«Die Schmerzgrenze bei den Negativzinsen ist erreicht»

Manche Banken haben ein Mittel gefunden, um mit der negativen Verzinsung der Einlagen von Grossanlegern Geld zu verdienen. Allerdings würden sie gerne darauf verzichten.

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Bildlegende: Der Franken ist zu stark: Die Nationalbank verlangt Negativzinsen. Keystone/Archiv

Die Nationalbank (SNB) bittet die Banken kräftig zur Kasse. Minus 0,75 Prozent Negativzins kostet es seit Januar 2015, wenn eine Bank flüssige Mittel bei der Nationalbank deponiert, oberhalb einer gewissen Freigrenze, bis zu der das Geldparkieren gratis ist. Die Währungshüter tun dies, um die Nachfrage nach Franken und damit auch den Frankenkurs zu schwächen.

Auf die Befindlichkeit der Banken nehmen sie dabei keine Rücksicht. «Die Negativzinsen schmerzen sehr», sagt Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik der Schweizerischen Bankiervereinigung. «Die Nationalbank hat im ersten halben Jahr 700 Millionen Franken eingenommen.» Im ganzen letzten Jahr habe sie mit den Negativzinsen über eine Milliarde abkassiert.

Banken kopieren Strategie der SNB

Normal wäre es, einen positiven Zins zu bekommen für Gelder, die man als Reserve auf die hohe Kante legt. Doch nun steht die gewohnte Zinswelt mit den Negativzinsen auf dem Kopf. Allerdings gelten sie vorerst nur für die Banken und für grosse Anleger wie etwa die Pensionskassen.

Davor, Negativzinsen auch für gewöhnliche Sparkunden anzuwenden, schrecken die allermeisten Banken bislang zurück. Zu gross wäre die Gefahr, dass die Kunden zur Konkurrenz abwandern könnten.

Dafür haben sich nun einige Banken etwas anderes einfallen lassen. Sie tun es nämlich der Nationalbank gleich und kassieren ebenfalls Negativzinsen und zwar von der Konkurrenz. Die Regionalbank Valiant in Bern als Beispiel holt damit jährlich über 10 Millionen Franken zusätzliche Zinseinnahmen herein. Mediensprecher Marc Andrey sagt: «Die Banken müssen bei der Nationalbank vielleicht –0.75 Prozent bezahlen. Wir verrechnen weniger, deshalb profitieren die Banken und auch die Valiant.»

Ähnlich hält es die Luzerner Kantonalbank. Auch sie erwirtschaftet regelmässig einen willkommenen Zusatzertrag, indem sie von anderen Banken flüssige Mittel entgegennimmt und dafür Zinsen kassiert.

Geld verdienen mit Negativzinsen

4:04 min, aus Echo der Zeit vom 01.09.2016

«Schmerzgrenze ist erreicht»

Es gibt genug andere Banken, die auf diese Dienste dringend angewiesen sind. So etwa Postfinance. Sie hat permanent flüssige Mittel im Übermass in der Bilanz. Allein 2015 musste sie darum mehrere Millionen Franken Negativzinsen an die Nationalbank abliefern.

Martin Hess von der Bankiervereinigung findet es gut, wenn sich die Banken gegenseitig aushelfen. Er nennt es eine Win-win-Situation, bei der beide Seiten profitieren.

«Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Negativzinsen sehr schwer auf dem Sektor lasten.» Hess spricht darum für alle Banken, wenn er auf ein baldiges Ende der Negativzinsen hofft: «Wir haben eine Schmerzgrenze erreicht und ich gehe davon aus, dass die Nationalbank die Negativzinsen aufhebt, wenn es die Situation zulässt.»

«Die glücklichste Menschen»

Das kann Marc Andrey von der Regionalbank Valiant nur bestätigen: «Wir würden ein Fest machen, wenn die Negativzinsen aufgehoben würden. Wir wären die glücklichsten Menschen.»

Auf den Zustupf aus den eigenen Negativzins-Einnahmen müssten Banken wie Valiant dann zwar verzichten. Aber das wäre das deutlich kleinere Übel, verglichen mit den über einer Milliarde Franken Negativzinsen, die alle Banken zusammen jährlich der Nationalbank abliefern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Banken lagern aus

    Aus Tagesschau vom 1.9.2016

    In der Schweiz arbeiten gemäss einer Studie immer weniger Banker. Die Stellen sind aber nicht verschwunden, sie wurden ins Ausland verlagert. Denkbar ist auch, dass die Banken ihre Dienstleistungen zusammenlegen und Dritte damit beauftragen.