Ein herber Schlag für den Güterverkehr auf der Schiene

Ein Jahr vor der Eröffnung des Neat-Basistunnels durch den Gotthard rühren Branchenvertreter kräftig die Werbetrommel für den Alpentransit auf der Schiene. Doch der neue Frankenkurs und sinkende Dieselpreise machen Unternehmen und SBB einen Strich durch die Rechnung.

Hupac ist das führende Unternehmen im kombinierten Schienengüterverkehr durch die Schweiz. Am Freitag hat Hupac über 100 Spitzenleute aus dem Transportgewerbe in den Gotthard-Basistunnel eingeladen. Direktor Bernhard Kunz wollte seine Geschäftskunden vor Ort von den Vorteilen des Alpentransits auf der Schiene überzeugen. «Es wäre die Gelegenheit, die Leute auf die Schiene zu bringen – ein Jahr vor Eröffnung des Neat-Basistunnels. Und gerade jetzt wird die Schiene gegenüber der Strasse teurer.»

Mit dem neuen Frankenkurs ist die Güterbahnfahrt durch die Schweiz auf einen Schlag um 20 Prozent teurer geworden. Der Transport von Rotterdam nach Genua kostet acht bis 14 Prozent mehr. Die in der Schweiz besonders hohen Schienenbenützungsgebühren, die elektrische Energie, die Lokführer, das alles muss in Schweizer Franken bezahlt werden. Die Kunden aber zahlen in Euro.

«Können Kosten nicht tragen»

Das wird sich negativ auswirken, fürchtet Kunz von der Hupac. «Das kann niemand kompensieren. Die Transportbranche hat eine Marge zwischen einem und drei Prozent. De facto ist die Bahn gegenüber der Strasse weniger wettbewerbsfähig geworden.»

Wolfgang Thoma ist einer der Kunden von Hupac. «Wir können die Erhöhung der Kosten nicht tragen», sagt der Chef eines mittelständischen Unternehmens.

Neben dem Frankenkurs erhöht auch der günstige Dieselpreis den Druck auf den Alpentransit via Schiene. Innerhalb weniger Monate ist er von 1.90 Franken auf rund 1.50 Franken gefallen. Thoma möchte trotzdem an der Bahn im Alpentransit festhalten. Der Preisvorteil beim Treibstoff sei vorübergehend und die Strassen würden im eigenen Verkehr ersticken.

SBB Cargo: Währungsverlust von 35 Millionen

Mit welchen Massnahmen der Sprung beim Devisenkurs aber aufgefangen werden kann, ist unklar. Die Konzernleitung der SBB befasst sich intensiv mit dem Thema. Das Investitionsprogramm wird überprüft, Lieferverträge werden nachverhandelt.

SBB Cargo International fährt mit über 100 Lokomotiven einen Umsatz von 275 Millionen Franken ein. Letztes Jahr wurde ein Gewinn erarbeitet. Bleibt der Franken im laufenden Jahr so stark, errechnet CEO Michail Stahlhut einen Währungsverlust von 35 Millionen. Dazu kommt, dass umsatzstarke Branchen wie Holz, Papier oder Stahl Exportvolumen verlieren, was sich zusätzlich negativ auf SBB Cargo auswirkt.

Neat-Vorteile fast aufgefressen

«Der Druck der Strasse wird immer grösser», sagt Stahlhut. «Kann man noch auf der Schiene durch die Schweiz transportieren?» Bei einem längerfristigen Frankenkurs nahe der Parität zum Euro müsse man sich diese Frage stellen. Dank der Neat fahren schnellere und schwerere Züge mit weniger Lokomotiven durch den Gotthard. Die Produktionskosten im Güterverkehr sinken um 30 Prozent. Ein Fortschritt – der nun vom starken Franken und dem billigen Diesel zu zwei Drittel aufgefressen wird.