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Wirtschaft Drei Jahre Mindestkurs – ein Ende in Sicht?

Nicht weniger als 1,20 Franken je Euro – dies beschloss die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor drei Jahren. Und heute? Die SNB ist abhängig von der Europäischen Zentralbank (EZB). So lange die Europäer die Leitzinsen nicht erhöhen, wird auch die SNB die Anbindung an den Euro nicht aufheben?

Gemäss letzter Statistik hält die SNB etwas mehr als 176 Milliarden Euro. Das Risiko bleibt bestehen, dass die Nationalbank enorme Verluste auf ihre angehäuften Euro-Bestände einfährt.

Als die EZB kürzlich den Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt hatte, dümpelte der Mindestkurs wieder nahe bei 1,20 Franken pro Euro. Das ist der tiefste Stand seit November 2012. Im Moment notiert der Franken bei 1,20633.

Legende: Video Vor drei Jahren war die Massnahme der SNB nötig abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 07.09.2014.

Nicht die Spekulanten sind Schuld

Es sind allerdings nicht wie vor drei Jahren die Spekulanten, die derzeit den Franken treiben, es ist vielmehr die Angst der Investoren.

Die SNB muss voraussichtlich auch weiterhin am Geldmarkt intervenieren, «vor allem dann, wenn die geopolitischen Unsicherheiten zunehmen», sagt David Marmet, Leiter Marktanalyse Schweiz der ZKB. Der Franken kann zwar wegen der Anbindung nur begrenzt aufgewertet werden. «Aber er ist eben doch noch ein sicherer Hafen», sagt Marmet.

Auch am Immobilienmarkt hat die SNB weiterhin weniger Spielraum zum Intervenieren als vor der Anbindung. Derzeit scheint sich der Immobilienmarkt – auch dank der von der SNB verschärften Banken-Auflagen für die Hypothekarkredite – etwas abzukühlen. Aber auch hier ist die Bedrohung nicht vom Tisch. «Die Gefahr einer Überhitzung des Immobilienmarktes bleibt virulent», so der ZKB-Ökonom.

Das Fazit

Auch drei Jahre nach der Anbindung bietet der Mindest-Euro-Kurs den Unternehmern in der Schweiz Sicherheit. Ein Ende der historisch aussergewöhnlichen Massnahme ist nicht absehbar: Gemäss der monatlichen Umfrage von Bloomberg rechnen 39 Prozent der Ökonomen frühestens 2016 mit einer Aufhebung des Franken-Deckels, während 44 Prozent den Schritt nicht vor 2017 erwarten.

Auch David Marmet geht davon aus, dass die SNB die Anbindung 2017 aufheben dürfte: «Wir rechnen damit, dass sich die Eurozone dann erholt haben und auch die EZB ihre Zinsen wieder anheben wird. Erst dann kann auch die SNB freier agieren.»

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11 Kommentare

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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Solche Leute wie bei der SNB sollte man fristlos Entlassen. Es koennen nur EU-Befuerworter gewessen sein, die solche Entscheidungen trafen. Kein Normaler Schweizer Buerger schiesst sich mit dem Landesvermoegen gleich 2 mal ins Bein.
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  • Kommentar von Markus Steiner, Fraubrunnen
    Das mit der Untergrenze von CHF 1.20 ist eine heikle Sache. Sie treibt unsere Devisenreserven hoch in Sphären, die risikovoll sind. Wenn der CHF so gesucht ist: Warum fordert die SNB nicht erhebliche Negativzinsen und übernimmt mit diesen Erträgen Kursrisiken, welche Exporteure einzugehen haben? Damit könnte die Grenze von CHF 1.20 freigegeben werden. Wenn das Ausland den CHF auf Teufel komm raus will, dann soll es etwas dafür bezahlen müssen.
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  • Kommentar von Jacques Maillard, Luzern
    Kleine Frage und zwar mit dem Verteidigen des Mindestkurses kann die SNB Euros fast gratis Euros kaufen, um den Kurs zu gewährleisten. Im Angesicht dieser Tatsache, warum lässt sich die Schweiz keinen Staatsfonds (wie z. B. Norwegen, Katar, ...) begründen? Damit das Geld wieder in Europa angelegt wäre, nicht in Anleihen, sondern in Aktien und Immobilien. Könnte jemand mit wirtschaflichen Hintergrund diese Idee kommentieren? Insbesondere, wäre das ein politischer Fauxpas? Besten Dank im Voraus.
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    1. Antwort von Matthias Thut, Wetzikon
      Der Euro verliert laufend an Wert(Inflation). Die SNB hat also einen kontinuierlichen Verlust auf den gekauften Euros (nichts gratis). Zudem ist die SNB keine Investment Bank. Die SNB hat einen politischen Auftrag: Geldmenge kontrollieren (und nicht aufblähen). Die Bilanz der SNB hat sich in den letzen 7 Jahren verzehnfacht (RISIKO!). Vergleich: Die Bilanz der EZB hat sich im gleichen Zeitraum um den Faktor 2,5 vergrössert und die Bilanz der US Notenbank um 4,5. Die SNB fährt das grösste Risiko.
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    2. Antwort von Jacques Maillard, Luzern
      @Matthias Thut: Besten Dank für Ihre Antwort. Was Sie hier beschreiben ist schon verständlich aber inwiefern beantwortet es meine Frage? Das mit dem politischen Auftrag der SNB verstehe ich auch: Gewährleistung der Preisstabilität. Steht aber ein Staatsfonds im Widerspruch dazu?
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