Insolvenz bei Air Berlin Diese Firmen interessieren sich für Air Berlin

Die Investoren haben gesprochen, jetzt sind die Gläubiger dran. Eine Übersicht.

Mehrere Flugzeughecks auf denen das Air-Berlin-Logo zu sehen ist. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Air Berlin kann momentan nur dank eines staatlichen Kredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Keystone

Die Zeit drängt

Seit Freitagnachmittag, 14.00 Uhr ist die Frist für Interessenten, die die insolvente Fluggesellschaft als Ganzes übernehmen oder Teile davon kaufen wollen, abgelaufen. Der Gläubigerausschuss peilt bereits für den 25. September eine Entscheidung an. Der Grund für die Eile: Derzeit kann Air Berlin nur dank eines staatlichen Kredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Wegen sinkender Buchungen und abtrünniger Kunden drängt die Zeit, rasch neue Eigentümer zu finden.

Lufthansa: Bereits von Anfang an hat der deutsche Branchenprimus sein Interesse an grösseren Firmenteilen der Air Berlin angekündigt. Schon seit dem Frühjahr – und damit weit vor der Insolvenz – gibt es Gespräche mit der Airline. Die Lufthansa gilt auch als Favorit der Politik. Dies wird von Konkurrenten wie der irischen Ryanair heftig kritisiert.

Insidern zufolge wird Lufthansa ein Angebot für 70 bis 90 Maschinen abgeben. In diesem Angebot eingeschlossen sind bereits 38 Flieger, die Lufthansa für Air Berlin für seine Billig-Tochter Eurowings und die Austrian Airlines gemietet hat. Lufthansa ist vor allem interessiert an den Start- und Landerechten in Berlin, Düsseldorf und Mallorca. In einem ersten Konzept hatte die grösste deutsche Fluggesellschaft im August ein Gebot über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für die Air Berlin-Tochter Niki und weitere Flugzeuge eingereicht.

Easyjet-Flieger auf Landebahn, aussteigende Passagiere Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Easyjet will sein Fluggesschäft offenbar auf Berlin konzentrieren. Keystone

Easyjet: Die britische Billigfluglinie hält sich bedeckt. Easyjet schliesst 2018 seine Basis in Hamburg. Offensichtlich will sich die Fluglinie auf Berlin konzentrieren. Nach Insiderangaben könnte Easyjet an mehreren Dutzend Flugzeugen interessiert sein.

Autobahn-Tafel auf der Heathrow steht, Flugzeug in der Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Für Experten ist klar: British Airways hätte die Grösse, um Air Berlin als Ganzes aufzukaufen. Reuters

British Airways: Auch British Airways äussert sich offiziell nicht zu ihrem Interesse an Air Berlin. Dennoch: Die British-Airways-Mutter IAG gehört zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine grosse Übernahme stemmen könnten. Davon sind Branchenexperten überzeugt.

Nikki Lauda Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ex-Formel-1-1Weltmeister und Unternehmer: Niki Lauda ist an Air Berlin interessiert. Keystone

Condor/ Niki Lauda: Die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook bestätigt: Zusammen mit Condor sei man bereit, eine aktive Rolle bei der Restrukturierung von Air Berlin und deren Tochter zu übernehmen. Der Unternehmer Niki Lauda will zusammen mit Thomas Cook und Condor «um die 100 Millionen» Euro für Teile von Air Berlin bieten. Zwei Insider aus dem Umfeld von Condor sagten hingegen, dass man noch kein gemeinsames Angebot abgegeben habe. Eine Person sagte, eine solche Offerte sei eher unwahrscheinlich.

Der Ex-Formel-1-Weltmeister ist an der Übernahme der von ihm gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki interessiert sowie an weiteren Flugzeugen. Lauda will nach eigenen Worten an einem Konsortium mit Thomas Cook und Condor 51 Prozent der Anteile halten. Im Visier: touristische Ziele – vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke.

Hans Rudolf Wöhrl Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl liebäugelt mit der insolventen Air Berlin. Keystone

Hans Rudolf Wöhrl: Der Unternehmer bietet bis zu einer halben Milliarde Euro für Air Berlin. Seine Firma Intro will zusammen mit Investoren oder zusammen mit anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro wäre am Übernahmetag fällig. Weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen Euro macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Wöhrl hat die aktuellen Zahlen von Air Berlin nicht angeschaut. Trotzdem hat er sein Angebot bereits abgegeben.

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Was geschieht mit Air Berlin?

2:11 min, aus 10vor10 vom 13.9.2017

Link Global Logistics: Das Unternehmen ist Betreiberin des Flughafens Parchim in Mecklenburg Vorpommern. Link Global Logistics erwägt laut Insidern eine Offerte für Air Berlin. Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang würde bei einer erfolgreichen Übernahme eine Kooperation seiner Logistikfirma mit der Fluggesellschaft ausloten. Dazu könnten auch Air-Berlin-Flugzeuge nach Parchim verlegt werden. Pang hatte 2007 den ehemaligen Militärflughafen in Parchim gekauft, rund 160 Kilometer nordwestlich von Berlin. Das EU-Recht sieht allerdings vor, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle der Airline von Europäern gehalten wird.

Zeitfracht: Das Berliner Logistikunternehmen nimmt die Zahlen von Air Berlin unter die Lupe. Wie ein Angebot von Zeitfracht mit seinen rund 800 Beschäftigten für die Fluggesellschaft mit 8000 Mitarbeitern aussehen könnte, verrät Geschäftsführer Wolfram Simon nicht. Er sieht vor allem Wachstumschancen in der Fracht-Sparte. Für den Passagierbereich sollen Kooperationen sondiert werden.

Utz Claassen: Der ehemalige Energie-Topmanager interessiert sich Medienberichten zufolge auch für Air Berlin. Offiziell will er sich dazu aber nicht äussern. In einem Interview mit dem «Handelsblatt» sagte er nur, dass man dafür Geldgeber finden könne. «Es gibt auf der Welt immer irgendwo restruckturierungswillige und -fähige Investoren jedenfalls dann, wenn sie nicht schon vorab durch politisches Gepolter verschreckt werden.»

Wichtige Fakten zu Air Berlin

Wichtige Kennzahlen
2016
Flugzeuge139
Fluggäste in Mio.
28,9
Mitarbeiter8481
Destinationen verteilt über 80 Länder
135