US-Börse im Höhenflug Die Börsenrally hat wenig mit Trump zu tun

Anfang August knackte der Dow Jones die historische Marke von 22'000 Punkten. Wie nachhaltig ist der Börsenboom angesichts des politischen Chaos in Washington unter Präsident Trump?

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Dow Jones im Höhenflug

Wann immer Präsident Donald Trump eine Nachricht auf Twitter absetzt, stellt sich sogleich die Frage: Stimmt der Inhalt, oder ist er falsch? So auch neulich, als Trump auf Twitter triumphierte, unter seiner Führung habe die Börse ein neues Allzeithoch erklommen; die Wirtschaft laufe so gut wie seit Jahren nicht mehr:

Trump freut sich über das Allzeit-Hoch des DJ

Diesmal ist Trumps Beobachtung zwar richtig. Doch hat der Boom nichts mit ihm zu tun. Denn wirtschaftlich hat der Präsident bisher so gut wie nichts bewirkt. Weder positiv, noch negativ.

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Jan Baumann

Porträt Jan Baumann.

Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

Der Aufschwung ist global

Die Wirtschaft wächst, Arbeitsplätze gibt es so viele, wie schon lange nicht mehr. Zu verdanken ist dies aber in erster Linie dem globalen Aufschwung. Nach Jahren mit extrem niedrigen Zinsen, in denen die Notenbanken die Weltwirtschaft mit billigem Geld geflutet haben, sprudeln nun die Gewinne der Unternehmen.

Nicht zufällig sind es vor allem die grossen, international ausgerichteten US-Konzerne, deren Aktien an der Börse nach oben klettern. Sie profitieren besonders von der guten Weltkonjunktur.

Es ist dieser Aufschwung, der sich in den Kursen an der Wall Street spiegelt – und weniger das Geschehen in Washington, wo Trump mit seinen wirtschaftspolitischen Vorhaben bis jetzt ins Leere läuft. Er wollte die Steuern senken, die Banken-Regulierung lockern und Milliarden in die Infrastruktur investieren. Daraus ist bislang aber nichts geworden.

Unerwartet hohe Gewinne

Dafür treffen an der Wall Street täglich neue Zahlen zu den Gewinnen der Unternehmen ein. Oft fallen sie besser aus, als erwartet. Das treibt die Kurse an. Solange «Corporate America» in diesem Stil «Good News» liefert, dürfte die Börsenparty weitergehen.

Dazu kommt: Aktien sind für die Anleger auch deshalb attraktiv, weil es fast keine Alternativen gibt. Die Banken zahlen für Geld auf dem Konto kaum noch Zinsen. Auch Anleihen werfen nur kümmerliche Erträge ab.

Trump aus der Ferne vor schwarzem Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trump schreibt sich den Börsenhöchststand auf die Fahne – doch die Weltkonjunktur ist viel eher dafür verantwortlich. Reuters

Die Rally könnte bald vorbei sein

Also wird munter weiter in Aktien investiert. Auch wenn es kritische Stimmen gibt, die vor einem baldigen, kräftigen Anstieg der Zinsen warnen. Dann wäre es vorbei mit dem billigen Geld der Notenbanken. Das könnte die Konjunktur abwürgen – und auch den Börsenboom.

Doch die Investoren hören nicht darauf. Ebenso lässt es sie kalt, wenn Präsident Trump beim Twittern flunkert: Als er neulich mit dem Fortschritt an der Börse prahlte, stimmten die Fakten nämlich nur zur Hälfte: Dank ihm sei der Dow Jones von 18'000 auf 22'000 Punkte gestiegen, meinte er. Tatsächlich notierte der Dow bei Trumps Amtsantritt bereits bei knapp 20'000 Zählern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • FOKUS: Studio-Gespräch mit Reto Lipp

    Aus 10vor10 vom 26.7.2017

    SRF-Börsenexperte Reto Lipp äussert sich im Studiogespräch zur Entwicklung des Swiss Market Index und beantwortet die Frage, ob der Aktienkurs tatsächlich ein Indiz für das Wohlergehen der Schweizer Wirtschaft sein kann.