrage etwas nachlassen, es wird jedoch nicht zum befürchteten Einbruch kommen. Auch das BIP würde etwas zurückgehen, man rechnet aber immer noch mit einem Wachstum von rund einem Prozent
  • Prognose 2: Der Schweizer Franken bleibt stark überbewertet. Es würde zu einem Einbruch des Exportmarktes kommen, was sich im Gegenzug auch auf die Binnenkonjunktur auswirken könnte. Bei diesem Szenario muss für das laufende Jahr mit einer Stagnation oder einem sogenannten Nullwachstum ausgegangen werden.

Das Seco bewertet die Wahrscheinlichkeit beider Szenarien zurzeit als gleichwertig denkbar.

Die Bundesverwaltung muss warten

Das Staatssekretariat für Wirtschaft steht in einer besonderen Position. Die Bundesverwaltung stützt sich nämlich bei der Erstellung des Budgets auf die Konjunkturprognosen des Seco. Trotz der prekären Situation für die Schweizer Wirtschaft lässt sich die Expertengruppe Konjunktur aber Zeit.

Gemäss Scheidegger würde der Konjunkturverlauf ständig analysiert, eine Prognose sei aber nicht vor dem 19. März 2015 vorgesehen. Bis dahin könne man noch einmal viel mehr Informationen sammeln um dann zuverlässiger beurteilen zu können zu welcher der beiden Entwicklungsszenarien sich die Schweiz eher hinbewegt.