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Kapitalerhöhung angekündigt Deutsche Bank sucht Geldgeber

Legende: Audio Die Deutsche Bank buhlt um Gelder abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
01:16 min, aus HeuteMorgen vom 06.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Deutsche Bank kündigt die Ausgabe von bis zu 687,5 Millionen neuen Aktien an, durch die eine Summe von acht Milliarden Euro erlöst werden soll.
  • Das Finanzinstitut will künftig auf ein vereinfachtes Geschäftsmodell mit nur noch drei Bereichen setzen. Die Postbank wird nicht wie ursprünglich geplant verkauft, sondern in die Deutschen Bank integriert.
  • Das Geschäftsjahr 2016 hatte die Bank mit einem Minus von rund 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen. 2015 war ein Fehlbetrag von 6,8 Milliarden Euro aufgelaufen – das grösste Minus in der Geschichte der Deutschen Bank.

Die Deutsche Bank macht eine Rolle rückwärts bei der Postbank. Statt die auf Privatkunden fokussierte Tochter zu verkaufen, soll sie innerhalb von drei bis fünf Jahren ins Geschäft des Konzerns integriert werden. Die kombinierte Bank werde mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland haben, so die Deutsche Bank.

Gleichzeitig will Konzernchef John Cryan beim Investmentbanking verlorenen Boden gutmachen. Das Geschäft mit der Beratung und Finanzierung von Unternehmen, das Kapitalmarktgeschäft und die sogenannte Transaktionsbank werden zusammengelegt.

Kapitalerhöhung geplant

Um die Neuaufstellung stemmen zu können, stärkt die Deutsche Bank wie erwartet ihre Kapitaldecke. Über den Verkauf neuer Aktien will das grösste deutsche Geldhaus rund acht Milliarden Euro einnehmen. Die Papiere werden den Altaktionären angeboten und sollen 11,65 Euro kosten. Je mehr Kapital eine Bank vorhält, desto widerstandsfähiger gegen Krisen ist sie.

Gleichzeitig soll der Vermögensverwalter Deutsche Asset Management – bei Publikumsfonds bekannt unter DWS Investments – zu einem kleinen Teil an die Börse gebracht werden, um weiteres Geld in die Kasse zu spülen. Zusammen mit weiteren Veräusserungen soll das weitere zwei Milliarden Euro einbringen.

Doch eine Dividende

Den Aktionären der Bank sollen die Kapitalmassnahmen mit einer Dividende versüsst werden. Auf der Hauptversammlung im Mai solle eine Ausschüttung von 19 Cent je Aktie beschlossen werden, erklärte die Bank. Ursprünglich hatte Cryan die Dividende angesichts der hohen Belastungen durch teure Rechtsstreitigkeiten ganz streichen wollen.

Schon seit Monaten wurde über eine Kapitalerhöhung spekuliert: Die Bank hatte zwei Jahre hintereinander Milliardenverluste geschrieben. Rechtsstreitigkeiten über Geldwäsche in Russland oder im US-Hypothekenstreit waren die Ursache.

Eigenkapital aufstocken

Die Deutsche Bank hatte ihre harte Kernkapitalquote – eine entscheidende Kennziffer für die Krisenfestigkeit einer Bank – zum Jahresende zwar auf 11,9 Prozent steigern können. Im internationalen Vergleich steht sie damit aber eher durchwachsen da. Die Bank strebt nun eine harte Kernkapitalquote von deutlich über 13 Prozent an.

Der Weg dahin soll durch Einsparungen zusätzlich geebnet werden. Bis 2018 sollen die Kosten auf 22 Milliarden Euro sinken nach gut 24 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Bis 2018 sollen daher 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus wegfallen. Die Zahl der Filialen wird verkleinert. Zudem zieht sich die Bank aus zehn Auslandsmärkten und manchen Geschäften im Investmentbanking ganz zurück.

Geschäfte laufen inzwischen besser

Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr konkret mit der Abwanderung von Kunden zu kämpfen, nachdem Sorgen um die Kapitalausstattung von Deutschlands grösster Bank aufgekommen waren. Die Lage hatte sich zum Ende des Jahres hin jedoch bereits deutlich entspannt.

«Es besteht eine Chance, dass dieser Befreiungsschlag gelingt», sagt Jan Baumann von der SRF-Wirtschaftsredaktion. «Das könnte dazu führen, dass die Leute dem grössten deutschen Finanzinstitut wieder vertrauen, zumindest im Heimmarkt Deutschland.»

Verlustreiche Jahre

Das Geschäftsjahr 2016 hatte die Deutsche Bank mit einem Minus von rund 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen. 2015 war ein Fehlbetrag von 6,8 Milliarden Euro aufgelaufen - das grösste Minus in der Geschichte der Deutschen Bank.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Der letzte Satz des Jan Baumann von SRF ist ziemlich billiger Journalismus. Baumann übersieht geflissentlich, dass die Deutsche Bank die richtigen Massnahmen ergreift/ergriffen hat, um sich nachhaltig zu stabilisieren. Von einem Befreiungsschlag, der "möglicherweise gelingt" zu sprechen ist schon sehr dreist und nicht gerade qualifiziert. 8 Milliarden zu beschaffen, sind Peanuts, die zahlt manch einer aus seiner Portokasse.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Hallo, Deutsche Bank, klopfen Sie doch beim Staat an. Der soll Euch unter die Arme greifen, so wie unsere UBS einst auch vom Staat Schweiz mit 60 Milliarden Franken unterstützt und somit vor dem Untergang gerettet wurde.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Nur eben ist gerade der Deutsche Staat enorm belastet als einziger Zahlungsfähiger Staat in der EU - Die Britten haben sich darum aus dem Staub gemacht. Wer hat denn so viel Geldreserven wie unsere Schweiz -die ja ohne UBS als Geldverteilmaschine mit ihr unter gegangen wäre. Deutsche Bank ist nicht gleich UBS . Aber Ackermann in Zypern -als Direktor der Staatsbank dort -kann sicher seinem früheren Arbeitgeber unter die Arme greifen, da bin ich mir sicher !
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