Zum Inhalt springen

US-Börse im Höhenflug Die Börsenrally hat wenig mit Trump zu tun

Anfang August knackte der Dow Jones die historische Marke von 22'000 Punkten. Wie nachhaltig ist der Börsenboom angesichts des politischen Chaos in Washington unter Präsident Trump?

Legende: Audio Dow Jones im Höhenflug abspielen. Laufzeit 02:45 Minuten.
02:45 min, aus Echo der Zeit vom 08.08.2017.

Wann immer Präsident Donald Trump eine Nachricht auf Twitter absetzt, stellt sich sogleich die Frage: Stimmt der Inhalt, oder ist er falsch? So auch neulich, als Trump auf Twitter triumphierte, unter seiner Führung habe die Börse ein neues Allzeithoch erklommen; die Wirtschaft laufe so gut wie seit Jahren nicht mehr:

Trump freut sich über das Allzeit-Hoch des DJ

Diesmal ist Trumps Beobachtung zwar richtig. Doch hat der Boom nichts mit ihm zu tun. Denn wirtschaftlich hat der Präsident bisher so gut wie nichts bewirkt. Weder positiv, noch negativ.

Der Aufschwung ist global

Die Wirtschaft wächst, Arbeitsplätze gibt es so viele, wie schon lange nicht mehr. Zu verdanken ist dies aber in erster Linie dem globalen Aufschwung. Nach Jahren mit extrem niedrigen Zinsen, in denen die Notenbanken die Weltwirtschaft mit billigem Geld geflutet haben, sprudeln nun die Gewinne der Unternehmen.

Nicht zufällig sind es vor allem die grossen, international ausgerichteten US-Konzerne, deren Aktien an der Börse nach oben klettern. Sie profitieren besonders von der guten Weltkonjunktur.

Es ist dieser Aufschwung, der sich in den Kursen an der Wall Street spiegelt – und weniger das Geschehen in Washington, wo Trump mit seinen wirtschaftspolitischen Vorhaben bis jetzt ins Leere läuft. Er wollte die Steuern senken, die Banken-Regulierung lockern und Milliarden in die Infrastruktur investieren. Daraus ist bislang aber nichts geworden.

Unerwartet hohe Gewinne

Dafür treffen an der Wall Street täglich neue Zahlen zu den Gewinnen der Unternehmen ein. Oft fallen sie besser aus, als erwartet. Das treibt die Kurse an. Solange «Corporate America» in diesem Stil «Good News» liefert, dürfte die Börsenparty weitergehen.

Dazu kommt: Aktien sind für die Anleger auch deshalb attraktiv, weil es fast keine Alternativen gibt. Die Banken zahlen für Geld auf dem Konto kaum noch Zinsen. Auch Anleihen werfen nur kümmerliche Erträge ab.

Trump aus der Ferne vor schwarzem Hintergrund.
Legende: Trump schreibt sich den Börsenhöchststand auf die Fahne – doch die Weltkonjunktur ist viel eher dafür verantwortlich. Reuters

Die Rally könnte bald vorbei sein

Also wird munter weiter in Aktien investiert. Auch wenn es kritische Stimmen gibt, die vor einem baldigen, kräftigen Anstieg der Zinsen warnen. Dann wäre es vorbei mit dem billigen Geld der Notenbanken. Das könnte die Konjunktur abwürgen – und auch den Börsenboom.

Doch die Investoren hören nicht darauf. Ebenso lässt es sie kalt, wenn Präsident Trump beim Twittern flunkert: Als er neulich mit dem Fortschritt an der Börse prahlte, stimmten die Fakten nämlich nur zur Hälfte: Dank ihm sei der Dow Jones von 18'000 auf 22'000 Punkte gestiegen, meinte er. Tatsächlich notierte der Dow bei Trumps Amtsantritt bereits bei knapp 20'000 Zählern.

Jan Baumann

Porträt Jan Baumann.

Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Merkt ihr denn gar nicht mehr was Real abgeht ? Gerade Gestern wieder eine sehr wertvolle KMU im SG -Rheintal Pleite ! Schleichend werden die Spekulanten den Mittelstand ausrotten und zum Spielball dieser Börsenverbrecher werden - die mit Scheinverkäufen die Welt im Würgegriff halten - Heute der Fr schon wieder 1.13 -Gestern noch fast 1.16 - wer soll da von den KMUs noch richtige Offerten erstellen ? Der Büezer zum reinen Sklaven degradiert ! Bescheidene Vermögensbildung ? das war einmal !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Jetzt müssen die "Globalisierer" natürlich zurückschlagen. Allen schlechten Berichten zum Trotz, wollen sie uns einbläuen, dass es sehr gut läuft mit der Wirtschaft und überhaupt! Ich hoffe, dass die Menschen nicht einfach alles glauben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    Es mutet doch schon ein bisschen skurril an, wenn man sich so in der westlichen News-Landschaft umschaut. Auf der einen Seite haben wir das Putin-Narrativ, wenn irgendwo etwas negatives passiert, wird direkt Putin dafür verantwortlich gemacht und jetzt beim Trump-Narrativ, wird alles positive (und da gibt es bereits eine Menge, wo nicht berichtet wird) nicht mit Trump in Verbindung gebracht. :-)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Umgekehrt wird ein Schuh draus, wenn man Kommentare von Trump-Fans liest. Schon im Frühling wurde ihm hier zugeschrieben, er habe für Vollbeschäftigung gesorgt. Da war er gerade mal zwei Monate im Amt. Das reicht ja nicht einmal für ein Bewerbungsverfahren um eine Stelle. Fakt ist, dass die Regierung des Vorgängers neben Konflikten auch die Finanzkrise von Neoliberalen wie Trump geerbt hat und es dennoch geschafft hat, für gute Konjunktur zu sorgen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Bin kein Fan von irgendwem, versuche die Dinge neutral zu betrachten. Ich meine positive Dinge, wie Arbeitsplatzrettung (Carrier), als er noch nicht mal im Amt war. Inzwischen ist die illegale Eiwanderung um 20% gesunken. Fesseln der Wirtschaft wurden gelockert, bis im Juli 391 Regulierungen aufgehoben, bringt gewaltige Bauprojekte auf den Weg, was wiederum Arbeitsstellen bringt, Massnahmen gegen Drogen-Krise. Hätte Obama für gute Konjunktur gesorgt, wäre Tump nicht gewählt worden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen